Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Papst-Söldner den falschen Fuß amputiert

Die Exhumierung des Leichnams eines Medici-Abkömmlings verwirrt: Im Krieg soll "della Bande Nere" ein Bein verloren haben, doch seinem Skelett fehlte lediglich ein Fuß. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Die Wiege des Weins und eine muschelbewachsene Hellcat-Höllenkatze.

Was geschah mit Giovanni dalle Bande Nere? Der Medici-Sproß, so berichten die Quellen, starb im Jahr 1526, nachdem sich die Wunde einer Beinamputation entzündet hatte. Das Bein musste angeblich amputiert werden, weil ihn während einer Schlacht eine Kanonenkugel schwer verletzte. Doch eine Exhumierung des Leichnams macht jetzt diese Version der Geschichte unglaubwürdig. Denn die Ausgräber fanden das Skelett komplett mit beiden Beinen - statt dessen war nur ein Fuß amputiert. Es hätte medizinisch keinen Sinn gemacht, nach einer Beinverletzung wie in den Quellen beschrieben, lediglich den Fuß zu amputieren. "Warum tat der Arzt das?" fragt Marco Ferri von den Florentiner Museen im Interview mit der Wissenschaftsplattform LiveScience.

"Entweder war er kein guter Arzt oder die Überlieferung der damaligen Ereignisse ist nicht korrekt." Die Quellen sind jedoch ziemlich explizit. Sie berichten zum Beispiel, dass bei der Amputation zehn Männer nötig waren, um Giovanni still zu halten, während der Chirurg Abramo ihm das Bein absägte. Giovannis Knochen liegen mit denen seiner Frau Maria Salviati in Zinksärgen in der Krypta der Medici Kapelle in Florenz bestattet. Der Medici wurde im Jahr 1498 geboren und führte ein bewegtes Leben. Aus seiner Familie gingen drei Päpste und zwei Königinnen von Frankreich hervor. Giovanni verdingte sich als Söldner für seinen Verwandten Papst Leo X. Als dieser starb, ließ er sich schwarze Bänder an seine Uniform nähen, was ihm seinen Spitznamen "della Bande Nere" einbrachte.

+++ Wiege des Weines +++

Fotostrecke

Ausgegraben: Wiege des Weines

Foto: SUZANNE MUSTACICH/ AFP

Irgendwann zwischen 8500 und 5000 v. Chr. kamen die Menschen in Südost Anatolien auf eine wunderbare Idee: Weinstöcke zu kultivieren. Noch heute wachsen dort Sorten wie Bogazkere und Okuzgozu, die nahezu unverändert die Jahrtausende überdauert haben. Der Biologe Jose Vouillamoz und der Bioarchäologe Patrick McGovern vom University of Pennsylvania Museum haben nun nachweisen können, dass in der Region die Menschen zum ersten Mal wilden Wein kultivierten.

"Wir stellen die Hypothese auf, dass dies der erste Ort ist, an dem je Wein angebaut wurde", sagte Vouillamoz auf der EWBC Weinkonferenz im türkischen Izmir. Die Wissenschaftler haben nicht nur die DNA von wildem und domestiziertem Wein verglichen, sondern auch antike Gefäße auf Weinreste untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass Georgien und Armenien zwar eine Rolle in der späteren Entwicklung des Weines spielten. Die erste Modifizierung der eurasischen Traube Vitis vinifera fand aber in Südostanatolien statt. Dort entstanden die 13 so genannten "Gründertrauben", auf die hunderte heute gängiger Weinsorten zurückgehen. Eine dieser Gründertrauben ist Gouais Blanc, aus der beispielsweise Chardonnay, Gamay, Furmint und Riesling hervorgingen. "Das war der Casanova der Trauben", sagt Vouillamoz. Doch die Wiege des Weines ist heute in Gefahr. In der kurdischen Region Diyarbakir pflegen noch heute die Frauen die Weinstöcke auf traditionelle Weise und lassen sie von Ziegen beknabbern. Da kaum Schädlingsbekämpfung betrieben wird, sind die Bestände von der Reblaus bedroht. Im späten 19. Jahrhundert wurden bereits viele europäische Weinanbaugebiete in der so genannten Reblauskatastrophe von den Schädlingen fast vollständig vernichtet.

+++ "Höllenkatze" vor der Küste Floridas gefunden +++

"Lost Patrol": Während des Flugs gingen 79 Hellcats gingen verloren

"Lost Patrol": Während des Flugs gingen 79 Hellcats gingen verloren

Foto: ASSOCIATED PRESS

Einen seltsamen Fund machten Korallenforscher vor der Küste Floridas: Direkt vor Miami Beach fanden sie ein Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg. Es lag auf seinem Dach in rund 73 Meter Tiefe. Die Grumman F6F Hellcat ist mit Muscheln übersät und dient exotischen Rotfeuerfischen als Unterschlupf - deshalb hatten die Forscher das Gebilde zunächst für ein Schiffswrack gehalten. Noch konnte die genaue Herkunft des Flugzeugs nicht geklärt werden. In den Jahren zwischen 1943 und 1952 gingen 79 Hellcats vor der Ostküste Floridas verloren. Dazu gehörten auch die Maschinen des mysteriösen "Lost Patrol" Fluges 19, die bei einer Übung in der Nähe von Fort Lauderdale verloren ging. Nicht nur das Flugzeug, sondern auch der Suchtrupp, der anschließend ausgeschickt wurde, verschwanden spurlos. Insgesamt verfügte die US Navy über rund 12000 Hellcats. Davon sind heute nur noch eine Handvoll übrig.

+++ Schippern im Burggraben +++

Dänischen Archäologen ist es gelungen, das einzige bekannte mittelalterliche Ruderboot Dänemarks zu datieren. Eine Analyse der Baumringe des Holzes ergab, dass die Bäume um das Jahr 1390 gefällt wurden. Das Boot wird also zu Beginn des 15. Jahrhunderts genutzt worden sein. Der seltene Fund stammt aus dem Burggraben der Burg von Vordingborg und gewährt Einblicke in das mittelalterliche Leben in einer dänischen Burg. Ausgräber Lars Sass Jensen erklärt auf der Wissenschaftsplattform Science Nordic, dass das Boot verschiedene Aufgaben gehabt haben könnte. In vielen mittelalterlichen Burggräben waren Fischzuchtanlagen integriert. Das Boot könnte für Inspektionsfahrten der Netze und Reusen genutzt worden sein. "Wir wissen aus späteren Quellen, dass viele Gräben Leitsysteme für Fische hatten und es so möglich war, direkt vom Boot aus im Burggraben Fische zu fangen", sagt Jensen. "Aber Bilder aus der Zeit zeigen auch, dass die Herren solcher Burgen in kleinen Booten Vergnügungsfahrten unternahmen." Das etwa sechs Meter lange Boot ist erstaunlich gut erhalten. Bemerkenswert sind vor allem die vielen Reparaturstellen. Das Boot muss folgleich über einen langen Zeitraum hinweg gepflegt und genutzt worden sein, vielleicht sogar über mehrere Generationen.

+++ Neue Vermessung der Chinesischen Mauer +++

Chinesische Mauer: 21.196,18 Kilometer durch 15 Provinzen

Chinesische Mauer: 21.196,18 Kilometer durch 15 Provinzen

Foto: Lintao Zhang/ Getty Images

Die Chinesischen Behörden haben eine neue Vermessung der Chinesischen Mauer veröffentlicht. Die Arbeiten daran begannen bereits im Jahr 2007. Demnach verläuft die Mauer auf 21.196,18 Kilometern durch 15 Provinzen, unabhängige Regionen und Gemeinden. Das Bauwerk setzt sich aus 43.721 einzelnen Architekturresten zusammen, darunter Mauerteile, Verteidigungsanlagen und andere Strukturen. Die Chinesische Mauer ist in Wahrheit keine Mauer, sondern eine Folge von Verteidigungsanlagen aus Stein, Ziegeln und Lehm, die von Ost nach West in etwa der historischen Nordgrenze Chinas folgt. Sie diente zum einen der Verteidigung gegen nomadische Stämme aus dem Norden, zum anderen aber auch dem Eintreiben von Zöllen und Steuern auf Waren, die auf der Seidenstraße nach China gelangten. Die ältesten Teile stammen aus dem 7. Jahrhundert v. Chr., der berühmteste Teil der Mauer wurde zwischen 220 und 206 v. Chr. vom ersten Kaiser Chinas, Qin Shi Huang, gebaut. Erst im 17. Jahrhundert, als das Mongolische Reich dem Chinesischen eingegliedert wurde, verlor die Chinesische Mauer an Bedeutung.

+++ Einblick in bulgarische Grabsitten +++

Bei den Skeletten mit verformten Köpfen, die bulgarische Ausgräber auf einem Friedhof nahe des Dorfes Martin in Nordmulgarien fanden, handelte es sich nicht etwa um Aliens. Es waren Angehöriges des bulgarischen Adels aus den frühen Tages des Reiches. Damals war es üblich, den Babies die Köpfe fest in Stoffbinden einzuwickeln und so die Schädel in die Länge zu drücken. Die Archäologen fanden den Friedhof bei Vorarbeiten zu einer Gasleitung zwischen Bulgarien und Rumänien. Die über 100 Gräber stammen aus der Zeit des Ersten Bulgarischen Königreiches. Die ältesten datieren aus dem 5. bis 4. Jahrhundert vor Christus. Unter den Toten ist auch ein Soldat, dessen abgetrennter Kopf zwischen seinen Beinen bestattet wurde. Auch Grabbeigaben wie Gold- und Silberschmuck oder Hunde bekamen die Toten mit in die Gräber.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.