Arktis Ozonschicht extrem dünn

Nach einer gemeinsamen Studie der EU und der Nasa hat die Ozon-Konzentration über dem Nordpol in diesem Winter um 60 Prozent abgenommen. Der rekordverdächtige Rückgang könnte sich auch in Europa bemerkbar machen.


Brüssel - Die vorübergehende extreme Ausdünnung der Ozonschicht wurde der Studie zufolge durch eine außergewöhnliche Kälte begünstigt, die in einer Höhe von 18 Kilometern über der Erdoberfläche herrschte. Die Verringerung am Nordpol, so der Bericht, werde durch den Luftaustausch auch Auswirkungen auf die Ozonschicht über den dichtbesiedelten Gebieten Europas im Frühjahr haben. Im März ermittelte das Meteorologische Weltzentrum in Thessaloniki eine Ozon-Konzentration über Europa, die 15 Prozent unter den Werten der siebziger Jahre lag.

Ozonverteilung über der nördlichen Hemisphäre am 4. April 2000
DLR

Ozonverteilung über der nördlichen Hemisphäre am 4. April 2000

"Wir wollen keine Panik verursachen", sagte Piia Huusela von der Forschungsabteilung der EU-Kommission. "Man kann noch nicht von einem Ozonloch über der Arktis sprechen, das dem über der Antarktis vergleichbar wäre." Zugleich wies sie auf mögliche Gefahren hin: Durch die Verringerung der Ozonkonzentration könnten sich etwa Skifahrer in Schweden oder Finnland leichter einen Sonnenbrand zuziehen; zudem müsse bei einer langfristigen Verdünnung der Ozonschicht auch mit einem Anstieg von Hautkrebsfällen gerechnet werden.

Huusela zufolge ist die extreme Abnahme um 60 Prozent eine vorübergehende Erscheinung. Die Wissenschaftler erwarten, dass nach dem Ende des kalten Winters die Ozonschicht wieder dichter wird. Laut Studie wurde die Rekord-Ausdünnung von Januar bis März in einer Höhe von 18 Kilometern gemessen. Weniger dramatisch war die Situation mehr als 20 Kilometer über der Erdoberfläche.

Das Ergebnis der Studie erhöht zugleich die Befürchtungen von Wissenschaftlern, dass sich die Erholung der Ozonschicht auf Grund der Klimaveränderungen verzögern könnte. Als Grund für die Auskühlung der erdnahen Luftschichten in etwa 20 Kilometern Höhe gilt unter anderem die steigende Konzentration von Treibhausgasen.

An der Studie beteiligten sich 500 Wissenschaftler und Techniker aus der Europäischen Union, den USA, Kanada, Russland und Japan. Es handelt sich um das größte Projekt zur Messung der Ozonschicht über der Arktis. Die meisten Messungen wurden bei Kiruna in Schweden vorgenommen. Dabei kamen Flugzeuge, Ballons, Satelliten und Sonden zum Einsatz.



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