Ausgestopfte Dolly "Sie sieht toll aus"

Knapp zwei Monate nach seinem Tod kann das Klontier Dolly wieder Publikum empfangen. Ausgestopft steht das berühmteste Schaf aller Zeiten im Königlichen Museum zu Edinburgh.


Ausgestopfte Dolly (mit Schöpfer Wilmut): Schon zu Lebzeiten an Publikum gewöhnt
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Ausgestopfte Dolly (mit Schöpfer Wilmut): Schon zu Lebzeiten an Publikum gewöhnt

Der Nachruhm von Dolly ist gesichert: Als ausgestopfter Balg hat das weltberühmte Schaf, das am 14. Februar von seinen Schöpfern eingeschläfert worden war, Einzug in das Royal Museum in Edinburgh gehalten. Das tote Klontier reiht sich ein zwischen ägyptischen Mumien, heimischen Vögeln und allem, was den Schotten sonst noch als bewahrenswert erscheint.

"Sie sieht toll aus", befand eine Sprecherin des Museums, nachdem die nach allen Regeln der Kunst konservierte Dolly dort am Mittwoch enthüllt worden war. "Sie steht wieder auf allen Vieren, und ihr Kopf ist leicht zur Seite geneigt." Genauso habe das schon zu Lebzeiten an Publikum gewöhnte Schaf seine Besucher begrüßt, verriet die stolze Sprecherin.

Auch der Klonforscher Ian Wilmut, dessen Team das Schaf geschaffen hatte, war anwesend. Einerseits sei er stolz, dass Dolly nun im Museum zu bewundern sei, sagte der Wissenschaftler. Doch gleichzeitig sei er traurig über ihren Tod: "Es ist erst wenige Wochen her, dass sie lebendig in der Scheune stand." Nach den Hoffnungen Wilmuts soll das Schaf nun daran erinnern, welch wissenschaftlicher Fortschritt in Edinburgh erzielt wurde.

Dolly hatte am 5. Juli 1996 im Roslin Institute das Licht der Welt erblickt. Wilmut und seine Kollegen hatten zuvor die Euterzelle eines Schafs mit einer entkernten Eizelle verschmolzen. Die Geburt des ersten Säugetiers, das aus einer erwachsenen Zelle geklont worden war, wurde als wissenschaftlicher Durchbruch gefeiert. Zugleich aber löste sie Ängste aus, dass auch der Mensch auf diese Weise reproduziert werden könne.

Die Alterserscheinungen, an denen die sechsfache Mutter schon früh litt, riefen die Skeptiker erst recht auf den Plan - wie andere Klone erwies sich auch Dolly als krankheitsanfällig. Wegen eines schweren Lungenleidens gewährten die Schöpfer ihrem Schaf schließlich den Gnadentod. Das genaue Ergebnis der Autopsie ist noch nicht bekannt, soll aber in Kürze veröffentlicht werden.



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