Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Karte gibt Hinweis auf verschwundene Siedler

Was ist mit den Siedlern von Roanoke passiert? Geheimtinte auf einer Karte aus dem 16. Jahrhundert könnte das Rätsel lösen. In Kambodscha berichten Archäologen von gefährlichen Bananen, Mesoamerika-Forscher betonen den Wert des Ballspiels. Ein Überblick über archäologische Entdeckungen.

+++ Geheimtinte zeigt Lage der "Verlorenen Kolonie" +++

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Mysterium um Roanoke: Wohin verschwanden die Siedler?

Foto: AP/ British Museum

Was geschah mit den rund hundert britischen Siedlern, die sich auf Roanoke Island an der Ostküste Nordamerikas niedergelassen hatten? Vielleicht kann eine alte Landkarte aus dem 16. Jahrhundert im British Museum helfen, einige der Fragen um die auf mysteriöse Weise verschollenen Siedler zu klären. Die bisherigen Spekulationen reichen von einer Verbindung der Kolonisten mit den heimischen Indianerstämmen, Krankheiten oder Überfällen der Spanier bis hin zu Kannibalismus.

Eine neue Untersuchung der Karte hat nun eine versteckte Markierung zu Tage gebracht, die mit einem kleinen Stück Papier überklebt war: einen blau-roten Stern. Sie zeigt einen Ort im Inland, an dem die Kolonisten ein Fort gebaut haben könnten, nachdem sie den Posten an der Küste aufgaben. Es bleibt jedoch die Frage, warum der neue Siedlungsort auf der Karte verdeckt wurde.

Und die Geschichte wird noch spannender: Eine Untersuchung mit ultraviolettem Licht zeigte, dass über der Korrektur mit unsichtbarer Tinte gearbeitet wurde. Neben dem Symbol für ein Fort scheinen dort Pläne für eine größere Siedlung gemalt worden zu sein - wahrscheinlich mit Zitronensaft oder Urin. Die Karte stammt vom Gründer der Kolonie, John White.

White segelte im Jahr 1587 nach England zurück, um Nachschub für die Siedlung zu holen. Als er - durch die Spanische Armada drei Jahre lang aufgehalten - zurückkehrte, war die Ortschaft auf Roanoke verlassen. Unter den Verschwundenen war auch seine Enkeltochter Virginia Dare, die erste Engländerin, die auf amerikanischem Boden geboren wurde - ebenfalls im Jahr 1587.

Virginia Dare wurde 1937 mit einer Briefmarke geehrt, das Time Magazine setzte sie auf die Liste der "Top 10 berühmten Verschwundenen" und eine Vampir-Romanfigur trägt ihren Namen. Ob an der Stelle des Sterns nun allerdings gegraben werden kann, ist fraglich. Dort liegt heute ein Golfplatz, der von dem Profigolfer und Golfplatz-Designer Arnold Palmer gestaltet wurde.

+++ Elefant im Archäologencamp +++

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Ausgrabung in Kambodscha: Grabstätten eines unbekannten Volkes

Foto: Ouk Sokha

Forscher von der neuseeländischen University of Otago untersuchen mysteriöse Grabstätten eines unbekannten Volkes in der Wildnis der Berge Kambodschas. Bisher haben sie zehn Begräbnisplätze gefunden, an denen die Toten zwischen 1395 und 1650 in Holzsärgen bestattet wurden, wie Nancy Beavan und Sian Halcrow in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Radiocarbon"  berichten.

Die Kohlenstoff-Datierungen der Knochen, Zähne sowie der Särge fallen in die Niedergangsphase des Königreiches Angkor in der Tiefebene. Allerdings verbrannten die Khmer in Angkor ihre Toten, es muss sich also bei den Bergbewohnern um ein anderes Volk gehandelt haben. Aus Kambodscha sind sonst keine Erdbestattungen in Särgen bekannt. "Dieser Unterschied lässt vermuten, dass - kulturell betrachtet - diese Bergbewohner buchstäblich aus einer ganz anderen Welt kamen als ihre Zeitgenossen in der Tiefebene", kommentiert Beavan die Funde.

Bei ihrer Arbeit in den abgelegenen Bergen müssen die Archäologen allerlei Gefahren meistern: "Vor zwei Jahren hatten wir eines Nachts plötzlich einen wilden Elefanten mitten in unserem Camp, den unsere Crew vertreiben musste, indem sie laut auf Kochtöpfen herumschlug", erzählt Beavan. "Wir haben zu spät bemerkt, dass wir unser Camp genau zwischen zwei leckeren Stauden wilder Bananen aufgeschlagen hatten. Da mussten wir zusammenpacken und umziehen."

+++ Ballspiel als Indikator für komplexe Gesellschaften +++

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Frühe Kulturen Mesoamerikas: Alle ballaballa!

Foto: Jeffrey Blomster

Ob eine Gesellschaft erst dann Erfolg haben kann, wenn sie Fußballvereine aufweist, sei dahingestellt. Für die Kulturen Mesoamerikas aber zumindest galt, dass rituelle Ballspiele eng mit der Entwicklung komplexer Gesellschaften verbunden waren. Die großen Städte Mesoamerikas verfügten stets über mehrere große Ballspielplätze, die Eingänge zur Unterwelt repräsentierten. Die Kostüme der Spieler hatten Bezüge zu Leben und Tod, Sterblichen und Göttern sowie Sonne und Mond. Oft endeten die Spiele um einen Gummiball mit der Opferung von Spielern.

Von den Olmeken wissen die Forscher, dass sie bereits früh rituelle Ballspiele praktizierten. Dass auch die Mixteken der Region Oaxaca bereits zwischen 1400 und 1700 komplexe Regeln und Kostüme für das Spiel mit dem Gummiball hatten, zeigt nun der Fund einer kleinen Ballspieler-Figur aus der Mixteca-Alta-Region in Oaxaca, die Jeffrey Blomster von der George Washington University in einem Aufsatz im Fachmagazin "Proceedings of the National Academies of Sciences"  vorstellt. Auch wenn es möglicherweise noch keine so frühen Ballspielplätze bei den Mixteken gab, waren zumindest das Spiel selbst und die zugehörigen Kostüme ein fester Bestandteil der Kultur.

+++ Älteste Tierbilder Europas datiert +++

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Malereien der Chauvet-Höhle: Wild an der Wand

Foto: French Ministry of the Culture/ Jean Clottes/ Marc Azema

Den Hang zur Dekoration von Wänden hatten die Menschen offenbar schon lange. Eine Studie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences"  belegt, dass die Felszeichnungen in der französischen Chauvet Höhle tatsächlich bereits vor 28.000 bis 40.000 Jahren entstanden. Damit sind sie die ältesten bekannten Malereien Europas. Allerdings sind die Wollnashörner, Höhlenlöwen, Mammuts, Wildpferde, Höhlenbären, Rentiere, Bisons, Wisente, Steinböcke, Riesenhirsche, Hirsche, Panther, Uhus und Hyänen an den Wänden so detailliert und lebensecht gezeichnet, dass viele Forscher sie bisher jünger schätzen und ins Magdalénien datierten - also in die Zeit vor 12.000 und 18.000 Jahren.

Die Forscher um den Geologen Benjamin Sadier von der französischen Université de Savoie ließen sich jedoch nicht von den stilistischen Ausführungen der Tiere verunsichern. Sie untersuchten stattdessen das Gestein am Eingang der Höhle. Die Messungen ergaben eindeutig, dass die Höhle vor 21.500 Jahren endgültig verschüttet worden war. Seitdem haben keine Menschen einen Fuß in die Höhle setzen können - bis zur Entdeckung im Jahr 1994. Frühere Kohlenstoffdatierungen von Holzkohle und Tierknochen aus der Höhle haben bereits gezeigt, dass die Höhle vor 30.000 bis 32.000 Jahren von Menschen genutzt wurde. Damit fallen auch die Zeichnungen in die Periode der Aurignacien-Kultur.

+++ Kampf dem Rost +++

Rostige Nägel: Auf lange Sicht ist Eisen alles andere als stabil

Rostige Nägel: Auf lange Sicht ist Eisen alles andere als stabil

Foto: Eric Gay/ AP

Industriearchäologen haben einen ganz besonderen Feind: Rost! Denn viele ihrer Artefakte bestehen aus Eisen - und sind damit anfällig für Korrosion. Tim Scarlett von der Michigan Technological University arbeitet an Methoden, das Metall rostfrei zu konservieren. "Eisen alleine ist unglücklich" erklärt Scarlett sein Forschungsmaterial. "Es ist instabil. Es ist viel glücklicher, wenn es sich mit anderen Atomen zu chemischen Verbindungen zusammenschließen kann." Wenn Wasser und Sauerstoff vorhanden sind, entstehen daher verschiedene Eisenoxide und -hydroxide - auch bekannt als Rost.

Die Konservierung ist ein schwieriges Unterfangen: "Für alle archäologischen Relikte gilt: Wir dürfen die Materialstruktur nicht verändern, auch nicht die chemische Zusammensetzung oder das Aussehen. Und die Konservierung muss auf ewig haltbar sein, billig, schnell und sicher. Oh ja, und sie muss umkehrbar sein, so dass der Originalzustand des Artefakts jederzeit wiederherstellbar ist", beschreibt Scarlett seine Aufgabe.

Die Museen sind voll von Artefakten, an denen Konservatoren der Vergangenheit neue Methoden ausprobierten - die sich dann aber nach Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten als äußerst zerstörerisch für die Objekte erwiesen.

Derzeit arbeitet Scarlett an einer Technik, Wasser, das sich in winzigen Poren in Eisen-Gegenständen festgesetzt hat, durch gepresstes Kohlendioxid zu ersetzen. Außerdem entwickelt er eine Beschichtung aus Polymeren, die verhindern soll, dass weiteres Wasser in die Artefakte eindringt und sie rosten lässt.