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Blombos Cave: Die Waffen der Steinzeitmenschen

Foto: Science / AAAS

Archäologie Steinzeitmenschen waren gute Waffenschmiede

Mit scharfen Steinmessern und Speeren auf die Jagd: Steinzeitmenschen konnten offenbar weit früher als bisher bekannt auf scharfe Klingen zurückgreifen. Neue Funde legen nahe, dass sie die Techniken dafür mehrere zehntausend Jahre früher entwickelten als bisher bekannt.

Südafrika

Washington - Mit scharfen Waffen jagt es sich besser. Und Steinzeitmenschen konnten vermutlich schon weit früher solche praktischen Hilfsmittel zum Einsatz bringen als angenommen. Darauf deuten zumindest Fundstücke aus einer Höhle in hin. Eine spezielle Technik, bei der die Kanten von Steinen mit Druck kontrolliert bearbeitet werden, entstand demnach bereits vor 75.000 Jahren. Das wäre rund 55.000 Jahre früher als gedacht. Außerdem wäre das Verfahren nicht wie bisher vermutet erstmals in Westeuropa zum Einsatz gekommen, sondern in Afrika.

Das Prinzip war raffiniert und wirkungsvoll: Beim sogenannten Pressure-Flaking wird auf die Kanten von zunächst roh behauenen Steinstücken mit einem Tierknochen oder einem anderen Werkzeug so stark Druck ausgeübt, dass dünne Steinplättchen absplittern. Auf diese Weise entstehen sehr scharfe Kanten. Einige Steinarten können direkt auf diese Weise bearbeitet werden, andere müssen zuvor erhitzt werden.

Die Forscher um Paola Villa und Christopher Henshilwood von der University of Witwatersrand im südafrikanischen Johannesburg und der University of Colorado in Boulder untersuchten nun Steinwerkzeuge aus der Blombos-Höhle in Südafrika. Dort waren bereits zuvor viele Hinweise auf das Leben und Verhalten der Steinzeitmenschen gefunden worden.

Das Team versuchte auch, aus Steinen der Region selbst Werkzeuge herzustellen, die den Fundstücken glichen. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die Steine erhitzt worden sein mussten, bevor sie ihren endgültigen Schliff erhielten. Bei dem Gestein handele es sich um sogenannte Silcrete. Dieses Material könne in seinem natürlichen Zustand zwar grob zurechtgehauen werden. Das Ablösen feiner Splitter durch Druck sei aber unmöglich, schreiben die Forscher im Wissenschaftsblatt "Science". 

Sie untersuchten dann die Kanten der Steinwerkzeuge mit dem Mikroskop. Dabei entdeckten sie, dass die Spuren, die nach dem Ablösen der Splitter am Stein zurückbleiben, unterschiedliche Kanten aufweisen. Zum Teil waren sie rau und spröde, was auf eine Bearbeitung des Steins im Rohzustand hinweise. Ein Teil der Narben war aber auch ganz glatt, so wie es für die Bearbeitung der Steine nach vorheriger Erhitzung typisch ist.

Die Werkzeugmacher haben die Steine also gezielt in einem Schritt des Arbeitsprozesses im Feuer erhitzt und dann für den Feinschliff weiterbearbeitet, folgern die Forscher. Die Technik erlaube es den Werkzeugmachern, die Kanten der Steine sehr kontrolliert zu bearbeiten. Auf diese Weise ließen sich sehr viel schärfere und spitzere Werkzeuge herstellen als durch grobes Behauen allein. Spuren an den gefundenen Steinklingen wiesen darauf hin, dass sie zur Jagd eingesetzt wurden.

chs/dpa
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