Ausdauernder Mensch Jogging trieb die Evolution voran

Jogging hält den Menschen nicht nur fit, sondern schenkte ihm vermutlich auch seine Gestalt und seine Intelligenz. Die körperlichen Voraussetzungen für ausdauerndes Laufen trieben die menschliche Evolution neuen Erkenntnissen zufolge maßgeblich voran.


Dauerläufer: Jogging trieb die menschliche Evolution voran
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Dauerläufer: Jogging trieb die menschliche Evolution voran

Von allen Primaten kann nur der Mensch ausdauernd über lange Strecken rennen - und schneidet dabei auch erstaunlich gut gegen Vierbeiner ab. Bislang gingen Forscher allerdings davon aus, dass diese Fähigkeit keine besondere Bedeutung in der Evolution der Gattung Homo hatte, vor allem weil Menschen vergleichsweise schlechte Sprinter sind.

Nun aber glauben zwei US-Wissenschaftler herausgefunden zu haben, dass der Mensch seinen Körperbau und zum Teil auch seine Geisteskraft dem Dauerlauf verdankt. Seine große Kondition habe es frühen Menschen vermutlich ermöglicht, Beutetiere durch lange Verfolgung zu erschöpfen und nahe genug heranzukommen, um sie mit Wurfgeschossen zu erlegen. Die proteinreichere Nahrung wiederum habe die Entwicklung des menschlichen Gehirns gefördert, heißt es im Fachblatt "Nature" (Bd. 432, S. 345).

"Das Rennen hat die menschliche Evolution entscheidend gestaltet", erklärt Dennis Bramble von der University of Utah in Salt Lake City. "Es machte uns zu Menschen - zumindest im anatomischen Sinn." Mindestens 26 verschiedene körperliche Veränderungen hätten der Gattung Homo erstmals ausdauerndes Rennen ermöglicht, wie die Forscher anhand von Fossilien feststellten. Dazu gehörte etwa die Entwicklung von langen, federartig arbeitenden Sehnen, die besonders Energie sparend seien.

Eine verlängerte Achillessehne am Fußgelenk etwa sei erst vor weniger als drei Millionen Jahren aufgetreten. Der affenähnliche Hominid Australopithecus hatte sie noch nicht, obwohl er schon vor rund 4,4 Millionen aufrecht laufen konnte. Längere Beine, die eine höhere Geschwindigkeit ermöglichten, seien spätestens mit dem Homo erectus vor 1,8 Millionen Jahren aufgetaucht, so die Wissenschaftler.

Die höhere Belastung von Knochen und Gelenken durch das Laufen wiederum sei durch die Ausbildung einer größeren Gelenkoberfläche abgefangen worden, die sich ebenfalls in der Gattung Homo nachweisen lasse. Stärkere Muskeln hätten für die Stabilisierung des Körpers beim Laufen gesorgt, und der Verlust der Körperbehaarung habe unter anderem eine bessere Regulation der Körpertemperatur ermöglicht.



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