Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Steinzeit-Elch ist so groß wie zwei Fußballfelder

Steinzeitmenschen haben im Ural einen Elch von so gigantischen Maßen gebaut, dass er nur aus der Luft zu erkennen ist. Jetzt sind neue Entdeckungen in der Anlage gelungen. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Munition aus der Zeit Heinrichs VIII. und eine Straße, über die Jesus lief.

Wozu bauten Menschen in der Jungsteinzeit einen riesigen Elch in die Landschaft des Urals? Das Tier am See Zjuratkul ist so groß wie zwei Fußballfelder - aus der Luft sind deutlich seine vier Beine, die längliche Schnauze und die zwei Geweihschaufeln zu erkennen. Bei neuen Untersuchungen in diesem Sommer entdeckten die Archäologen im Bereich der Schnauze und der Hufe Passagen zwischen kleinen Mauern. Auch etwa 40 Steinwerkzeuge kamen zutage.

Elch im Ural: Geoglyph aus der Jungsteinzeit

Elch im Ural: Geoglyph aus der Jungsteinzeit

Foto: Google Earth

Bei den meisten davon handelt es sich um axtähnliche Grabwerkzeuge aus Quarzit. Mit ihnen gruben die Erbauer des Elches Lehm für die Mauern aus, glaubt Stanislav Grigoriew von der Russischen Akademie der Wissenschaften. Die Bearbeitungsspuren an den Werkzeugen seien typisch für die Kupfersteinzeit, das 4. und 3. Jahrtausend vor Christus, es seien aber auch ältere Exemplare darunter.

Heute ist der Elch von Gras überwachsen. Im ursprünglichen Zustand hob er sich aber mit seinen weißen Mauern vom grünen Grashintergrund ab und war deutlich von der Kuppe eines nahe gelegenen Hügels zu sehen. Das Riesentier gehört zu einer Megalithkultur, die in der Jungsteinzeit im Ural viele Stätten errichtete.

+++ Auf Jesu Spuren +++

Die Sohlen Jesu könnten einst dieses Pflaster berührt haben: In Bethsaida am nordöstlichen Ufer des See Genezareth haben Archäologen eine Straße freigelegt, auf der die Apostel Peter, Andreas, Philippus, Jakobus und Johannes und wohl auch Jesus selbst einst wandelten. Sie stammt aus der römischen Zeit der Stadt - als die Apostel hier lebten. Die gepflasterte Straße verläuft Richtung Westen von der Ecke des sogenannten Fischerhauses durch eine Wohngegend auf das Tal des Jordans zu.

"Ich erzähle den Leuten, dass Andreas, Peter und Phillipus mit großer Sicherheit hier entlang gingen - weil sie sonst auf ihrem Weg in die Stadt große Umwege hätten gehen müssen", sagt Ausgräber Nicolae Roddy von der Creighton University in Omaha (US-Bundesstaat Nebraska). Von diesen drei Aposteln ist bekannt, dass sie aus Bethsaida stammten.

Aus der römischen Zeit der Stadt haben die Archäologen schon die Reste eines Tempels gefunden, den Herodes Philippus errichten ließ. Darin lag sogar noch eine Räucherschaufel, die wahrscheinlich für Tempelrituale gebraucht wurde. Außerdem fanden die Ausgräber einen Weinkeller mit Keramik sowie zahlreiche Scherben und Fischfanggerät.

+++ Kugeln aus der Zeit von Heinrich VIII. hatten Eisenkerne +++

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Alte Munition: Kugeln von Heinrich VIII. hatten Eisenkerne

Foto: University of Huddersfield

Mit der "Mary Rose" ist nicht nur ein außerordentliches Kriegsschiff aus der Tudor-Zeit erhalten, sondern auch große Mengen Munition aus den Tagen der britischen Vormacht auf See und zu Land haben es in die Gegenwart geschafft. Rund 1600 Kugeln und 2500 Pfeilspitzen haben die Archäologen aus dem Wrack des Flagschiffs von Heinrich VIII. geborgen, das im Jahr 1545 in einer Schlacht gegen die Franzosen sank.

Ballistiker von der Arms and Armour Research Group am International Institute for Accelerator Applications der University of Huddersfield haben sich jetzt dieser Munition angenommen. Sie haben die Geschosse mit Neutronen-Radiografie und Neutronen-Tomografie untersucht.

Das Ergebnis: In das Innere der Bleikugeln sind Würfel aus Eisen eingeschmolzen. Sollten damit Kosten für das teure Blei gespart werden? Oder versuchten die Ballistiker so, die Kugeln leichter zu machen und damit den Druck zu verringern? "Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, warum sie die Kugeln so herstellten", sagt der Schlachtfeldarchäologe Glenn Foard von der University of Huddersfield. Die Forscher erhoffen sich von der Auswertung der Scans nun neue Erkenntnisse über die Projektile.

+++ Erst totgeschwiegen, dann exhumiert +++

In Ardrossan im schottischen Verwaltungsbezirk North Ayrshire wollen Archäologen ein Massengrab untersuchen. Sie vermuten, dass hier Opfer der Schiffskatastrophe vom 27. März 1943 liegen, als vor der Küste der Flugzeugträger "HMS Dasher" explodierte. Bei dem Unglück kamen 379 Menschen ums Leben. Die Explosion wurde nicht durch feindliche Torpedos verursacht, sondern war wohl auf einen Fehler beim Umbau des ehemaligen Frachters in ein Kriegsschiff zurückzuführen.

Die Regierung versuchte damals, den Vorfall zu vertuschen. Die Medien durften die Katastrophe nicht erwähnen, und die Toten wurden flugs in Massengräbern verscharrt. Nur 16 von ihnen wurden nach Beschwerden der Familien nach Hause überführt und mit Namen bestattet. Den Überlebenden des Unglücks wurde strenges Schweigen auferlegt. Archäologen der Glasgow University haben bereits bei Bodenradarmessungen festgestellt, dass sich in dem Grab auf dem Friedhof von Ardrossan mehrere durcheinandergeworfene Tote ohne Särge befinden.

+++ Wo liegt Sir James? +++

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Pentillie Castle: Wo liegt Sir James?

Foto: Google Earth

Archäologen sind dabei, das Geheimnis von Pentillie Castle in Cornwall zu lösen. Auf dem Gelände des Anwesens steht das Mausoleum des Erbauers Sir James Tillie. Doch die Frage ist, wo seine Leiche begraben liegt. Das Mausoleum stammt von 1713, dem Todesjahr Tillies. Seine Anweisungen waren klar: Er wollte nicht begraben, sondern in seinen besten Kleidern an einen Stuhl gebunden werden. Als Beigaben wünschte er sich seine Bücher, Wein und eine Pfeife. Seine Diener befolgten zunächst den Wunsch, begruben den Schlossherren letztlich aber doch - an einem unbekannten Ort.

"Es gibt keinen Anhaltspunkt in den Kirchenbüchern", sagt der heutige Besitzer von Pentillie Castle, Ted Croyton. Zeitgenössische Berichte erwähnen, dass eine Statue Tillies im ersten Stock seines Mausoleums platziert wurde - so, dass sie aus dem Fenster schaut. Diese Statue steht tatsächlich im Mausoleum. Im heutigen Zustand befinden sich aber sowohl die Statue selbst als auch die Fenster zu ebener Erde. Die Archäologen haben nun unterhalb dieses Raumes eine unterirdische Kammer gefunden. Sie hoffen, dort die Reste von Sir James und seiner Frau Elizabeth zu entdecken.