Atomanlage Briten untersuchen Leichenteil-Diebstahl

Den Leichen von Mitarbeitern britischer Atomanlagen, die an Krebs gestorben sind, sollen heimlich Körperteile entnommen worden sein. Die Regierung in London kündigte eine Untersuchung zur Klärung der Vorfälle an.


London - Die Prüfung umfasse 65 Fälle aus den Jahren 1962 bis 1991, teilte Handels- und Industrieminister Alistair Darling am Mittwoch dem Parlament in einer dringlichen Stellungnahme mit. Damit reagierte er auf die Vermutungen von Gewerkschaften, den Leichen von an Krebs gestorbenen früheren Mitarbeitern britischer Atomanlagen seien ohne Einwilligung der Angehörigen Organe und Gewebeproben entnommen und auf Strahlungsfolgen untersucht worden. Bei den meisten Fällen geht es laut Darling um ehemalige Mitarbeiter von Sellafield, der in Nordwestengland gelegenen größten britischen Atomanlage.

Atom-Aufbereitungsanlage Sellafield: Verstorbenen Mitarbeitern sollen heimlich Körperteile entnommen worden sein
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Atom-Aufbereitungsanlage Sellafield: Verstorbenen Mitarbeitern sollen heimlich Körperteile entnommen worden sein

"Manche dieser Fälle sind 45 Jahre alt. Es ist heute einfach nicht möglich, sicher zu sein, ob die Untersuchungen korrekt waren oder nicht", sagte Darling. Von British Nuclear Fuels Ltd. (BNFL), der halbstaatlichen Betreibergesellschaft der britischen Atomanlagen, lägen nur "beschränkte" Berichte vor, die weder Auskunft über den Grund der Organentnahmen gäben noch darüber, ob ein Einverständnis der Familien eingeholt wurde. Diese Fragen müssten nun geprüft werden. Die entnommenen Proben wurden laut Darling allerdings allesamt zerstört.

Die Atom-Aufbereitungsanlage Sellafield gehört zu den ältesten nuklearen Anlagen der Welt und geriet seit ihrer Inbetriebnahme in den 50er Jahren immer wieder durch Störfälle in die Schlagzeilen. Für die Untersuchung setzte die Regierung den Juristen Michael Redfern ein. Er hatte 2001 einen spektakulären Fall unerlaubter Organentnahme untersucht: In einem Liverpooler Kinderkrankenhaus waren zwischen 1988 und 1996 von mehr als 850 verstorbenen Kleinkindern ohne Zustimmung der Eltern Organe entnommen worden. Großbritannien hatte die Entnahme von Organen ohne Einwilligung der Betroffenen oder Angehörigen im vergangenen Jahr ausdrücklich verboten.

mbe/AFP



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