Atommülllager Asse Staatsanwaltschaft befragt krebskranke Ex-Arbeiter

Mindestens drei ehemalige Asse-Mitarbeiter sind an Krebs erkrankt. Die Staatsanwaltschaft hat gegen die früheren Betreiber des Atommülllagers Vorermittlungen aufgenommen. Das Strahlenschutz-Bundesamt will die jetzigen Angestellten medizinisch untersuchen.


Wolfenbüttel - Die Staatsanwaltschaft Braunschweig will die Fälle von drei an Krebs erkrankten Ex-Mitarbeitern des maroden Atommülllagers Asse prüfen. "Wir haben am Freitag eine Person gehört und werden in der nächsten Woche zwei weitere Personen hören", sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Joachim Geyer, am Sonntag. Die Befragungen würden im Rahmen eines Vorermittlungsverfahrens gegen den früheren Asse-Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München, geführt.

Als Reaktion auf die nun bekanntgewordenen Krebserkrankungen kündigte der neue Asse-Betreiber, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), ein "Gesundheitsmonitoring Asse" für die aktuell etwa 250 Mitarbeiter der Schachtanlage bei Wolfenbüttel an. Derzeit würden Aufzeichnungen des betrieblichen Arbeits- und Strahlenschutzes der Asse gesichtet. Zudem sollen ehemalige Beschäftigte der Asse befragt werden. Da mögliche Erkrankungen wie Krebs und Leukämie auch erst Jahre später auftreten könnten, müsse das Monitoring langfristig angelegt werden.

"Wir haben noch nicht alle Akten bekommen, wir müssen uns erst einmal ein Bild verschaffen", sagte BfS-Sprecher Werner Nording am Sonntag. Es könne noch überhaupt nicht bewertet werden, ob Mitarbeiter möglicherweise Gesundheitsgefahren ausgesetzt waren. Die Studie soll von einer auf den Strahlenschutz spezialisierten Abteilung des BfS übernommen werden.

Nach Pannen und Versäumnissen unter dem Helmholtz-Zentrum hatte das BfS zum Jahresbeginn die Verantwortung für die Lagerung der rund 126.000 Fässer Atommüll in dem maroden Salzbergwerk übernommen. Die Behörde erarbeitet derzeit ein Schließungskonzept für das marode Lager. Eine akute Gefahr für die Bevölkerung besteht laut der Behörde derzeit nicht.

Staatsanwaltschaft überprüft Vorsatz und Fahrlässigkeit

Staatsanwalt Geyer sagte, bei dem am Freitag angehörten Betroffenen handele es sich um den 46-jährigen Eckbert Duranowitsch, der von 1987 bis 1990 in der Schachtanlage arbeitete. Er habe als Schlosser Messinstrumente installiert und sei dabei auch in und vor den Bereichen mit dem eingelagerten Atommüll beschäftigt gewesen, sagte er im Januar der Nachrichtenagentur ddp.

Duranowitsch erkrankte 1990 an Leukämie. Er beklagt heute, nie Schutzkleidung getragen zu haben, und führt seine Krankheit auf seine Tätigkeit in der Asse zurück. Der damalige Asse-Betreiber, das Helmholtz Zentrum München, hält das allerdings für ausgeschlossen.

Bei einem der beiden weiteren Betroffenen, die in der kommenden Woche angehört werden, handelt es sich Medienberichten zufolge um einen heute 59-jährigen Mann. Er arbeitete nach eigenen Angaben von 1988 bis 1992 im Atommülllager Asse und füllte dabei unter anderem Bohrlöcher mit Laugen. Im Dezember 2005 wurde bei ihm Rachenkrebs diagnostiziert.

Über das weitere Vorgehen der Staatsanwaltschaft machte Geyer keine Angaben. "Das hängt auch davon ab, ob wir etwas finden, was noch nicht verjährt ist", sagte er. Für einen strafrechtlichen Ansatz müsste es konkrete Hinweise geben, dass jemand fahrlässig oder wissentlich die Mitarbeiter einer gesundheitsschädigenden Strahlung ausgesetzt hat. Zudem müssten die Krankheiten zweifelsfrei durch die Arbeit in dem Atommülllager entstanden sein.

Atomkraftgegner aus der Region reagierten bestürzt auf die Erkrankungen und kündigten weitere Proteste an. Am 22. Februar wollen sie beim Braunschweiger Karnevalsumzug mit einem Themenwagen gegen die Atommülllagerung protestieren. Für den 26. Februar ist eine 52 Kilometer lange Lichterkette von Braunschweig zum Schacht Konrad und zum Bergwerk Asse geplant.

abl/ddp/dpa



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