Astronomie Zweifel an Entdeckung von Dunkler Materie

Amerikanische Forscher reagierten skeptisch auf Untersuchungen, mit denen das italienische Gran Sasso National Laboratorium Teilchen der so genannten Dunklen Materie nachgewiesen haben will.

Marina del Rey - Wissenschaftler unter der Leitung von Richard Gaitskell, Physiker an der Stanford University, bezweifeln, dass die Italiener tatsächlich so genannte WIMPs oder Neutralinos registriert haben. Aus diesen bisher noch nicht nachgewiesenen Partikeln soll Schätzungen zufolge mindestens 80 Prozent der Masse unseres Universums bestehen.

Auf dem Vierten Internationalen Symposium  zur Herkunft und Entdeckung Dunkler Materie äußerte Gaitskell die Meinung, dass die von den italienischen Kollegen registrierten Partikel keine WIMPs, sondern wahrscheinlich gewöhnliche Neutronen seien, die beim Kernzerfall von Atomen entstehen.

Er begründete seine Zweifel mit den Forschungsresultaten eines von ihm geleiteteten, dem italienischen Experiment ähnelnden Projekt an der Stanford University. Ein dort aufgestellter Detektor habe im Verlauf eines Jahres ebenfalls Partikel registriert. Bei den Teilchen habe es sich jedoch um Neutronen gehandelt, die trotz aller Vorsichtsmaßnahmen die Anlage passiert hätten.

Der Vortrag von Gaitskell löste auf dem Symposium im kalifornischen Marina del Rey, auf der auch das Gran Sasso National Laboratorium seine Entdeckung präsentierte, eine intensive Debatte aus.

Die Diskussion wurde zusätzlich von der Tatsache angeheizt, dass die Anzahl der registrierten Einschläge von Partikeln bei beiden Teams in etwa übereinstimmt. Richard Schnee, Mitglied des Stanford-Projekts, berichtet jedoch, dass die meisten Teilchen eindeutig als Neutronen hätten identifiziert werden können. Auch wenn die Amerikaner keinen Nachweis von WIMPs liefern konnten, wollten sie jedoch auch nicht ausschließen, dass sich unter den registrierten Partikeln doch ein WIMP befunden habe.

Obwohl sich nur wenige der anwesenden Wissenschaftler der Interpretation des Gran Sasso National Laboratoriums anschlossen, herrschte einhellige Meinung über die Offenheit der Forschungslage vor. Mehrere Forscher meinten, dass sich angesichts der unterschiedlich konzipierten Anlagen und einem ungenügenden Wissensstand bezüglich der WIMPs letztendlich beide Ergebnisse als richtig erweisen könnten.

"Das eigentlich Aufregende ist, dass wir jetzt die Technologie besitzen, die Partikel aufzuspüren", meinte Michael Turner von der University of Chicago. "Diese beiden Experimente haben den Blick aufs 'Gelobte Land' eröffnet."