Atlantiküberquerung Drei Himmelhunde fliegen zu langsam

In einem nachgebauten Doppeldeckerflugzeug nur aus Holz und Segeltuch haben drei Piloten den Atlantik überquert. Einer der Abenteurer ist der Milliardär Steve Fosset. Die Flugzeit der ersten derartigen Atlantiküberquerung vor 86 Jahren zu unterbieten, schaffte das Trio aber nicht.


Vickers Vimy: In 19 Stunden über den Ozean
REUTERS

Vickers Vimy: In 19 Stunden über den Ozean

Steve Fossett kann's nicht lassen. Der Rekorde jagende Milliardär aus den USA ist erst im März allein und nonstop um die Welt geflogen, jetzt hat er gemeinsam mit zwei anderen Piloten in einem Doppeldeckerflugzeug den Atlantik überquert. Nach knapp 19 Stunden Flugzeit landete das Trio gestern Abend im irischen Städtchen Clifden, das sonst nur für seinen Golfplatz bekannt ist. Gestartet waren die Rekordflieger im kanadischen St. John's in der Provinz Neufundland.

Die Wiederholung der historischen ersten Atlantiküberquerung hatte wegen schlechten Wetters und technischer Probleme mehrmals verschoben werden müssen. Wie ihre Vorbilder aus dem Jahr 1919 hatten Fosset, der Jumbo-Pilot Mark Rebholz und sein Kompagnon John LaNoue auf fast alles verzichtet, was heute zur Grundausstattung eines Flugzeuges gehört. Nur einen Kompass und einen Sextanten hatten sie an Bord - die gleiche Ausrüstung wie John Alcock und Arthur Brown, die den gleichen Flug vor 86 Jahren zum ersten Mal absolviert hatten.

"Plötzlich kopfüber"

Alcock und Brown waren auch mit dem gleichen Flugzeugtyp unterwegs gewesen, einer Vickers Vimy. Auch der Nachbau, mit dem Fossett und seine beiden Kollegen jetzt den Ozean überquerten, besteht nur aus einem mit Segeltuch bespannten Holzgerüst.

Doppeldecker-Nachbau: "Transatlantischer Postbote"
AP

Doppeldecker-Nachbau: "Transatlantischer Postbote"

Alcock und Brown hatten den Flug damals gewagt, weil eine britische Zeitung einen Preis von 10.000 englischen Pfund für die erste Atlantiküberquerung ausgelobt hatte. Vier Teams nahmen die Herausforderung an, zwei Flugzeuge stürzten ab. Das vierte Team war noch nicht gestartet, als Alcock und Brown das Preisgeld bereits eingeheimst hatten - aber nicht ohne vorher kräftig dafür zu leiden. "Wir waren es leid, in dem Nebel und dem Nieselregen allein zu sein und manchmal plötzlich zu entdecken, dass wir kopfüber flogen", sagte Alcock damals nach ihrer glücklichen Ankunft. Weil die Crew damals auch einige Briefe über den Atlantik transportiert hatte, bezeichnete Alcock sich selbst nach dem Erfolg als "erster transatlantischer Postbote". Die erhaltenen Briefe, die bei dem abenteuerlichen Flug völlig durchnässt wurden, werden heute für hohe Summen als Sammlerobjekte gehandelt.

Die beiden Himmelhunde aus dem Jahr 1919 waren übrigens schneller als ihre modernen Nachahmer: Alcock und Brown brauchten damals angeblich nur 16 Stunden und 12 Minuten für den Flug von St. John's nach Clifden.



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