Astrobiologen Außerirdische Mikroben regnen auf die Erde

In Luftproben aus der Stratosphäre will ein Forscherteam extraterrestrische Bakterien entdeckt haben. Die Fachwelt reagierte jedoch mit Skepsis.


Bakterien aus der Stratosphäre: "Sie sehen aus wie irdische Zellen"
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Bakterien aus der Stratosphäre: "Sie sehen aus wie irdische Zellen"

Wenn man einem indisch-britischen Forscherteam Glauben schenkt, ist die Invasion der Aliens im vollen Gange. In Luftproben aus 41 Kilometer Höhe fanden die Wissenschaftler Klumpen lebender Bakterien, die nach ihrer Meinung nur aus dem Weltall stammen können. Die Ergebnisse der Gruppe präsentierte der Astrobiologe Chandra Wickramasinghe von der britischen Cardiff University auf einer Konferenz im kalifornischen San Diego.

Die Proben waren im Januar unter Leitung indischer Forscher mit hoch fliegenden Ballons gesammelt worden. Um eine Kontamination mit irdischen Mikroorganismen zu vermeiden, erfolgte die Entnahme der Luftproben in der Stratosphäre unter "strengsten aseptischen Bedingungen", versicherten die Wissenschaftler.

Ein Teil des Fundes wurde der Cardiff University zugesandt, wo ein Team die Zellklumpen isolierte und analysierte. Dazu wurden die Mikroben einem fluoreszierenden Farbstoff ausgesetzt, der nur von den Membranen lebender Zellen aufgenommen wird. Unter dem Mikroskop begannen die Organismen zu leuchten.

Leuchtende Mikroben unter dem Mikroskop
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Leuchtende Mikroben unter dem Mikroskop

"Sie sehen aus wie irdische Zellen", sagte Wickramasinghe gegenüber "BBC News Online". Allerdings gelangen Mikroben aus tieferen Luftschichten normalerweise nicht in die Stratosphäre, so der Forscher. Es sei daher "äußerst unwahrscheinlich, dass sie in diesen Mengen - etwa hundert Bakterien pro Liter Luft - vom Boden emporgewirbelt wurden."

Bislang sei es dem Team noch nicht gelungen, die Mikroben im Labor zu kultivieren. Wickramasinghe sieht darin einen weiteren Hinweis auf den außerirdischen Ursprung der Bakterien: "Wenn es sich um eine gewöhnliche bakterielle Kontamination handeln würde, könnte man sie sehr einfach kultivieren."

Die mit der Höhe variierende Verteilung der Zellen legt den Forschern zufolge nahe, dass die Bakterien aus dem Weltall auf unseren Planeten niederregnen. Nach vorläufigen Schätzungen von Wickramasinghe und seinen Kollegen wird auf diese Weise jeden Tag eine drittel Tonne biologischen Materials über die Erdoberfläche verteilt.

Wickramasinghe ist Verfechter der so genannten Panspermien-Theorie, der zufolge das irdische Leben aus dem Weltall stammt. "Wir vertreten seit mehr als zwei Jahrzehnten den Standpunkt, dass das Leben von Kometen auf die Erde gebracht wurde und dass uns immer noch Kometenmaterial mit Mikroorganismen in großen Mengen erreicht", erklärte der Astrobiologe.

Andere Experten in Großbritannien reagierten mit Skepsis auf die Interpretation von Wickramasinghe, zumal sein Team die genauen Ergebnisse noch nicht publiziert hat. "Sie haben seit langem Theorien, für die sie nun Beweise suchen", sagte der Biochemiker George Tranter vom Imperial College. Wickramasinghe sei ein "bisschen zu optimistisch", meinte auch der Astronom Alan Penny. Der Forscher vom Rutherford Appleton Laboratory zweifelt an der Reinheit der Proben: Es gäbe bei den Experimenten noch "offene Fragen bezüglich der Kontamination", gab er zu bedenken.



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