Ausgegraben Die edlen Sohlen von Napoleons Schwester

Auch wenn sie von Zimmer zu Zimmer getragen wurde - die Schwester Napoleon Bonapartes verfügte über feinste Schuhe. Die wurden nun durch einen Zufall entdeckt. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Ein römischer Tempel in London und Pyramidenhysterie im Sudan.
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Zufallsfund: Schuhe von Napoleons Schwester entdeckt

Foto: University of Aberdeen

Das Paar Schuhe, das die Museumsmitarbeiterin Louise Wilkie in einer Schublade des Museums an der University of Aberdeen fand, sieht aus, als gehöre es an Puppenfüßchen aus Porzellan. Die edlen Fußkleider aus Seide und Leder sind winzig, nur vier Zentimeter breit und knapp über 10 Zentimeter lang. Und doch gehörten sie einst wahrscheinlich einer Prinzessin aus Fleisch und Blut: Pauline Borghese, Lieblingsschwester von Napoleon Bonaparte. So ist es zumindest auf der Sohle vermerkt: "Pauline Rome" steht dort geschrieben. Und auch zu den Beschreibungen der Prinzessin passen die Schuhe hervorragend: zierlich und zart soll sie gewesen sein - so sehr, dass sie oft von Zimmer zu Zimmer getragen wurde und nicht einmal selber laufen brauchte.

Trotzdem hatte sie es faustdick hinter den Ohren. Pauline war bekannt für ihre außerehelichen Abenteuer und löste einen Skandal aus, als die nackt für den Maler Canova Modell saß. In den Besitz des Museums gelangten ihre Schuhe durch eine Schenkung des Chirurgen Robert Wilson (1787 - 1871), der eine enge Freundschaft mit der Prinzessin pflegte und womöglich auch zu ihren Liebhabern zählte. Es ist bekannt, dass die beiden viel Zeit miteinander verbrachten und die Prinzessin ihm viele Geschenke machte. Darunter ist auch ein Ring, der sich ebenfalls im Besitz des Museums befindet.

Über hundert Jahre lagen die Schuhe unbeachtet im Museum in einer Schublade mit Kleidung, wo Wilkie sie nun entdeckte.

+++ Neue alte Sehnswürdigkeit in London +++

Anstehen für den Mithras-Tempel: Die Entdeckung war eine echte Sensation 1954

Anstehen für den Mithras-Tempel: Die Entdeckung war eine echte Sensation 1954

Foto: Express/ Getty Images

London hat viele großartige Sehenswürdigkeiten: Big Ben, Westminster Abbey, das Riesenrad London Eye. Und einen römischen Mithras-Tempel. Dessen Fundamente an der Queen Victoria Street untersuchen über 50 Archäologen. Der Tempel selber wartet indessen im Magazin des Museum of London darauf, nach Abschluss der Arbeiten wieder an seinen ursprünglichen Platz zu kommen. Dort soll er in das neue Hauptquartier des Mediengiganten Bloomberg L.P., das dort entsteht, eingebaut werden.

Doch die Arbeiten verzögern sich. Wie die Webseite Londonist berichtet, sind die Erhaltungsbedingungen im Boden an der Stelle so gut, dass sich die Ausgrabungen verlängern - die Archäologen finden zu viel. "Die Bodenbedingungen sind perfekt für den Erhalt von organischem Material und Hunderten von Artefakten aus Metall, Holz, Knochen und Leder", heißt es vom Museum of London. "Diese Funde werden zum besseren Verständnis des Lebens in diesem Teil des römischen London beitragen und helfen, die Entstehungsgeschichte des Mithrastempels zu erzählen."

Der Tempel wurde im Jahr 240 errichtet - ein kleines, höhlenartiges Gebäude. Dort zelebrierten die Anhänger des Mithras ihre geheimen Rituale. Zentrales Element des Kultes war die blutige Opferung von Stieren. Nach der Mythologie trug der Gott Mithras einst einen Stier in eine Höhle und opferte ihn dort, um mit seinem Blut und seinem Samen die Welt zu erneuern. Der Kult war vor allem bei römischen Soldaten sehr beliebt, Frauen waren dagegen streng verboten.

Der Mithrastempel von London wurde bereits 1952 entdeckt und sorgte damals für Straßenblockaden durch die vielen Schaulustigen, die interessiert die Ausgrabungen an der Queen Victoria Street verfolgten. Nach der Bergung wurde das Gebäude 90 Meter entfernt vom Originalstandplatz schlecht rekonstruiert wieder aufgebaut. Nach Abschluss der Grabungsarbeiten soll der Mithrastempel nun wieder an seinem ursprünglichen Ort zurückkehren.

+++ Pyramide für Großmutter +++

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Sudan: Pyramidenhysterie in Sedeinga

Foto: B.-N. Chagny/ SEDAU/ SFDAS

Nicht nur die Ägypter bauten Pyramiden. Offenbar fanden auch ihre Nachbarn im heutigen Sudan den Brauch so ansprechend, dass sie ihn für die eigenen Toten kopierten. In den vergangenen Grabungskampagnen konnte ein Archäologenteam um Vincent Francigny vom American Museum of Natural History in New York mindestens 35 Pyramiden an dem Ort Sedeinga ausmachen.

Dort standen sie dicht gedrängt: Allein 13 davon fanden Francigny und sein Team auf einer Fläche, die nicht viel größer ist als ein Basketballfeld. "Die Dichte ist enorm", sagt Francigny in einem Interview mit der Wissenschafts-Internetplattform LiveScience. "Weil der Trend hunderte von Jahren anhielt, bauten sie mehr, mehr, mehr Pyramiden, und nach Jahrhunderten begannen sie dann, auch noch die Lücken zwischen den Pyramiden zu füllen."

Die Pyramidenhysterie in Sedeinga begann vor rund 2000 Jahren, als im heutigen Sudan ein Königreich namens Kush existierte. Allerdings waren die Pyramiden von Kush deutlich kleiner als ihre ägyptischen Verwandten. Wie Francigny und Kollegen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Sudan and Nubia" berichten, hatte die größte gerade mal eine Seitenlänge von sieben Metern. Die kleinste, die über einem Kinderbegräbnis errichtet war, maß nur 7,5 Zentimeter.

Interessanterweise sind die Pyramiden alle über einer inneren runden Kuppel errichtet. Vielleicht war diese Form eine Mischung aus alten lokalen Bestattungsriten und neuen Architekturimpulsen aus Ägypten. Die meisten der Gräber wurden bereits in der Antike geplündert. Neben einer Pyramide fanden die Ausgräber jedoch noch einen Opfertisch. Darauf war eine Inschrift in merotischen Hieroglyphen zu lesen: Oh Isis! Oh Isis! Dies ist Aba-la. Gib ihr reichlich Wasser, gib ihr reichlich Brot, tische ihr eine gute Mahlzeit auf. Aba-la könnte ein Kosename für "Großmutter" gewesen sein.

+++ Nächste Suche nach alten Königsknochen +++

Alfred der Große: Sind es wirklich seine sterblichen Überreste, die in der St. Bartholomew Church begraben liegen?

Alfred der Große: Sind es wirklich seine sterblichen Überreste, die in der St. Bartholomew Church begraben liegen?

Foto: Hulton Archive/ Getty Images

Kaum haben die Briten den Parkplatz-König Richard III. identifiziert, machen sie sich auf die Suche nach dem nächsten verschollenen Monarchen. Sie vermuten die sterblichen Überreste des angelsächsischen Herrschers Alfred dem Großen (849 - 899) in einem unmarkierten Grab in der St. Bartholomew Church in Winchester in der Grafschaft Hampshire. Die Knochen lagen vormals in den Ruinen der nahen Hyde Abbey und waren bei Ausgrabungsarbeiten im 19. Jahrhundert zu Tage gekommen.

Die Archäologin Katie Tucker von der University of Winchester hat bei der Church of England nun um Erlaubnis für die Exhumierung und Untersuchung des mutmaßlichen Königsskelettes gebeten. Die Identifizierung erhofft sie sich durch eine Datierung der Knochen. Hyde Abbey wurde erst im 12. Jahrhundert errichtet. Wenn dort aber Knochen aufbewahrt wurden, die bereits zwei Jahrhunderte älter waren, dann muss es sich um die Gebeine einer bedeutenden Persönlichkeit gehandelt haben. Ein DNA-Abgleich mit Verwandten, wie bei Richard III., wird indes nicht möglich sein. Zwar wurden die Knochen von Alfreds Enkelin Editha eingehend wissenschaftlich untersucht. Editha war mit Otto I., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, verheiratet und liegt bis heute im Magdeburger Dom bestattet. Eine DNA Analyse gelang bei ihren Überresten jedoch nicht mehr.

Alfred hatte ein bewegtes Leben. Er verteidigte sein Reich erfolgreich gegen Einfälle der Wikinger und erhielt als einziger britischer Herrscher den Beinamen "der Große". Alfred galt als guter und weiser Regent. Am meisten wird er allerdings durch die Episode mit den verbrannten Kuchen erinnert. Der Legende nach fand er auf der Flucht vor seinen Feinden einmal Schutz bei einer Bauersfrau. Die Bäuerin wusste nicht, wen sie da in ihre Hütte aufgenommen hatte und bat den Fremden, auf ihre Kuchen im Ofen aufzupassen. Alfred war jedoch so vertieft in die Probleme seines Königreiches, dass er die Kuchen anbrennen ließ und dafür reichlich Schelte von der Bauersfrau bezog.

+++ Versammlungshaus der Pilgerväter entdeckt +++

Als im Jahr 1620 die Pilgerväter aus England an der nordamerikanischen Küste landeten und Plymouth gründeten, mussten sie zunächst sieben Jahre lang dort ausharren. Das verlangten die Londoner Finanziers von ihnen, damit die neuen Siedler sich nicht in den Weiten des neuen Kontinents verlören. Erst nach Ablauf dieser Zeit durften sie Land außerhalb der ersten Siedlung in Besitz nehmen. Eine der ersten Neugründungen war Duxbury. Dort haben Archäologen nun das erste Versammlungshaus der Pilgerväter entdecken können. Die Familien von Myles Standish, John and Priscilla Alden und Elder William Brewster bauten es im Jahr 1634, weil der Weg nach Plymouth zu weit und anstrengend war, um ihn für jede Andacht zurückzulegen. Bis dahin waren sie noch für jeden Gottesdienst zurück in die erste Siedlung gefahren.

An der Stelle des Versammlungshauses liegt heute der Myles Standish Friedhof. Bei Bodenradarmessungen fanden die Archäologen hier eine E-förmige Struktur, die sie für die Fundamente des Versammlungsbaus halten. In den Tagen der Pilgerväter gab es keine Trennung zwischen Kirche und Staat. Das Versammlungshaus diente gleichzeitig für Gottesdienste und für Gemeindeversammlungen, für Gebete und Gerichtsverhandlungen. "Die Versammlungshäuser des 17. Jahrhunderts standen in der Regel auf Erhöhungen innerhalb der Siedlung", schreibt Ausgräber Craig Chartier in seinem Bericht der Arbeiten. "So sollte das Gebäude strahlen wie eine Stadt auf dem Berg, um den Menschen ein Beispiel zu geben, wie sie ihr Leben führen sollten."

Eine Ausgrabung wird jedoch nicht stattfinden können, weil dadurch die Gräber des Friedhofes gestört werden würden. Die ersten Siedler der neuen Gemeinde wurden in unmittelbarer Nähe des Versammlungshauses bestattet.

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