Archäologischer Fund Alte Römer trugen Socken in Sandalen

Sie kamen, sahen, siegten - und froren sich fast die Füße ab. Als die römischen Legionen Britannien erobert hatten, verpackten sie ihre Füße erstmals in Socken. Ein Ausgrabungsteam in England fand den Beleg für den Ursprung einer anhaltenden Modesünde.


Hitzige Gefechte schützen nicht vor kalten Füßen
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Hitzige Gefechte schützen nicht vor kalten Füßen

Militärisch haben die Alten Römer selten kalte Füße bekommen. Selbst das von Rom so ferne Britannien unterwarfen die tapferen Krieger einst den Sitten und Regeln des römischen Imperiums. Doch an einem Punkt mussten die Invasoren sich den Eingeborenen anpassen: Unter ihren Sandalen zogen sie sich fortan Socken an.

Das schließen Archäologen aus einer lebensgroßen Bronzestatue, die sie bei Ausgrabungen in London entdeckten. Die Statue stellt den Kriegsgott Mars oder einen stolzen Eroberer dar und stammt nach Angaben der Forscher aus dem zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Ganz und gar untypisch ist an der Plastik, dass keinerlei modellierte Zehen zu sehen sind. Ist das vielleicht nur eine Folge der Korrosion? Die Wissenschaftler winken ab, denn sie glauben einen weiteren Beleg für ihre Socken-Hypothese zu haben: Die Riemen der Sandalen verlaufen nicht zwischen den Zehen, sondern über den Füßen.

Die Archäologin Nansi Rosenberg freut sich über ihren spektakulären Fund - und heuchelt Mitleid für die Alten Römer, deren Ruf als harte Kämpfer in der Tat unter ihrer Entdeckung leiden könnte: "Das ist furchtbar peinlich, damit haben sie sich jetzt blamiert."

Die meisten Briten fassen Socken in Sandalen als Modesünde auf, welche ihnen obendrein als typisches Erkennungsmerkmal für lästige deutsche Touristen gilt. Nach der aktuellen Entdeckung wäre es freilich keine Überraschung, wenn auch bei Germaniens römischen Eroberern Strümpfe angesagt waren. Dann trügen ausgerechnet die schicken Römer die Verantwortung für den fatalen Modetrend.



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