Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Mit Bodenradar unters Polizeiquartier

Das Randolphfield ist Schauplatz einer der bedeutendsten Schlachten Schottlands - heute steht dort die Polizei-Hauptwache. Forscher suchen dennoch nach frühen Verteidigungsgräben. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: die Federn der Frühmenschen und Wikinger auf Abwegen.

Offenbar haben sich schon Neandertaler gern mit fremden Federn geschmückt - und zwar mit denen von Raub- und Rabenvögeln. Zu diesem Schluss kam ein internationales Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Clive Finlayson vom Gibraltar Museum. Dazu hatten sie 1699 Fundstellen in ganz Eurasien auf die Spuren des Zusammenlebens von Neandertalern und Vögeln untersucht. Auffällig oft fanden sie Vogelknochen an Orten, an denen Neandertaler sich aufgehalten haben, berichten die Forscher in der Zeitschrift "PLoS One".

Was genau taten die Neandertaler mit den Vögeln? Um dieser Frage nachzugehen, nahmen die Wissenschaftler einige der Fundstellen noch einmal ganz genau unter die Lupe. An den Resten aus drei Höhlen in Gibraltar - der Gorham Höhle, der Vanguard Höhle und der Ibex Höhle - fanden sie eindeutige Schnittspuren von Steinwerkzeugen. Aber mehr als die Hälfte der Knochen stammte von den Flügeln - die besonders fleischarm sind und sich weniger zum Verzehr eignen als etwa Schenkel oder Brust der Tiere.

"Die Aktivität der Neandertaler stand ganz klar im Zusammenhang mit der Entfernung der größten, haltbarsten und ohne Frage optisch auffälligsten Elemente des Gefieders", schreiben die Forscher. Und anscheinend hatten die Neandertaler sogar Vorlieben, was die Farbwahl anbelangte: Die Raub- und Rabenvögel, also Spezies mit dunklem Gefieder, seien klar in der Mehrzahl gewesen.

+++ Auf der Suche nach Robert the Bruce's Gräben +++

Auf dem Feld der Battle of Bannockburn (Zeichnung): Heute steht hier eine Polizeiwache

Auf dem Feld der Battle of Bannockburn (Zeichnung): Heute steht hier eine Polizeiwache

Foto: Corbis

In Randolphfield im schottischen Stirling stört die Polizei gerade gewaltig. Denn das Hauptquartier der Central Scotland Police steht wahrscheinlich genau auf dem Feld einer der bedeutendsten Schlachten Schottlands: die Battle of Bannockburn, in der 1314 die Schotten unter der Führung von Robert the Bruce erfolgreich das sehr viel größere englische Heer Edwards II. besiegten. Damit errangen sie den entscheidenden Durchbruch im Kampf für ihre Unabhängigkeit.

Nun wollen Archäologen mit Bodenradar das Erdreich unter dem Polizei-Hauptquartier untersuchen. Sie hoffen, dort die römische Straße zu finden, auf der Edwards Armee auf Stirling zumarschierte, sowie die mit Speeren gefüllten Gräben, die Robert zur Verteidigung ausheben ließ. Diese Gräber verhinderten, dass die Kavallerie sich auffächern konnte - die Pferde liefen genau in die Verteidigung von Bruce' Truppen hinein.

Im Bodenradar wäre die Straße leicht als dunkles Band auszumachen. Die Gräben daneben würden sich als parallel zur Straße verlaufende Linien abzeichnen. Auch Massengräber, in denen anschließend die Toten beerdigt wurden, könnten neben der alten Straße liegen.

+++ Alte Karthager brachten doch keine Babyopfer +++

Lager der Karthager auf Sizilien, 264 - 241 vor Christus (Zeichnung)

Lager der Karthager auf Sizilien, 264 - 241 vor Christus (Zeichnung)

Foto: Hulton Archive/ Getty Images

In der neuen Ausgabe der britischen Zeitschrift "Antiquity" sprechen die Forscher um Jeffrey Schwartz von der University of Pittsburgh die alten Karthager doch wieder von einer schrecklichen Schuld frei. Sie hätten, so Schwartz und seine Kollegen, keine Neugeborenen und Kinder geopfert. Diese bösen Gerüchte kursieren bereits seit der Antike: die römischen Schriftsteller Diodorus, Kleitarchos, Plutarch und Tertullian berichten darüber.

Tatsächlich gibt es in Karthago einen Friedhof, auf dem ausschließlich Neugeborene und Kleinkinder sowie junge Ziegen und Lämmer bestattet sind. Er wurde zwischen 700 und 300 v. Chr. genutzt - die Gräber liegen hier in bis zu neun Schichten übereinander auf einem Gelände in der Größe eines Fußballfelds. Schwartz und seine Kollegen hatten die erhaltenen Zähne und Knochen akribisch untersucht und festgestellt, dass ein großer Teil der Kinder Totgeburten waren - und so niemals geopfert werden konnten. Seiner These nach wurden auf diesem Friedhof lediglich die jungen Karthager begraben, die bei der Geburt oder so kurz danach starben, dass sie noch nicht Teil der karthagischen Gesellschaft waren. Die blutigen Geschichten über die Kinderopfer, argumentiert er, müsse man mit äußerster Vorsicht genießen - schließlich stammen sie von Schreibern, die den Karthagern nicht gerade freundlich gegenüberstanden.

Im vergangenen Jahr zweifelte dann Patricia Smith, eine Anthropologin von der Hebrew University in Jerusalem die Ergebnisse an. Sie habe auch Zähne von diesem Friedhof untersucht, schrieb sie ebenfalls in "Antiquity", und die große Mehrheit der Kinder wäre zum Todeszeitpunkt zwischen einem und anderthalb Monaten alt gewesen - also durchaus opferfähig. Schwartz habe falsch gerechnet und nicht in Betracht gezogen, dass die Hitze bei einer Feuerbestattung - wie sie dort üblich war - die Zähne maßgeblich verändern kann. Doch in seinem neuen Aufsatz legt Schwartz nun dar, dass er mögliche Veränderungen durch Hitzeeinwirkung sehr wohl bedacht hat - und seine Ergebnisse immer noch stimmig seien. Im Gegenzug kritisiert er jedoch an seiner Kollegin, dass sie nicht öffentlich darlegt, woher die von ihr untersuchten Proben eigentlich stammen.

+++ Wikinger lernten Städtebau von den Engländern +++

Wikinger-Darsteller beim Up Helly Aa Festival auf den Shetland Islands (31. Januar 2012)

Wikinger-Darsteller beim Up Helly Aa Festival auf den Shetland Islands (31. Januar 2012)

Foto: Andy Buchanan/ AFP

"Das wollen wir auch haben!", dachten wohl viele Wikinger von den englischen Städten, die sie als Eroberer kennengelernt hatten. Und so machten sie sich, als sie nach den Eroberungszügen wieder zu Hause in Dänemark waren, an den Bau eigener Metropolen. Zu diesem Schluss jedenfalls kommt die Historikerin Marie Bønløkke Spejlborg bei ihrer Suche nach englischen Einflüssen in der dänischen Kultur. Über ihre Funde berichtete sie auf der 15. Internationalen Saga-Konferenz in Aarhus.

Dass die Wikinger im Gegenzug als Eroberer der englischen Kultur - zum Beispiel in der Sprache - einen Stempel aufdrückten, ist hinlänglich bekannt. Doch nahmen sie auch Ideen wieder mit nach Hause? Städte gab es jedenfalls vor der Eroberung Englands nicht. Die Wikinger kannten zwar Marktflecken als Orte für den Austausch von Waren, lebten aber sonst in kleinen Dorfgemeinschaften zusammen. Auch die Kirchen scheinen sie sich bei den Engländern abgeschaut zu haben. Als sich König Harald Blauzahn im Jahr 960 taufen ließ und seine Untertanen damit auch zu Christen machte, schauten die Engländer bereits auf eine lange christliche Tradition zurück.

Kein Wunder also, dass sein Sohn Sven Gabelbart sich Bischöfe aus England holte, um den Dänen das Christentum zu lehren. Spejlborg fand in ihren Untersuchungen nun auch archäologische Belege dafür. Die St.-Jørgensbjerg-Kirche in Roskilde beispielsweise wurde eindeutig nach englischen Vorbildern errichtet, vielleicht sogar von englischen Baumeistern. Und nicht zuletzt liehen sich die Dänen auch die Wörter für die neumodischen Ideen aus dem Englischen: kristendom (Christenheit) kommt vom altenglischen cristendom, ærkibiskup (Erzbischof) ist der altenglische arcebisceop und auch das kors (Kreuz) scheint vom englischen cross abzustammen.

+++ Römischer Sarkophag unter englischer Hecke gefunden +++

Wer schon immer einen römischen Sarkophag für seinen Garten haben wollte, hat am 28. September die Gelegenheit, einen zu ersteigern. Dann wird das Auktionshaus Duke's in Dorchester in der englischen Grafschaft Dorset ein feines Exemplar zum Kauf anbieten, in dem einst ein wichtiger Mann lag, der im zweiten Jahrhundert nach Christus zu Zeiten des Kaisers Hadrian lebte.

Gefunden hat ihn unlängst ein Mitarbeiter von Duke's - in einem Garten in Dorchester. Guy Schwinge war eigentlich zu dem Anwesen gefahren, um im Haus einige Antiquitäten zu begutachten. "Als ich auf das Grundstück fuhr, sah ich unter einigen Büschen etwas hervorluken, das wie ein großer Gartentrog aussah", erzählt der Antiquitätenexperte im Interview mit der britischen Tageszeitung "Daily Mail". Neugierig geworden inspizierte er gemeinsam mit dem Hausherrn den Fund - und entdeckte das erstaunlich gut erhaltene Prunkstück. Zurück im Haus fanden die Herren noch mehr: den alten Auktionskatalog aus dem Jahr 1913, in dem der Sarkophag ausgeschrieben war.

Offenbar hatten die Besitzer des Hauses damals den Steinsarg aus dem Nachlass des großen Kunstsammlers Sir John Robinson erworben - und dann über die Jahrzehnte im Garten einfach vergessen. Robinson selbst könnte das Stück von einer seiner Italienreisen mitgebracht haben. Behalten will der Besitzer das wiedergefundene wertvolle Stück aber trotzdem nicht. Guy Schwinge durfte ihn gleich mit auf die Auktionsliste setzen. Er soll nun für mindestens 50.000 Pfund (etwa 62.000 Euro) versteigert werden.

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