Unterwasser-Archäologie Forscher erkunden Schiffswrack-Ladung per Strahlenkanone

Vor der Küste Indonesiens haben Forscher ein altes Wrack entdeckt. Mit moderner Technik konnten sie nun die Herkunft der Ladung sehr genau bestimmen: 800 Jahre altes Porzellan aus dem alten China.

Field Museum / Pacific Sea Resources

Für Archäologen sind Funde von Schiffswracks ein Glücksfall. Wenn sie gut erhalten sind, ist ihre Entdeckung ein wenig wie der Blick in eine Zeitkapsel. Denn Schiffswracks erlauben nicht nur einen außergewöhnlichen Einblick in das Leben der Menschen aus der Vergangenheit. Sondern sie zeigen auch, welche Beziehungen man untereinander pflegte. Schließlich hat es erst der Bau von Schiffen möglich gemacht, weite Strecken über das Meer zu reisen, ferne Länder zu erkunden, zu erobern oder große Warenmengen recht einfach zu transportieren.

Ein genaueres Verständnis der Handelsbeziehungen des alten China konnten Forscher nun durch den Einsatz von besonderer Technik gewinnen. Dafür hat ein Team um Wenpeng Xu von der University of Illinois und dem Field Museum in Chicago Porzellan untersucht, das einst mit einem Handelsschiff gesunken war. Ihre Studie erschien im "Journal of Archaeological Science".

Das Wrack wurde bereits in den Achtzigerjahren von Fischern vor der Küste von Sumatra entdeckt. Es sank wohl irgendwann zwischen dem 12. und dem 13. Jahrhundert nach Christus, als es mit Porzellan und etwa 200 Tonnen Eisen von China auf dem Weg nach Java gewesen sein könnte, mutmaßten Archäologen.

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Ernst Weitendorf

Viel ist über das Schiff aber nicht bekannt, es war in schlechtem Zustand. Zudem fanden die Forscher keinerlei schriftliche Quellen, die Aufschluss hätten geben können. Nachdem Überreste von Schiff und Ladung in den Neunzigerjahren geborgen wurden, ergab eine Stil- und Formanalyse des geladenen Porzellans: Es könnte aus dem Südosten von China stammen. Hier wurde im Kaiserreich während der Song-Dynastie sogenanntes Qingbai-Porzellan hergestellt. Genau solche, teils weißblau schimmernden Stücke wurden in dem Wrack gefunden.

Doch stammen sie tatsächlich aus dem Südosten von China? Um diese Frage beantworten zu können, arbeiteten die Forscher mit einem portablen Röntgenfluoreszenzgerät. "Es sieht ein wenig aus wie eine Waffe", sagt Lisa Niziolek vom Field Museum, Co-Autorin der Studie.

Mit dem Gerät wurden 60 Porzellanstücke aus dem Fund auf ihre geochemische Zusammensetzung untersucht. Die Methode ermöglicht nicht nur einen Blick auf die Bestandteile des Materials, das Porzellan muss dafür nicht einmal zerstört werden. Man hält das Gerät einfach an die Oberfläche und erhält Messergebnisse.

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Bei der Methode werden durch die Röntgenstrahlung zunächst Elektronen nahe der inneren Schale des Atoms herausgelöst. Die Lücken werden dann von durch weiter außen liegende Elektronen aufgefüllt. Dabei entsteht die sogenannte Fluoreszenzstrahlung, die für jedes chemische Element unterschiedlich ist. Genau diese misst das Gerät und erlaubt durch die unterschiedlichen chemischen Signaturen Rückschlüsse auf die Zusammensetzung des Materials.

Diese Daten verglichen die Forscher dann mit Porzellanproben von bekannten historischen Manufakturen im Südosten von China. Dort könnten die Schalen, Teller und Dosen einst hergestellt worden sein, vermuteten sie.

Keramiken von verschiedenen Standorten weisen unterschiedliche chemische Zusammensetzungen auf, da sich die Elemente im Ton dieser Region oder die Rezepturen, die einst die Töpfer zum Mischen ihres Tons verwendet haben, unterscheiden.

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Archäologie: China-Porzellan unter Strahlenbeschuss

Tatsächlich wurden die Forscher fündig. Sie entdecken Übereinstimmungen, die zeigen: Einst entstanden Teile der Ladung des Schiffs etwa in den Brennöfen von Dehua, einer Region nahe der Küstenstadt Quanzhou. "Es ist erstaunlich, dass wir die Herstellungsregion von Material aus einem 800 Jahre alten Schiffswrack recht genau eingrenzen können," sagt Studienautor Xu.

Die Studie belege, dass die Methode mit einem portablen Röntgenfluoreszenzgerät gute Resultate bringe, schreiben die Forscher. Aber wichtiger seien die Erkenntnisse zu den Handelsbeziehungen der damaligen Zeit. "Wir haben gelernt, riesige Handelsnetzwerke mit Europäern wie Magellan und Marco Polo in Verbindung zu bringen", heißt es.

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Doch im 12. und 13. Jahrhundert bestand in diesem Teil der Welt ein Netzwerk, das bis nach Afrika reichte, wie schon ähnliche Funde gezeigt hatten. Die Europäer waren daran kaum beteiligt. Die damalige Welt sei aber sehr viel besser miteinander verbunden gewesen, als viele Leute annehmen. Schließlich wurde das Porzellan mehr als 3500 Kilometer von seinem Herstellungsort entfernt gefunden.

joe



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