Ausschlussverfahren Geograf will Bin Laden aufgespürt haben

Was CIA, NSA und das US-Militär nicht geschafft haben, will Thomas Gillespie gelungen sein: Er glaubt, den Aufenthaltsort Osama Bin Ladens gefunden zu haben. Der Geografie-Professor sagt: Der Qaida-Chef hat sich im pakistanischen Parachinar verschanzt.


Thomas Gillespie ist Professor für Geografie in Los Angeles. Normalerweise erforscht er Flora und Fauna der Erde von oben, schaut nach Wäldern, den Verbreitungsmustern von Vogelgemeinschaften und sorgt sich um bedrohte Arten und nachlassende Biodiversität. Satellitenbilder auszuwerten ist sein täglich Brot.

Osama Bin Laden: In Parachinar verschanzt?
AFP

Osama Bin Laden: In Parachinar verschanzt?

Als wäre das alles noch nicht spannend genug, hat Gillespie sich nun ein neues Betätigungsfeld ausgesucht: die Terroristenjagd. Und keinen Geringeren als Qaida-Chef Osama Bin Laden, den wohl meistgesuchten Mann der Welt, hat er für sein Debüt als Terroristenjäger ausgewählt.

Er wisse, wo der Top-Terrorist sich aufhält, sagt Gillespie. Der wahrscheinlichste Ort, wo der Qaida-Chef sich aufhalte, sei Parachinar in Pakistan.

"Im Ernst, wenn er noch am Leben ist, könnte er sich just in diesem Moment dort aufhalten", erklärte Gillespie in einer Mitteilung. "Es ist nach wie vor das sicherste Stammesgebiet (...) und das einzige, das die USA bisher nicht mit Hilfe ihrer unbemannten 'Predators' (Drohnen) bombardiert haben."

Sogar drei Gebäude haben Gillespie und sechs weitere Geografen als wahrscheinlichste Zufluchtsorte Bin Ladens ausgespäht.

In der Online-Ausgabe des Fachblatts "MIT International Review" veröffentlichten Gillespie und seine Kollegen die Ergebnisse der Suche.

Doch wie konnte den Geografen gelingen, was US-Geheimdienste und -Militärs seit acht Jahren nicht schafften?Indem sie sich mehr oder weniger in ihn hineinversetzten und nach und nach auf den Satellitenbildern Orte ausschlossen.

Welche früheren Aufenthaltsorte hatte er bereits? Wie sieht sein kultureller Hintergrund aus? Sein physisches Erscheinungsbild. Bin Laden ist laut Fahndungsplakaten 1,95 bis 2 Meter groß. Gebäude mit geringerer Deckenhöhe wurden also ausgeschlossen. Außerdem: Wo fällt er am wenigsten auf? Bei dem ganzen Ausschlussverfahren folgten die Experten nach eigenen Angaben der Theorie, dass dieses Ziel mit wachsender Entfernung von der heimischen Umgebung immer schwieriger zu erreichen ist.

Die Wissenschaftler berücksichtigten ferner unter anderem mit Blick auf Fluchtmöglichkeiten geografische Bedingungen, aber auch Faktoren wie Stromversorgung und die Höhe von Gebäuden.

Das Ergebnis: Die Stadt Parachinar könnte einen Mann von Bin Ladens überdurchschnittlicher Größe beherbergen und verfügt über Elektrizität - unerlässlich, wenn der Qaida-Führer tatsächlich krank und auf ein Dialyse-Gerät angewiesen sei, wie wiederholt spekuliert worden ist.

Gillespie als Leiter der Studie riet den US-Behörden, sich die besagten Gebäude möglichst bald näher anzuschauen - bevor es den afghanischen Taliban-Rebellen gelinge, die größere pakistanische Stadt Peschawar unter ihre Kontrolle zu bringen. Bin Laden könnte dann dort Unterschlupf suchen, warnte der Wissenschaftler - und er wäre dann schwerer zu finden.

Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass Bin Laden spätestens nach Veröffentlichung der Studie an einem Ort der Welt nicht mehr ist: Parachinar.

lub/dpa



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Seite 1
Galaxia, 19.02.2009
1. Intention
Was wen man ihn schon gefunden hat, es aber nicht publik machen will?
ayamo, 19.02.2009
2. Damned if you do ...
Meine Meinung: Go and get him. Aber um Himmels Willen bitte KEINE amerikanische Truppen hineinschicken ... die pakistanischen Stämme leben nach einem Ehrenkodex der einem Flüchtigen, der bin Laden ja quasi ist, Zufluchtsrecht verspricht. Wenn jetzt mit viel großartigen Bumm-Bumm die GIs dort einfallen wird das den Stämmen dort unten einem Schlag ins Gesicht und gegen ihre Ehre ansehen ... Die Situation ist schon zu verfahren um jetzt auch noch verbliebene neutrale Stämme in dieser Region in die Arme der Taliban zu treiben ... Auf der anderen Seite ist die Frage, ob die pakistanischen Militärs überhaupt willig sind bin Laden festzunehmen. Da habe ich heftigste Zweifel ... Blöde Situation für Obama: You're damned if you do, your damned if you don't.
Slang, 19.02.2009
3. Unverkäuflich
Wahrscheinlich ist der Verfasser der Studie mit seinen "Ergebnissen" an die Öffentlichkeit gegangen, nachdem er sie nicht an den US-Geheimdienst verkaufen konnte. Vielleicht sollte er es mal bei der NASA versuchen, die haben Geld auch für den letzten Quatsch. Oder er versuchts mal mit 'ner Unternehmensberatung.
ayamo, 19.02.2009
4. Nachtrag ...
Zitat von ayamoMeine Meinung: Go and get him. Aber um Himmels Willen bitte KEINE amerikanische Truppen hineinschicken ... die pakistanischen Stämme leben nach einem Ehrenkodex der einem Flüchtigen, der bin Laden ja quasi ist, Zufluchtsrecht verspricht. Wenn jetzt mit viel großartigen Bumm-Bumm die GIs dort einfallen wird das den Stämmen dort unten einem Schlag ins Gesicht und gegen ihre Ehre ansehen ... Die Situation ist schon zu verfahren um jetzt auch noch verbliebene neutrale Stämme in dieser Region in die Arme der Taliban zu treiben ... Auf der anderen Seite ist die Frage, ob die pakistanischen Militärs überhaupt willig sind bin Laden festzunehmen. Da habe ich heftigste Zweifel ... Blöde Situation für Obama: You're damned if you do, your damned if you don't.
Das alles natürlich unter der Prämisse, dass bin Laden tatsächlich dort ist. Aber ehrlich gesagt hab ich da auch Zweifel.
zenobit 19.02.2009
5. Strange
Zitat von sysopWas CIA, NSA und das US-Militär nicht geschafft haben, will Thomas Gillespie gelungen sein: Er glaubt, den Aufenthaltsort Osama Bin Ladens gefunden zu haben. Der Geografie-Professor sagt: Der al-Qaida-Chef hat sich im pakistanischen Parachinar verschanzt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,608729,00.html
Die Unfähigkeit die die Amerikaner bei der Aufspürung des "meist gesuchten" Terroristen bewiesen haben ist schon mehr als merkwürdig. Es gab zu Beginn des Krieges zahlreiche Hinweise auf den Aufenthaltsort des Topterroristen- Stichwort Tora Bora. Für ein Land mit so vielen bestens ausgestatteten Geheimdiensten kann es doch nicht so schwer sein einen Mann aufzuspüren! Wollten und wollen die Amerikaner vielleicht gar nicht ihren Erzfeind vernichten, da sie sich so ihres Feindbildes entledigen und der Krieg gegen den Terror sich nicht mehr so leicht begründen lässt? Es ist vielleicht besser die Angst-Karte immer mal wieder aus den Hut zaubern zu können...
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