Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Schatz auf dem Grund der Donau

Die Donau diente im Mittelalter als wichtiger Handelsweg nach Byzanz, wie der Fund eines verunglückten Lastkahns belegt. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: ein Kreis-Monument in Kent, eine Mammutschmuck-Fabrik in Sachsen-Anhalt und die älteste Flaschenpost der Welt vor Shetland.
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Donauschatz: Seltenes Flussschiff in der Donau entdeckt

Foto: Tóth János Attila

Im Mittelalter Produkte auf der Donau zu transportieren, war kein einfaches Unterfangen. Die Boote waren schwer beladen und ließen sich nur notdürftig mit langen Ruderstangen manövrieren. Unfälle waren an der Tagesordnung.

Zeugnis eines solchen Ereignisses haben Archäologen nun unter Schlick und Kies vor dem Ufer der ungarischen Stadt Tahitótfalu entdeckt, rund 30 Kilometer nördlich von Budapest. Bei ersten Untersuchungen konnten die Forscher der Argonauts Research Group und des Museums von Szentendre schon mal die Größe bestimmen: Der flachbodige Kahn war etwa zwölf Meter lang und drei Meter breit. "Flussschiffe dieser Art wurden bislang nur ganz wenige in Europa gefunden", freut sich Attila J. Tóth von der Nationalbehörde für Kulturerbe in einem Interview mit Discovery News.

Bislang fanden die Archäologen schon ein intaktes Gefäß zwischen den Planken. Nun hoffen sie, unter den Schlamm- und Kiesschicht noch den Rest der Ladung vorzufinden. Bereits im Mittelalter war die Donau ein wichtiger Handelsweg für Ungarn. Sie verband das Land nach Westen mit dem Deutschen Reich und nach Osten mit Byzanz.

+++ Besser Leben nach dem Tod +++

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Knochen-Studien: Lebensdauer nach Pest-Zeit gestiegen

Foto: Sharon DeWitte

Den Sommer verbringt Sharon DeWitte von der University of South Carolina jedes Jahr mit Skeletten. In ihrer vorlesungsfreien Zeit reist die amerikanische Professorin dann nach England und untersucht akribisch jene Knochen der Sammlung des Museum of London, die aus der Zeit der Großen Pest stammen. Es sind viele: In den Jahren zwischen 1347 und 1351 holte der Schwarze Tod fast die Hälfte aller Einwohner Londons.

Diesen Sommer interessierte die Forscherin sich allerdings für die Skelette aus den Jahren vor und nach der Großen Pest. Sie wollte herausfinden, wie die Seuche die Lebensbedingungen der Londoner veränderte. Ihre erstaunliche Erkenntnis: Nach der Pest lebte es sich besser als vor der Pest. Zumindest länger. "Viele Menschen lebten danach über ihren 50. Geburtstag hinaus, viele sogar noch über den 70", schreibt sie in einer Presseerklärung der Universität. Schuld an diesem Phänomen sind vor allem zwei Dinge.

Zum einen erlagen der Pest vornehmlich schwache und kranke Menschen. Leute mit einer gesünderen Grundkonstitution hatten bessere Chancen sie zu überleben. Und zum anderen verbesserten sich nach der Pest die Lebensbedingungen und vor allem auch die hygienischen Zustände in London. DeWitte studiert nicht nur die Knochen, sondern auch die Zähne der Toten. Rillen im Zahnschmelz deuten auf Perioden der Unterernährung hin. Aber auch diese sind in den Jahren nach der Pest nicht so häufig wie davor.

+++ Älteste Flaschenpost der Welt gefunden +++

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Späte Entdeckung: Älteste Flaschenpost aus Fluten gefischt

Foto: Marine Scotland

Das ist Weltrekord! Vor den Shetlands hat der Fischer Andrew Leaper die älteste Flaschenpost der Welt aus den Fluten gefischt. Sie war 97 Jahre und 309 Tage lang unterwegs. Die Flaschenpost war jedoch kein gewöhnlicher Brief an einen unbekannten Finder, sondern Teil eines wissenschaftlichen Experiments.

Die Flasche mit der Nummer 646B war eine von insgesamt 1890 Exemplaren, die im Jahr 1914 von der Glasgow School of Navigation ausgesetzt wurden, um die Meeresströmungen zu untersuchen. In ihr steckte eine Postkarte mit der Bitte, das genaue Datum und den Fundort der Flasche zu notieren, und die Karte an den Direktor der schottischen Fischereibehörde zu senden. Sogar eine Belohnung wird versprochen: der Finder erhält sechs Pence! Am 10. Juni 1914 hatte Captain C. H. Brown die Flasche versiegelt und zu Wasser gelassen. Ihr spezielles Design sorgte dafür, dass sie tief sank und der Strömung nahe des Meeresbodens folgte. Von den Flaschen jenes Jahres kamen bislang 315 Postkarten zurück.

Die Liste für das Experiment liegt heute bei Marine Scotland Science in Aberdeen. Leaper fand die Flasche bereits im Frühjahr, der Fund wurde aber erst jetzt bekannt. Mit dieser Flaschenpost stellte er den alten Weltrekord ein, den im Jahr 2006 sein Freund Mark Anderson aufgestellt hatte - in just jenem Boot, in dem auch Leaper unterwegs war, der "Copious".

+++ Steinzeitliche Mammutschmuck-Fabrik +++

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Moderne Arbeitsteilung: Überraschende Organisation in 35.000 Jahre alter Fabrik

Foto: MONREPOS/ Tim Matthies

Das ist Archäologenglück: Kaum hatten die Ausgräber des Forschungszentrums und Museums für menschliche Verhaltensevolution, Monrepos, an dem Steinzeitfundort Breitenbach in Sachsen-Anhalt den Spaten in den Boden gesteckt, stießen sie schon auf eine Werkstatt - und zwar auf eine 35.000 Jahre alte Fabrik für die Verarbeitung von Mammutelfenbein.

An diesen Ort kamen die Jäger und Sammler mit den erlegten Tieren, um aus den Stoßzähnen Schmuck und Werkzeuge zu fertigen. Das erstaunliche dabei: Offenbar waren die Schnitzer Spezialisten, die in Arbeitsteilung jeder in einem eigenen Areal saßen - wie in einer modernen Fabrik. "Die Funde aus Breitenbach belegen, dass die Raumplanung moderner Menschen schon immer strikten Regelwerken unterworfen war - ein grundlegender Unterschied etwa zu den Verhaltensweisen des vor etwa 40.000 Jahren ausgestorbenen Neandertalers. Den Einfluss der Organisationsregeln dieser europäischen Pioniere auf unsere heutigen Raumplanungskonzepte können wir gar nicht überschätzen", erklärt Olaf Jöris, Wissenschaftler des Monrepos.

Die Forschungen in Breitenbach sind Teil des Forschungsschwerpunkts "Menschwerdung". Darin gehen die Forscher der Evolution unseres heutigen Verhaltens in der Alt- und Mittelsteinzeit nach, dem weitaus längsten und prägendsten Abschnitt der Menschheitsgeschichte. Die aktuellen Fortschritte der Ausgrabung und neuesten Entdeckungen kann man übrigens über Facebook verfolgen: Monrepos - Archäologisches Forschungszentrum und Museum .

+++ Mysteriöser Kreis entpuppt sich als neues Henge +++

Der St Martha's Hill in Chilworth, England: Der Kreis, der eigentlich ein Henge ist

Der St Martha's Hill in Chilworth, England: Der Kreis, der eigentlich ein Henge ist

Foto: Peter Macdiarmid/ Getty Images

Es begann mit einem mysteriösen Kreis, der auf Satellitenaufnahmen von dem Grundstück The Holmesdale in der englischen Grafschaft Kent zu erkennen war. Bei näheren Untersuchungen der Stelle haben Archäologen nun festgestellt: Der Kreis war ein Henge-Monument. Die Anlage - etwa so groß wie Stonehenge - wurde um das Jahr 2500 vor Christus errichtet und war anscheinend rund 2000 Jahre in Gebrauch.

Ein Henge muss jedoch nicht immer aus Stein sein. Der Name Henge bezeichnet lediglich eine kreisförmige oder ovale Anlage aus der Jungsteinzeit, die von einem Graben und einem Wall dahinter umgeben ist. Das neue Henge aus Holmesdale entspricht genau diesen Vorgaben - anders als zum Beispiel Stonehenge, bei dem untypischweise der Graben hinter dem Wall liegt, statt andersherum.

In der Umgebung der Kreisanlage fanden die Ausgräber jede Menge Geweihe und Schulterblätter von Rindern. Wahrscheinlich schaufelten die Baumeister damit den Graben aus und den Wall auf. Über verbrannte Knochen und Keramikscherben konnten die Ausgräber den langen Nutzungszeitraum gut nachweisen.

+++ Freundliche Eroberer in Spanien +++

Ruinen von Baelo Claudia: Eine der besterhaltendsten römischen Städte Spaniens

Ruinen von Baelo Claudia: Eine der besterhaltendsten römischen Städte Spaniens

Foto: Corbis

In mancher Hinsicht waren die Römer nette Eroberer. Sie bügelten nicht alles Einheimische sofort platt, sondern ließen oft die eroberten Völker weiter in ihrer gewohnten Art und Weise leben. Ein Beispiel dafür ist Baelo Claudia, eine der besterhaltendsten römischen Städte Spaniens. Sie liegt in der Nähe der modernen südspanischen Stadt Tarifa, in Sichtweite der marokkanischen Küste.

Hier mischen sich Architektur und Gebrauchsgegenstände der Römer fröhlich mit jenen der Punier, die hier schon lange siedelten, bevor im späten 2. Jahrhundert vor Christus die neuen Herren aus dem fernen Rom kamen. In den vergangenen Wochen konzentrierten die Archäologen unter der Leitung von Fernando Prados Martínez von der Universität Alicante sich auf die Untersuchung des Friedhofes der Stadt.

Die Gräber sind ausgezeichnet erhalten, weil sie in den vergangenen 2000 Jahren nicht überbaut wurden. Und auch hier fanden die Ausgräber - vor allem in den älteren Gräbern - viele punische Elemente. Das bedeutet, die Punier durften auch nach Ankunft der Römer weiterhin an ihren Begräbnisriten - und damit an ihren Glaubensvorstellungen - festhalten.

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