Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Energydrink drehte Indianern den Magen um

Der Truthahn wurde möglicherweise schon vor 2000 Jahren als Nutztier gehalten, vermeintliche Phallussymbole entpuppen sich als 8000 Jahre alte Zündstäbe. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: ein Energydrink, der buchstäblich zum Kotzen ist.
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Cahokia: Archäologen finden Indianerbecher

Foto: Linda Alexander

Wer bei den Indianerstämmen des amerikanischen Südostens etwas auf sich hielt, konsumierte große Mengen des "Black Drink". Das klingt wie der Name eines neumodischen Energydrinks - und tatsächlich enthielt das rituelle Getränk der Indianer auch große Mengen an Koffein.

Es wurde - wie im 17. Jahrhundert die ersten europäischen Siedler in der Region berichteten - aus den Blättern von Ilex vomitoria gebraut, einer nur an der Küste zwischen Florida und Texas heimischen Stechpalmenart. Und wie der lateinische Namen schon andeutet, wurde den Trinkern nach dem Konsum so schlecht, dass sie sich übergeben mussten - was durchaus ein gewollter Effekt war.

Nun haben Archäologen in Cahokia Gefäße gefunden, auf deren Boden noch Reste des Getränks erhalten waren. Cahokia aber liegt in der Nähe der heutigen Stadt St. Louis in Missouri - 400 Kilometer von der Küste und von der nächsten Ilex-vomitoria-Pflanze entfernt.

Zunächst hielten die Forscher den Bodensatz für Kakao - doch die chemische Zusammensetzung passte nicht. Die Reste enthielten Ursolsäure, die in Kakaobohnen nicht vorkommt. Wahrscheinlich brachten Händler die Blätter nach Cahokia. Die Stadt war in ihrer Blütezeit um das Jahr 1200 größer als das damalige London, und entsprechend groß waren ihre Märkte. Die Becher, aus denen die Einwohner den Black Drink schlürften, waren edle Gefäße - das Brechreiz verursachende Gebräu muss also etwas ganz Besonderes gewesen sein.

+++ Heiße Phallus-Symbole +++

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Ausgegraben: Brennende Phalloi

Foto: Goren-Inbar et al.

Nicht jedes stabähnliche Objekt muss gleich ein Phallus sein. Möglicherweise also ist den Ausgräbern der israelischen Grabung Sha'ar Hagolan zunächst die Phantasie durchgegangen: Sie hielten die länglichen Objekte aus der jungsteinzeitlichen Siedlung für kultische Phallussymbole.

Doch nun hat eine neue Untersuchung gezeigt, dass es sich bei den rund 8000 Jahre alten Stücken einfach nur um ganz banale Streichhölzer gehandelt haben könnte. "Wir haben schon aus ganz früher Zeit archäologische Belege von Feuer, das moderne Menschen und auch schon Neandertaler gemacht haben, in Form von Holzkohle, Asche und Feuerstellen", sagte Naama Goren-Inbar von der Hebrew University in Jerusalem der britischen BBC. "Aber es wurde noch nie etwas gefunden, mit dem sie das Feuer tatsächlich entzündet haben."

Unter dem Elektronenmikroskop fand Goren-Inbar Reibspuren, die wahrscheinlich entstanden, als die Objekte mit hoher Geschwindigkeit gedreht wurden. Die Reibung erzeugte genügend Hitze, um damit ein Feuer zu entzünden. Weiter oben am Schaft sind zudem Einkerbungen sichtbar, die eine Schnur zum Drehen der Stäbe eingefräst haben könnte.

+++ Römischer Frachter vor Ligurien +++

Die Fischer von Varazze im italienischen Ligurien wussten schon immer, dass dort unten auf dem Meeresboden vor ihrer Stadt etwas lag. Immer wieder fanden sie Tonscherben in ihren Netzen, manchmal auch Holzteile. Unterwasserarchäologen aus Genua sind der Sache nun auf den Grund gegangen. Sie fanden ein römisches Wrack: Im ersten Jahrhundert nach Christus war es dort mit rund 200 Transportamphoren an Bord gesunken.

Mit einem Mini-U-Boot und einem Tauchroboter untersuchten die Wissenschaftler das Schiff - und konnten feststellen, dass die Amphoren noch immer gut verschlossen waren, mit einem Stöpsel aus Pinienholz und Teer. Der Leiter des Teams, Francesco Schilardi, sagte der italienischen Zeitung "La Repubblica", das Wrack stamme aus jener Zeit, als Rom Handel mit den anderen Regionen des Mittelmeeres betrieb, vornehmlich Spanien. Damals lag in der ligurischen See das Zentrum dieses Handels, die Hauptkreuzung aller Handelswege.

Nun sollen die Amphoren auf ihren Inhalt hin untersucht werden. Zu den beliebten Handelsgütern jener Zeit gehörten Honig, Gewürze und vor allem Wein.

+++ Antiker Truthahnhandel +++

Truthahn: Wann wurde der Vogel domestiziert?

Truthahn: Wann wurde der Vogel domestiziert?

Foto: SAM GREENWOOD/ AFP

Wann holten die Menschen sich den Truthahn ins Haus? Die Antwort könnten sieben Exemplare liefern, die tief im Jaguarpfotentempel der Maya-Stadt El Mirador in Guatemala begraben lagen. Vor über 2000 Jahren wurden sie vielleicht geopfert, vielleicht gegessen - und das über 600 Kilometer von ihrer Heimat in Zentralmexiko entfernt.

Jetzt hoffen Forscher, aus diesen Knochen Details über die Domestizierung des Truthahns zu erfahren. Sie sind noch einmal rund tausend Jahre älter als Funde von Meleagris gallopavo in Zentralmexiko. Dort hatten Archäologen Truthahnknochen entdeckt, die aus der Zeit um 800 n. Chr. stammen. Die sterblichen Überreste lagen in Einzäunungen, und der Kot der Tiere enthielt Maiskörner - beides eindeutige Hinweise, dass es sich um domestizierte Nutztiere handelte.

Die Truthähne aus Zentralmexiko waren ein begehrtes Handelsgut für die Maya im Süden. Bisher ging man davon aus, dass sie aber erst nach dem Kollaps der Maya-Zivilisation um 1000 n. Chr. zur begehrten Delikatesse wurden. Mit den Funden aus dem Jaguarpfotentempel wird aber nun deutlich, dass die Vögel schon wesentlich früher bei den Maya begehrt waren.

+++ Gut behütet +++

Die kleinen Männer tragen Hüte, Ohrenschützer und Ohrringe: In Marcahuamachuco haben Archäologen zehn seltene Figuren gefunden, die wahrscheinlich als Bauopfer in der peruanischen Stadt niedergelegt wurden. Die Erbauer Marcahuamachucos deponierten sie in den Fundamenten, als sie die steinernen Gebäude errichteten.

Einige der Figuren sind sitzend mit übereinandergeschlagenen Beinen dargestellt. Ihr Kern besteht aus Holz oder Stein, über das eine dünne Schicht Metall gezogen wurde. Anschließend dekorierten die Künstler sie zusätzlich mit Ohrringen, Ketten, sogenannten Tupus (Nadeln) oder Perlen. Wahrscheinlich gehörten die Perlen zu Fahnen oder Tüchern, mit denen die Männchen geschmückt waren.

Stilistisch sind sie den Moche zuzuordnen und stammen aus der "Middle Horizon"-Periode zwischen 500 und 900 n. Chr. Marcahuamachuco war in seiner Blütezeit Nordperus wichtigstes politisches, wirtschaftliches und militärisches Zentrum. Die Stadt wird mit seinen massiven Befestigungsanlagen auch das "Machu Picchu des Nordens" genannt.

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