Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Erschlagen, stranguliert, geköpft

In Brooklyn wird nach einem Massengrab gesucht, in England stoßen Forscher auf eine junge Dame mit einer merkwürdigen letzten Ruhestätte - und eine besonders übel zugerichtete Moorleiche. Archäologische Kurzmeldungen im Überblick.
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Archäologie: Begraben auf einem Holzbett

Foto: University of Cambridge

+++ Angelsächsische Prinzessin im Bett begraben +++

Zwischen 650 und 680 nach Christus starb in der Nähe des heutigen Cambridge eine 16-jährige angelsächsische Prinzessin. Offenbar war ihre Familie gerade zur neuen Religion übergetreten, die in diesen Jahren in England Einzug hielt: dem Christentum. Sie nähten dem Mädchen ein kostbares Kreuz aus Gold und Granatsteinen auf ihr Grabgewand. Doch so ganz hatten sie von den alten heidnischen Riten noch nicht Abschied genommen. Denn sie legten die Prinzessin nicht einfach in ein schlichtes christliches Grab, sondern auf ein hölzernes Bett. So wurden um die Mitte des 7. Jahrhunderts einige Frauen der angelsächsischen Elite beigesetzt, etwa 15 dieser Bestattungen sind aus England bekannt. "Das angelsächsische Wort "leger" kann sowohl Bett als auch Grab meinen", erklärt Altenglisch-Experte Richard Dance von der Cambridge University. "Etymologisch bedeutet es "Ort, an dem man liegt".

Das etwa dreieinhalb Zentimeter große Goldkreuz ist in der gleichen Technik gefertigt wie Schmuck und Waffenverzierungen aus heidnischen Begräbnissen dieser Zeit. Auf der Rückseite befinden sich vier Ösen, mit denen es an der Kleidung befestigt werden konnte. "Diese Ösen glänzen", erklärt Ausgräberin Alison Dickens. "Das bedeutet, dass sie lange gegen Stoff gescheuert haben - das Kreuz wurde also viel getragen." Nicht einmal ein Jahrhundert zuvor, im Jahr 597, hatte der Papst den Benediktinermönch Augustinus nach England geschickt, um die Angelsachsen zum Christentum zu bekehren. Die neue Religion fasste zuerst unter der herrschenden Elite des Landes Fuß - die Bauern hielten noch lange an ihren heidnischen Bräuchen fest. Vielleicht war die junge Frau auf dem Bett tatsächlich eine der ersten Vorkämpferinnen des Christentums auf der Insel.

+++ Massengrab in Brooklyn +++

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Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg: Soldatenfriedhof unter Brooklyn

Foto: Corbis

Unter Brooklyn liegen Leichen. Es sind die Überreste von 256 Soldaten aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Nach ihnen suchen mittlerweile mehrere Bürgerinitiativen. Die Männer starben am 27. August des Jahres 1776 in der Schlacht von Brooklyn - damals noch eine ländliche Gemeinde. Es war eine der ersten großen Schlachten des Krieges, in der die Briten auf die "Marylanders" trafen. Über die Hälfte dieses Regiments von 400 Rebellen fielen auf dem Schlachtfeld. Sie wurden von den siegreichen Briten nur notdürftig begraben. Immerhin machte sich jemand die Mühe, per Hand von der Lage des Massengrabes hastig eine Skizze anzufertigen. Nun hofft der Archäologe Chris Ricciari, in den britischen Militärarchiven noch weitere Hinweise zu finden. Mögliche Gräber werden an der Ninth Street zwischen den Third und Second Avenues sowie an der First Street bei der Carroll Street Bridge vermutet.

Die Zeit drängt, denn wahrscheinlich liegen die Toten in unmittelbarer Nähe des Gowanus-Kanals. Das brackige, mit Giftstoffen belastete Gewässer wird derzeit in einer kostspieligen und langwierigen Kampagne gesäubert und soll in den Uferzonen neu bebaut werden. Bei den Bauarbeiten könnten archäologische Reste für immer verschwinden. "Wir wollen, dass die Stadtentwickler vorsichtig vorgehen", fordert Eymund Diegel, Mitglied der Bürgervereinigung Proteus Gowanus. Doch ein solcher Fund könnte geplante Bauvorhaben gefährden: "Wenn wir die Maryland 400 tatsächlich entdecken, wäre das ein außergewöhnlicher Fund", sagt Lynn Rakos, Präsidentin der Professionellen Archäologen von New York City. "Dann würde die Stätte zum Bodendenkmal erklärt."

+++ Vulkanglas verrät Pilgerströme +++

Forscher Tristan Carter in Göbekli Tepe: Obsidianklingen aus Tempelanlage untersucht

Forscher Tristan Carter in Göbekli Tepe: Obsidianklingen aus Tempelanlage untersucht

Foto: Tristan Carter

Der Tempel von Göbekli Tepe ist die älteste bekannte Tempelanlage der Welt. Neueste Untersuchungen von Obsidianklingen von der Fundstelle haben nun gezeigt, von wie weit her sich die Menschen auf den Weg machten, um hier die Götter zu verehren. Eine Gruppe von Wissenschaftlern um den Anthropologen Tristan Carter von der McMaster University im kanadischen Hamilton suchte für rund 130 der Steinklingen die Ursprungsorte.

Obsidian ist ein vulkanisches Glas, dessen chemischer Fingerabdruck sich von Vulkan zu Vulkan unterscheidet. Carter fand die Ursprungsvulkane für die Obsidianklingen von Göbekli Tepe an so weit ab gelegenen Orten wie dem rund 500 Kilometer entfernten Kappadokien, dem 150 Kilometer weiter östlich gelegenen Vansee oder 500 Kilometer weiter im Nordosten des Landes. Bei diesen Entfernungen können die Menschen, die diese Klingen nach Göbekli Tepe brachten, durchaus verschiedene Sprachen gesprochen haben.

Für die Bestimmung führten die Forscher eine Reihe von chemischen Analysen durch, die Carter und sein Team auf der 7th International Conference on the Chipped and Ground Stone Industries of the Pre-Pottery Neolithic im spanischen Barcelona vortrugen. Die Ergebnisse sind erstaunlich genau - in manchen Fällen können die Wissenschaftler sogar sagen, von welcher Flanke des Vulkans das Gestein stammt.

+++ Gewaltsamer Tod im Moor +++

CT-Scan offenbart grausige Details: Worsley Man wurde geschlagen, stranguliert, geköpft

CT-Scan offenbart grausige Details: Worsley Man wurde geschlagen, stranguliert, geköpft

Foto: MAHSC/ Judith Adams

Das Kinderkrankenhaus von Manchester hatte neulich einen ungewöhnlichen Besucher. Zum einen war er mit 20 bis 30 Jahren schon lange kein Kind mehr - und zu helfen war ihm auch nicht mehr. Denn Worsley Man, wie die Moorleiche aus dem Salforder Torfmoor genannt wird, ist bereits seit rund 1900 Jahren tot. Brian Sitch, Kurator des Manchester Museum, brachte den Patienten, um mit moderner Technik das Rätsel seines Todes zu klären. Als die Röntgenärzte Worsley Man in den CT-Scanner schoben, sahen sie die Narben der grausigen Details seines Todes: Der Mann bekam zunächst heftige Schläge auf den Kopf, wurde dann stranguliert - und zuletzt geköpft. "Das war ein außerordentliches Maß an Gewalt", staunte Sitch, "vielleicht handelte es sich um einen Ritualmord." Bisherige Spekulationen zu seinem Tod beinhalteten einen Raubmord oder Menschenopfer. Worsley Man lebte zu einer Zeit, als die Römer weite Teile Britanniens besetzt hielten. Obwohl römische Soldaten in Chester und Manchester für Recht und Ordnung sorgen sollten, gab es in der Gegend also offenbar noch blutige Morde.

Ein ähnlich brutaler Fall ist aus dem nahen Cheshire Torfmoor bekannt. Der dort in Teilen gefundene Lindow Man lebte schon etwa 150 Jahre vor Worsley Man. Auch er wurde geschlagen, stranguliert - und abschließend wurde ihm noch die Kehle durchgeschnitten.

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