Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Der König auf der Streckbank

Richard III. litt unter einer Verkrümmung der Wirbelsäule. Die damaligen Heilmethoden waren auch für Könige alles andere als angenehm: Wahrscheinlich musste er regelmäßig auf die Streckbank.
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Richard III.: Krummer König

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Auch ein König ist vor Krankheiten nicht gefeit: Richard III., dessen Knochen unlängst unter einem Parkplatz in Leicester gefunden wurden, litt zu Lebzeiten an einer ausgeprägten Skoliose, einer Krümmung der Wirbelsäule. Sie war so stark, dass seine rechte Schulter wahrscheinlich deutlich höher lag als seine linke. Zwar ist überliefert, dass der König sportlich sehr aktiv war, auch zeigt ihn keines der Porträts mit deutlicher Schräglage. Es ist aber doch zu vermuten, dass er behandelt wurde. Mary Ann Lund von der University of Leicester, Spezialistin für Geschichte der Medizin, hat untersucht, welche Therapien zu Lebzeiten des Königs zur Verfügung standen. Besonders angenehm kann es dabei nicht zugegangen sein.

Eine Behandlungsart war das Strecken - ähnlich der damals auch gängigen Foltermethode. Dafür wurden Taue unter den Armen und an den Beinen befestigt, der Patient auf ein Brett gelegt und dann die Taue auseinandergezogen, um die Wirbelsäule in die Länge zu ziehen. Das Strecken wird zur Behandlung von Skoliose im Werk des persischen Gelehrten Avicenna aus dem 11. Jahrhundert empfohlen. Da das Werk im mittelalterlichen Europa sehr bekannt war, ist nur wahrscheinlich, dass Richards Ärzte es konsultierten.

Zum Glück empfiehlt Avicenna auch angenehmere Therapien, zum Beispiel Massagen, wie sie in türkischen Bädern angewendet wurden, oder das Auftragen von Kräutersalben. Richards Skoliose hatte sich bereits im Kindesalter bemerkbar gemacht, wahrscheinlich sogar schon im Alter von zehn Jahren. Vielleicht trug Richard auch ein Korsett. Das gehört übrigens heute noch zu den Therapieoptionen bei einer Skoliose.

Ausgebombte Gäste in der Neuen Welt

Grabung in St. Augustine: "Sieht aus, als ob es hier ein großes Feuer gab"

Grabung in St. Augustine: "Sieht aus, als ob es hier ein großes Feuer gab"

Foto: floridashistoriccoast.com

Die Timucua-Indianer Floridas bauten runde Gebäude. Die Europäer, die 1565 mit dem spanischer Eroberer Pedro Menendez de Aviles nach "La Florida" kamen, bauten dagegen eckig. Historische Berichte erzählen davon, dass die Timucua zunächst freundlich zu den Spaniern waren. Ihr Häuptling überließ den Neuankömmlingen angeblich sogar sein eigenes Haus. Die Reste eben genau jenes Hauses könnte die Archäologin Kathy Deagan von der University of Florida jetzt im Fountain of Youth Archaeological Park in St. Augustine gestoßen sein.

Von dem großen runden Haus sind nicht viel mehr geblieben als Pfostenlöcher im Boden und eine dunkle Verfärbung des Bodens. Doch die Artefakte, die in unmittelbarer Umgebung liegen, stammen sowohl von den Timucua als auch von den Spaniern. Die Ausgräberin fand winzige Glasperlen spanischer Herkunft und etwas größere Perlen, die entweder als Handelsgut gedient haben könnten oder vielleicht sogar zu einem Rosenkranz gehörten. Musketenkugeln fand sie ebenfalls, sowie Metallreste, die eine Pfeilspitze, eine Gürtelschnalle und ein Knopf gewesen sein könnten. Dazwischen lagen immer wieder Scherben von Gefäßen, wie sie typisch für die Timucua waren. "Die Erde, in der sie liegen, ist mit Holzkohle durchsetzt - sieht aus, als ob es hier ein großes Feuer gab", erklärte Deagan in der lokalen Presse.

Auch das passt zu der Überlieferung. Angeblich schossen die Timucua, als sie genug von den Spaniern hatten, einen brennenden Pfeil in deren Lagerhaus. In dem befanden sich auch die Schießpulver-Vorräte: Das Haus explodierte. St. Augustine ist die älteste durchgehend von Europäern bewohnte Stadt der USA. Die Spanier gründeten sie 42 Jahre bevor die Engländer in Jamestown siedelten und 55 Jahre bevor die Pilgerväter mit den Indianern bei Plymouth Truthähne verspeisten.

Spieglein, Spieglein in der Erde - zeig' mir, wie ich schöner werde...

Es war eine seltsame Anlage, die Archäologen da in einem Dorf nahe der Stadt Zibo in der chinesischen Provinz Shangdong entdeckten: über 100 steinerne Formen, Gruben, Quellen und Röhren. So etwas hatten sie noch nie gesehen. "Es ist der erste Fund einer Werkstatt für Bronzespiegel", erklärt Bai Yunxiang, stellvertretender Direktor des Archäologischen Instituts der chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, gegenüber der Nachrichtenagentur Xinhua. "Er gibt uns wertvolle Einblicke in die Technologie, die im alten China zur Spiegelherstellung genutzt wurde."

Die Werkstatt stammt aus der Han-Dynastie (202 - 220 n. Chr.) - einer Zeit, in der die einst kostbaren Bronzespiegel mehr und mehr zu Alltagsgegenständen und auch für Normalbürger erschwinglich wurden. Die gefundenen Gussformen repräsentieren den Modegeschmack der damaligen Zeit. Eine Form zeigt den so genannten panchi, ein drachenähnliches Monster, das zu Beginn der Han-Dynastie ein weitverbreitetes Motiv an Spiegeln war. Eine andere Form diente zur Herstellung von Spiegeln mit einem Muster aus Blättern, wie es ebenfalls in der frühen Zeit der Han-Dynastie üblich war. Die Werkstatt liegt in einem "Industriegebiet" der antiken Stadt Linzi.

Archäologie im Weltall

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Überreste der Mond-Missionen: All-Archäologie

Foto: AFP/ NASA

Was passiert mit den Spuren, die Menschen im Weltall hinterlassen? Wie lassen sich diese archäologischen Reste schützen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich diesen Monat eine Reihe von Forschern auf dem Jahrestreffen der Society for American Archaeology in Honolulu. Zu den diskutierten Objekten gehören sowohl die Überreste der Apollo-Missionen auf dem Mond als auch unbemannte Raumschiffe, die sich auf stetem Kurs immer weiter von der Erde entfernen.

Bereits jetzt gibt es Bestrebungen, den Apollo-Landestätten auf dem Mond den Status eines National Historic Landmark der Vereinigten Staaten von Amerika zu verliehen. Doch im Jahr 1967 wurde im Outer Space Treaty festgelegt, dass kein Land der Erde territoriale Herrschaft über den Mond oder andere Himmelobjekte ausüben darf. "Wir arbeiten daran, eine Stätte zu schützen, an der Menschen eine einmalige Leistung vollbracht haben - auf Land, das niemandem gehören darf", fasste Joe Reynolds von der Clemson University in South Carolina zusammen. "Ich bin ein Bewahrer, der versucht, eine archäologische Stätte in 233.000 Meilen Entfernung zu bewahren."

Reynolds verglich die Reste auf dem Mond mit den Hütten der frühen Antarktis-Expeditionen. Auch sie stehen auf Boden, der niemandem gehören darf. "Im Grunde genommen sind beide Stätten Basis-Camps für wissenschaftliche Expeditionen." Um die Erhaltung der Antarktis-Hütten kümmert sich seit 1987 der New Zealand Antarctic Heritage Trust.

Auch wenn der Mond niemandem gehört - die Objekte, die von den Raumfahrern dort zurückgelassen wurden, sind Regierungseigentum der USA. Archäologisch noch viel spannender sind allerdings die zahllosen Objekte, die als Weltraumschrott durchs All kreisen. Da Müll viel über den Menschen und sein Verhältnis zur Umwelt erzählt, ist er in allen Epochen eine wertvolle Quelle für das Verständnis seiner Zeit. In der Zukunft wird gerade dieser Weltraumschrott viel über uns erzählen.

Tod durch gebrochenes Herz?

Händchen haltend beigesetzt: "Romeo und Julia" von Cluj

Händchen haltend beigesetzt: "Romeo und Julia" von Cluj

Foto: Adrian Rusu/ dpa

Ihre Liebe muss so stark gewesen sein, dass die Angehörigen ihnen nach dem Tod im Grab die Hände ineinander legten. Bis in alle Ewigkeit sollten sie in dieser zärtlichen Geste verbunden bleiben. Die Ewigkeit dauerte allerdings nur so lange, bis rumänische Archäologen die beiden Liebenden auf dem Friedhof eines Dominikanerklosters in der Stadt Cluj fanden.

"Romeo und Julia" nannten die Ausgräber das Pärchen, das in den Jahren zwischen 1450 und 1550 starb. Beide waren zum Todeszeitpunkt etwa 30 Jahre alt. Doch sie starben vermutlich gar nicht zusammen. Während die Knochen der Frau unversehrt sind, wurde das Brustbein des Mannes mit einem Schlag eines schweren Objektes zertrümmert. Für Ausgräber Adrian Rusu liegt eine Erklärung auf der Hand: "Die Frau, die mit ihm begraben wurde könnte einen Herzinfarkt erlitten haben, als sie von seinem Tod hörte - es gibt wirklich keine andere Erklärung für ihren Tod", meint er gegenüber der Lokalpresse.

So romantisch es sein mag, sich vorzustellen, dass die Frau an gebrochenem Herzen starb: Wahrscheinlicher ist, dass sie doch auf andere Art zu Tode kam. Es gibt durchaus gewaltsame Todesarten wie Ertränken oder Erwürgen, die für Archäologen nicht an den Knochen ablesbar sind. Auch ein Selbstmord mit Gift käme in Frage. Dann allerdings wäre ihr das Begräbnis in der geweihten Erde des Klosters versagt geblieben. Vielleicht starb sie auch einfach nur an einer Infektionskrankheit.

Rezepte aus dem ältesten Kochbuch Europas

Nicht umsonst gehen sowohl die Rezepte aus der Küche als auch die Rezepte der Ärzte auf dasselbe Wort zurück: Kochen und Heilkunst liegen gar nicht so weit auseinander. So notierte denn auch im Jahr 1140 ein Mönch in der englischen Stadt Durham Koch- und medizinische Rezepte gemeinsam in einem Buch. Kürzlich wurde das auf Latein verfasste Werk in der Kathedrale entdeckt - und gilt als das älteste bekannte mittelalterliche Kochbuch Europas.

Viele der Rezepte muten durchaus modern an. Für "Winterhenne" benötigt man beispielsweise Knoblauch, Pfeffer und Salbei; die "winzigkleinen Fischchen" werden mit Koriander, Knoblauch und Pfeffer zubereitet. Um Ingwer haltbar zu machen, soll man ihn in reinem Wasser lagern, dann "der Länge nach in dünne Scheiben schneiden und gründlich mit Honig vermischen, der zuvor zu einer klebrigen Konsistenz eingekocht und abgeschöpft wurde. Der Ingwer soll mit den Händen mit Honig eingerieben werden und dann einen Tag und eine Nacht liegen."

An diesem Wochenende kocht Giles Gasper vom Institut für Mittelalter und Frühmoderne der Durham University im Blackfriar's Restaurant in Newcastle in einem Workshop einige der Rezepte nach. "Die Soßen werden hauptsächlich mit Petersilie, Salbei, Pfeffer, Knoblauch, Senf und Koriander gemacht, was ihnen wohl einen mediterranen Geschmack verleihen wird", spekuliert er. Von den medizinischen Rezepten, ergänzt er, sind einige tatsächlich wirksam - von anderen sollte man allerdings tunlichst die Finger lassen. Derzeit arbeiten Gasper und Kollegen an einer Übersetzung und Veröffentlichung des Kochbuches. Der Titel: "Zinziber" - lateinisch für Ingwer.

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