Archäologie Ägypten fordert Nofretete offiziell zurück

Lange hat Ägypten gedroht - jetzt macht das Land ernst: Es hat angeblich nun offiziell die Büste der Nofretete zurückgefordert, die Hauptattraktion des Neuen Museums in Berlin. Doch die verantwortliche Stiftung in Deutschland widerspricht.
Büste der Nofretete: Rechtmäßiges Eigentum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz?

Büste der Nofretete: Rechtmäßiges Eigentum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz?

Foto: ? Fabrizio Bensch / Reuters/ REUTERS

Kairo - Ägypten fordert offiziell die Büste der Nofretete zurück, das Glanzstück des Neuen Museums in Berlin. Das Kulturministerium in Kairo teilte am Montag mit, ein Brief mit entsprechendem Inhalt sei an den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, geschickt worden. Ministerpräsident Ahmed Nazif habe die Forderung unterzeichnet.

In Deutschland sieht man das anders: Ein offizielles Ersuchen Ägyptens über die Rückgabe der Nofretete sei Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nicht bekannt, sagt sein Sprecher Hagen Philipp Wolf. Es gebe zwar ein Schreiben vom 2. Januar, adressiert an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das die Unterschrift des ägyptischen Chefarchäologen und stellvertretenden Kulturministers Zahi Hawass trage, berichtet Wolf. Die darin formulierte Bitte um Rückgabe der Nofretete hätten aber weder der ägyptische Ministerpräsident noch andere Regierungsmitglieder unterzeichnet.

Auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hingegen bestreitet, eine offizielle Forderung erhalten zu haben. "Das Schreiben ist nicht vom Ministerpräsidenten unterzeichnet", teilte die Stiftung am Montag mit. Ein offizielles Rückgabeersuchen von Seiten des ägyptischen Staates liege folglich nicht vor. "Die Haltung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz hinsichtlich einer Rückgabe der Büste der Nofretete ist unverändert. Sie ist und bleibt die beste Botschafterin Ägyptens in Berlin", sagt Stiftungspräsident Hermann Parzinger.

Die etwa 3300 Jahre alte farbige Büste der Gattin von Pharao Echnaton hatte der deutsche Archäologe Ludwig Borchardt 1912 in Tell al-Amarna ausgegraben, einer von Echnaton gegründeten Residenzstadt. Der Chef der ägyptischen Antikenverwaltung, Zahi Hawass, ist der Auffassung, Borchardt habe die Verantwortlichen in Kairo damals mit unlauteren Mitteln hinters Licht geführt . Der Deutsche habe dadurch sicherstellen wollen, dass die vom Bildhauer Thutmosis geschaffene Büste auf jeden Fall nach Deutschland kommt. In Berlin wird diese Täuschungsabsicht jedoch bestritten.

Auch im Auswärtigen Amt ist man der Ansicht, die zerbrechliche Dame sei "rechtmäßiges Eigentum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz" und müsse deshalb auch nicht an Ägypten zurückgegeben werden. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte im vergangenen Mai während eines Besuchs in Kairo versucht, die Ägypter davon zu überzeugen.

Drei Jahrtausende im Wüstensand

Als Borchardt 1912 die Nofretete und andere großartige Altertümer aus der Amarna-Zeit entdeckte, galt noch das inzwischen abgeschaffte Prinzip der "Fundteilung". Dies bedeutete, dass die Hälfte archäologischer Fundstücke in das Land gingen, das die Ausgrabung finanziert und organisiert hatte, die andere Hälfte blieb in Ägypten. Hawass behauptet, Borchardt habe die Büste vor dem Teilungstermin mit Matsch eingeschmiert, um ihren Wert vor dem ägyptischen Antikendienst zu verbergen. Der Antikendienst, der bei den Fundteilungen entschied, war damals von einem Franzosen geleitet worden.

Seit Jahren versucht Ägyptens Altertümer-Chef Zahi Hawass die Büste der Nofretete in ihre Heimat zu holen. Deutschland jedoch hatte selbst eine Leihgabe mehrfach abgelehnt.

Nofretete, die Hauptfrau des ägyptischen Pharaos Echnaton, wurde im Jahr 1370 v. Chr. im heutigen Syrien als Königstochter Taduschepa geboren. Später erhielt sie ihren Namen, der auf Deutsch "die Schöne ist gekommen" bedeutet.

Noch sehr jung heiratete sie Echnaton und gebar dem Pharao sechs Töchter. Nofretete ist zudem die Stiefmutter des legendären Tutanchamun. Als der Reform-Pharao Echnaton die ägyptische Göttervielfalt durch den alleinigen Sonnengott Aton ersetzte, stand ihm Nofretete als aktive Mitregentin zur Seite. Nach dem Tod ihres Mannes im 12. Regierungsjahr wird auch die schöne Königin nicht mehr erwähnt. Nofretete starb vermutlich 1338 v. Chr.

Ihre etwa 1355 v.Chr. von Thutmosis in Tell el Amarna geschaffene Büste lag drei Jahrtausende im Wüstensand, bis sie 1912 Ludwig Borchardt fand. Das 50 Zentimeter hohe Kunstwerk wurde nach Deutschland verschifft und erstmals 1924 in Berlin öffentlich ausgestellt.

boj/dpa
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