Archäologie Dom Otto des Großen entdeckt

In Magdeburg haben Archäologen einen sensationellen Fund gemacht. Sie haben die Fundamente des Doms von Kaiser Otto dem Großen entdeckt. Daraus lassen sich neue Erkenntnisse über das Mittelalter gewinnen.



Magdeburg - Grabungsleiter Rainer Kuhn vom sachsen-anhaltischen Landesamt für Archäologie ist begeistert: "Schon jetzt lässt sich sagen, dass das Projekt sensationelle Erkenntnisse über das Mittelalter bringt, die weit über die ottonische Zeit hinausragen." Kuhn teilte mit, der Bau sei fünfschiffig gewesen, 41 Meter breit und rund 80 Meter lang. Die Höhe werde auf bis zu 60 Meter geschätzt. Es sei davon auszugehen, dass es sich bei dem jetzt entdeckten Sakralbau um den ottonischen Dom gehandelt habe, der im 13. Jahrhundert abbrannte.

Die Ausgrabungen haben unter anderem Fundamente, Scherben und elf Grabmale in einer symmetrischen Anlage zu Tage gefördert, die nach Ansicht der Experten darauf schließen lassen, dass am heutigen östlichen Domplatz Magdeburgs ein gigantischer Sakralbau aus der Mitte des 10. Jahrhunderts stand - "der zweitgrößte nördlich der Alpen nach dem Kölner Dom", wie Kuhn bekräftigte. Das passe auch zu den Überlieferungen, nach denen der mächtige Kaiser Otto ein neues Römisches Reich errichten wollte.

Der ottonische Dom fiel 1207 den Flammen zum Opfer. Bislang ging man davon aus, dass auf seinen Fundamenten der heutige gotische Dom errichtet wurde. Nach neuesten Erkenntnissen der Archäologen steht der Dom jedoch auf den Gründen des einstigen Moritzklosters.

Kaiser Otto der Große (936-973) machte Magdeburg bereits im Jahr 929 seiner Frau Editha zum Geschenk und gründete am 21. September 937 das Moritzkloster. Ab 955 wurde dann laut alter Unterlagen mit den Planungen für den Bau der Domkirche begonnen. Nach längerem Widerstand des Erzbischofs von Mainz und des Bischofs von Halberstadt konnte 968 das Erzbistum Magdeburg eingerichtet werden.

Der Stadtbrand von 1207 zerstörte den ottonischen Dom und so wurde spätestens ab 1209 im Auftrag von Erzbischof Albrecht II. von Kefernburg der St. Mauritius-Dom erbaut. Der gotische Bau wurde im Jahre 1520 fertig gestellt.

Kloster und Dom standen nur wenige Meter voneinander entfernt. "Wir haben hier die Überreste einer frühen Kirchenlandschaft gefunden", resümierte Kuhn. Bereits zu Beginn der Grabungsarbeiten habe das 15-köpfige Team des Landesamtes für Archäologie Bauhölzer in der Gruft gefunden, die auf das zehnte Jahrhundert datiert werden konnten. Die symmetrisch angelegten Gräber sowie die darin liegenden Gebeine ließen darauf schließen, dass hier Repräsentanten der damaligen Zeit bestattet wurden. Auch die Steine, teilweise italienischer Marmor, würden darauf hinweisen, dass es sich bei den Fundamenten um die des ottonischen Doms handele, fügte Kuhn hinzu.

Der Archäologe machte aber auch auf einen Widerspruch seiner Forschungsergebnisse aufmerksam: Otto der Große wurde laut historischer Unterlagen im ottonischen Dom bestattet. Die Krypta mit seinem Grab wurde allerdings 1926 im heutigen gotischen Dom entdeckt. Für eine Umbettung gibt es bislang keinen Beweis. Die fehlenden Dokumente könnten aber auch Feuer oder Wasser zum Opfer gefallen sein.

Die Grabungsarbeiten müssen bis Ende Juni abgeschlossen sein. Der Magdeburger Domplatz ist zentraler Ort für die bundesweiten Feierlichkeiten zum Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober und soll bis dahin im neuen Glanz erstrahlen.

Von Birgitt Pötzsch, AP

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