Arktis Norwegen erweitert Hoheitsrechte im Nordmeer

Sieben Fußballfelder für jeden Einwohner: Eine Uno-Kommission hat Norwegen erlaubt, sein Gebiet im Nordmeer massiv zu erweitern. Die Meeresflächen von der Größe Großbritanniens liegen zu großen Teilen in der Arktis.

Norwegische Arktisinsel Spitzbergen (Februar 2008): "Wir sind begeistert, wie effektiv der Prozess abgelaufen ist"
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Norwegische Arktisinsel Spitzbergen (Februar 2008): "Wir sind begeistert, wie effektiv der Prozess abgelaufen ist"

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Oslo - In der Rechtsabteilung beim norwegischen Außenministerium ist man verzückt. Die Uno-Festlandsockel-Kommission, so wissen die Diplomaten seit kurzem, hat einen Antrag des Landes auf zusätzliche Meeresgebiete aus dem Jahr 2006 mit einigen kleinen Änderungen gebilligt. "Wir sind begeistert, wie effektiv der Prozess abgelaufen ist", sagt Norwegens Chef-Jurist Rolf Einar Fife SPIEGEL ONLINE.

Insgesamt geht es um rund 235.000 Quadratkilometer, das entspricht beinahe der Fläche Großbritanniens. In diesem Gebiet dürfen die Norweger nun exklusiv die Ressourcen am Meeresboden und auch darunter nutzen. Norwegens Außenminister Jonas Gahr Støre sprach von "sieben Fußballfeldern für jeden der 4,8 Millionen Norweger". Die Gebiete liegen größtenteils in der Arktis: nördlich von Spitzbergen im Bereich des sogenannten Nansenbeckens, zwischen der norwegischen Küste und Grönland sowie in der Barentssee.

Und genau hier haben die Norweger noch ein wichtiges Problem: Über den Grenzverlauf in einer "Loop Hole" genannten Region verhandeln sie seit Jahrzehnten mit den Russen. Eine Einigung gibt es bisher noch nicht - und unter dem Meeresboden wird hier ein großes Erdgaslager vermutet. "Was das 'Loop Hole' angeht, das müssen Norwegen und Russland bei ihren Verhandlungen klären", sagt Fife. Man mache gute Fortschritte, so der Diplomat.

Die Uno-Kommission habe hier keine Entscheidung zur Grenzfestlegung zu treffen gehabt. Mit Island sowie Grönland und den Färöer-Inseln, die von Dänemark politisch vertreten werden, haben sich die Norweger dagegen auf Regeln zur Grenzziehung geeinigt.

Im Dreieck zwischen der norwegischen Küste, Grönland und Island mussten die Norweger auf rund 13.000 Quadratkilometer verzichten, die sie beantragt hatten. Hier waren die Uno-Experten nicht von Oslos Argumentation überzeugt. Die Festlandsockel-Kommission ist ein Gremium von Wissenschaftlern, das sich regelmäßig im New Yorker Uno-Quartier trifft. Anhand von geologischen Daten überprüfen die Mitglieder, wie weit sich der Festlandsockel eines Landes unter Wasser fortsetzt. Die komplizierten Regeln dafür sind im Uno-Seerechtsübereinkommen festgelegt.

Seit durch die Klimaerwärmung das Eis der Arktis schmilzt, wachsen die Begehrlichkeiten zur Nutzung der frei werdenden Meeresgebiete. Unter dem Eis werden knapp ein Viertel der weltweit noch unentdeckten Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet. Die fünf Arktis-Anrainerstaaten Russland, die USA, Kanada, Norwegen und Dänemark streiten derzeit darum, wer die Bodenschätze nutzen darf.

Für den Nordpol, um den sich Russen, Dänen und Kanadier streiten, hatten sich die Norweger nicht interessiert. Ihre Gebietsforderungen enden wegen der geologischen Gegebenheiten ungefähr 550 Kilometer vom Pol entfernt. Für Oslo dürfte das eher praktisch gewesen sein, konnten die Uno-Experten so doch vergleichsweise schnell entscheiden - ohne sich um die Frage kümmern zu müssen, wem eigentlich der nördlichste Punkt der Erde gehört.

Mit Material von AFP und Reuters

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