"Atlantis" Defekte Kabel verhindern Shuttle-Start

Wenige Minuten vor Beginn des Countdowns hat die Nasa offensichtlich kalte Füße bekommen: Die Raumfähre "Atlantis" muss wegen eines möglicherweise kritischen Defekts zurück in die Werkstatt.


Der Orbiter war beladen, der Shuttle stand auf der Startrampe und die Astronauten waren bereit für den Flug nach Cape Canaveral. Doch aus dem für Freitag geplanten Start der US-Raumfähre "Atlantis" wird nichts werden: Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hat den lange erwarteten Transport des Weltraumlabors "Destiny" zur Internationalen Raumstation ISS um mindestens drei Wochen verschoben. An einen Start ist nun nicht vor dem 6. Februar zu denken.

Bis zur Startrampe, aber nicht weiter: Die Raumfähre Atlantis in Cape Canaveral
AP

Bis zur Startrampe, aber nicht weiter: Die Raumfähre Atlantis in Cape Canaveral

Die Entscheidung fiel am Montag kurz vor dem geplanten Beginn des Countdowns. Wie es hieß, soll die Raumfähre von der Startrampe in Cape Canaveral zurück in den Hangar gebracht werden, um noch einmal die elektrischen Kabel zu kontrollieren, die die Fähre mit den zwei wiederverwendbaren Feststoffraketen verbinden.

Beim Start der Raumfähre "Endeavour" am 30. November vorigen Jahres hatte es Probleme beim Abtrennen der linken Feststoffrakete gegeben, weil ein Sprengsatz auf Grund einer fehlerhaften Verbindung nicht zündete. Die Trennung erfolgte mit Hilfe eines Ersatzzünders. Wäre die Feststoffrakete nicht wie geplant zwei Minuten nach dem Start abgetrennt worden, hätte dies katastrophale Folgen haben können.

Obwohl die Kabel an den Feststoffraketen der Atlantis vor dem geplanten Start wie vorgesehen mit einem Röntgengerät untersucht werden waren, will die Nasa nun offensichtlich ganz sicher gehen. Der Hintergrund dürfte in einer Untersuchung vom Wochenende liegen: Die Weltraumbehörde hat Tausende von Kabeln in der gesamten Shuttle-Flotte untersucht und vier defekte Verbindungen gefunden.

Atlantis könnte nun, so Nasa-Sprecher George Diller, einem Rütteltest unterzogen werden, der im Zuge der Startvorbereitungen zunächst nicht durchgeführt worden war. Durch das Rütteln sollen die Vibrationen simuliert werden, die während der Startphase entstehen und möglicherweise zu einem Unfall führen können.

"Wir sind in einer Situation, in der wir einfach mehr Informationen brauchen", sagte Diller. "Und die bekommen wir nur, wenn wir die Kabel weiteren Tests unterziehen." Die Abtrennung der Feststoffraketen gehört zu einer der kritischsten Phasen während des Starts.

Die übervorsichtige Haltung der Nasa und die damit verbundene Verschiebung der Mission dürfte nicht zuletzt auch mit der Nutzlast zusammenhängen. Atlantis soll das US-Forschungsmodul, eines der Herzstücke der Station, zur ISS bringen. Ein Fehlschlag würde den Aufbau des fliegenden Labors nicht nur um Jahre verzögern, er würde die Weltraumbehörde auch in ziemliche Bedrängnis bringen: Bei Baukosten von 1,4 Milliarden Dollar kann es sich die finanziell gebeutelte Nasa nicht leisten, ein zweites Destiny zu konstruieren.



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