Atommüll Diese Regionen kommen als Endlager-Standorte infrage

Wo soll ein Endlager für Atommüll gebaut werden? Laut einem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung sind 90 Regionen in Deutschland geologisch geeignet - unter anderem auch Berlin.
Foto: Sebastian Kahnert / dpa

90 Gebiete in Deutschland eignen sich potenziell als Standort für ein atomares Endlager. Das geht aus dem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervor. Der Bericht nennt erstmals konkrete Regionen, die für eine Einlagerung von hochradioaktivem Atommüll infrage kommen. Die meisten sogenannten Teilgebiete für ein potenzielles Endlager befinden sich laut dem BGE-Bericht im Norden und Südosten Deutschlands. Der umstrittene Salzstock Gorleben, eines der ersten Zwischenlager Deutschlands, ist aus dem Rennen. "Der Salzstock Gorleben wird daher nicht bei den weiteren Arbeiten der BGE zu den Vorschlägen über die Standortregionen betrachtet", heißt es in dem Bericht.

Besonders große Gebiete liegen laut Bericht in Niedersachsen, Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg. Insgesamt sind auf rund 250.000 Quadratkilometern geeignete Gesteinsformationen im Untergrund gefunden worden - das sind 67 Prozent der gesamten Fläche Deutschlands, die BGE beziffert aufgrund von Überlagerungen 54 Prozent. Auch Städte sind dabei, beispielsweise Berlin. Auch Hamburg, Hannover, Schwerin, Stuttgart und Bremen liegen laut den Karten des Berichts in geeigneten Regionen. "Die heute ausgewiesenen Teilgebiete sind noch lange keine Endlagerstandorte", sagte Stefan Studt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft für Endlagerung am Morgen in Berlin.

Behalten Sie den Überblick: Montags bis samstags gegen 6 Uhr kommentieren die politischen Köpfe des SPIEGEL die Nachrichten des Tages. "Die Lage am Morgen” - meinungsstark, kompakt, kostenlos. Hier das Morning-Briefing als Newsletter bestellen

Die 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) sammelten drei Jahre lang geologische Daten über den geologischen Untergrund in ganz Deutschland. Dabei suchten sie vor allem nach drei Wirtsgesteinen: Salz, Ton und Granit.

  • Den größten Anteil an den ausgewiesenen Gebieten machen die Tongesteine aus mit fast 130.000 Quadratkilometern auf allerdings nur neun Teilgebieten. Sie befinden sich vor allem in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und auch am Rande von Berlin und Brandenburg.

  • Salzgestein hat hingegen den kleinsten Anteil mit nur 30.000 Quadratkilometern, aber auf 74 Teilgebieten, vor allem in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Bisher waren Salzstöcke aufgrund des umstrittenen Erkundungsbergwerks in Gorleben besonders gut untersucht.

  • Die Granitformationen machen gut 80.000 Quadratkilometer auf sieben Teilgebieten aus, die sich vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen befinden.

Die drei Steinformationen eignen sich besonders gut, um den Atommüll über lange Zeit sicher zu lagern. Insgesamt müsse das hochradioaktive Material bis zu eine Million Jahre sicher verstaut werden. Die Wahl des Wirtsgesteins ist auch eine politische, da die Wirtsgesteine im Norden und Süden Deutschlands sich stark unterscheiden. So informierte sich beispielsweise Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies in Finnland über eine mögliche Endlagerung in Granit , das vor allem in Bayern vorkommt.

"Wir haben alle gleich behandelt, auch vorbelastete Standorte wie Gorleben", erklärte der CDU-Politiker und Geschäftsführer der BGE, Steffen Kanitz. "Gorleben hat zwar alle Mindestanforderungen erfüllt, war aber in der geowissenschaftlichen Gesamtschau nicht ausreichend." Das hätte vor allem am "mangelhaften Rückhaltevermögen" und dem Deckgebirge gelegen, das nicht vollständig intakt gewesen sei.

"Wir geben heute bekannt, wo es auf keinen Fall ein Endlager geben wird", so Kanitz heute in Berlin. Im Zwischenbericht sei es um die reine geologische Sicherheit gegangen.

Während Frankreich bei der Endlagerung auf Tongestein und Finnland auf Granit setzt, kann Deutschland zwischen den drei Wirtsgesteinen wählen. BGE-Geschäftsführer Kanitz erklärte, es gebe keine Ungleichbehandlung der Wirtsgesteine. Alle drei hätten ihre Vor- und Nachteile.

In der Endlagerfrage geht es vor allem um rund 1900 Castor-Behälter mit etwa 27.000 Kubikmeter Atommüll, für die nach dem für Ende 2022 beschlossenem Atomausstieg ein sicherer Verbleib gefunden werden muss. Grundlage für die Suche ist das 2017 beschlossene Endlagersuchgesetz.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Seit 2017 sammeln die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) geologische Daten darüber, wie es unterhalb des deutschen Bodens aussieht. Um jahrzehntelange Bürgerproteste rund um das Atommülllager Gorleben zu befrieden, stellte die BGE die Suche nach einem Endlager auf null. Die Forscher gingen von einer "weißen Landkarte" aus und behandelten alle Gebiete gleich.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.