Aussichtsreiche Tests Hoffnung auf Malaria-Impfstoff wächst

Erfolg im Kampf gegen Malaria. Die Krankheit tötet jährlich bis zu 2,7 Millionen Menschen, Impfstoffe sind in der Erprobung - der Kandidat RTS,S hat sich nun in einer neuen Studie an Kleinkindern bewährt. Eine entscheidende Hürde ist aber noch zu nehmen.


Malaria zählt zu den schlimmsten Infektionskrankheiten der Welt: Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an der Krankheit, berichtet die Weltgesundheitsorganisation WHO. Nun sind Wissenschaftler bei der Entwicklung eines großflächig einsetzbaren Malaria-Impfstoffes einen Schritt vorangekommen. Die Erprobung des Wirkstoffs RTS,S an Babys in Mosambik habe eine gute Wirkung gezeigt, heißt es in einer vorab vom Fachblatt "The Lancet" veröffentlichten Studie.

Malaria-Impfstoff RTS,S: Derzeit aussichtsreichster Kandidat
AFP/ DAARBY COMMUNICATIONS

Malaria-Impfstoff RTS,S: Derzeit aussichtsreichster Kandidat

Die Forscher impften für ihre Studie 214 Kleinkinder in Mosambik mehrmals in den ersten 18 Lebenswochen. Ein Teil der Kinder erhielt den Malaria-Testimpfstoff, ein anderer Teil einen Standardimpfstoff gegen die Gelbsuchtvariante Hepatitis B. Alle Probanden erhielten Routineimpfungen für Kleinkinder etwa gegen Diphtherie, Tetanus oder Polio. Im Beobachtungszeitraum von sechs Monaten konnten die Forscher keine Nebenwirkungen des Malaria-Impfstoffs entdecken. Damit bescheinigen sie der Impfung eine gute Verträglichkeit.

Blutproben der untersuchten Kinder zeigten, dass sich Antikörper gegen den Parasiten gebildet hatten. Im Studienverlauf erkrankten 68 Kleinkinder an Malaria: 22 Kinder trotz Malariaimpfung, 46 Kinder in der Kontrollgruppe ohne Malariaimpfung. In einer vorläufigen Berechnung bestimmten die Forscher daraus die Wirksamkeit des Impfstoffs auf 65 Prozent im Studienzeitraum.

Mehrere Impfstoffe in der Erprobung

Einen Impfstoff gegen Malaria gibt es derzeit nicht. Nach Auskunft des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin befinden sich zurzeit etwa zwei Dutzend ernstzunehmende Impfstoffe in der Erprobung. Der jetzt in Mosambik getestete Kandidat sei dabei am weitesten fortgeschritten. Der mögliche Impfstoff RTS,S habe in einem früheren Test aus dem Jahr 2004 an 2000 mosambikanischen Kindern im Alter von einem Jahr bis zu vier Jahren die Zahl schwerer Malaria-Erkrankungen in etwa halbiert, erläuterte der Infektionsepidemiologe Jürgen May vom Hamburger Tropeninstitut, das nicht an der "Lancet"-Studie beteiligt ist.

Der Erreger der Malaria, der einzellige Parasit Plasmodium falciparum, wird durch den Stich weiblicher Stechmücken der Gattung Anopheles von bereits infizierten Menschen auf gesunde übertragen. Kleine Kinder haben ein besonders hohes Risiko, an Malaria zu erkranken.

Im Kampf gegen die Krankheit wird derzeit vor allem auf Prävention gesetzt. Laut eines Unicef-Berichts, der heute veröffentlicht wurde, hat sich die Zahl der weltweit produzierten Moskitonetze von 2004 bis 2006 mehr als verdoppelt. Im Vorjahr wurden insgesamt 63 Millionen solcher Netze hergestellt, die nachts vor den Anopheles-Stechmücken schützen. Ziel ist es, bis 2010 eine Versorgung von 80 Prozent der Bevölkerung mit Netzen zu erreichen.

Das Ergebnis der neuesten Studie gibt nach Angaben der Autoren ein "starkes und positives Signal" für den Start der dritten und damit letzten Testphase. Dazu soll der Stoff gegen Ende des Jahres 2008 in mehreren afrikanischen Ländern an Testpersonen ausgegeben werden. Drei Testphasen sind für die Erprobung eines Impfstoffes notwendig, bevor er als sicher und wirksam gilt und auf den Markt gelangt. Der von dem Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline Biologicals entwickelte Wirkstoff RTS,S enthält Proteine aus dem Frühstadium des Parasiten Plasmodium falciparum, der Malaria auslöst. Die Proteine wurden einem erprobten Hepatitis-B-Impfstoff hinzugefügt. Ziel ist es, dass das Immunsystem gegen Hepatitis geschützt wird und zugleich den Malaria-Parasiten erkennt, nachdem dieser über einen Moskito-Stich in den Körper gelangt ist.

Impfstoff-Entwicklung kostete bisher 300 Millionen Dollar

GlaxoSmithKline hat nach eigenen Angaben 300 Millionen Dollar für die Entwicklung des Impfstoffes ausgegeben, an der auch die Universität Barcelona, das mosambikanische Gesundheitsministerium und die Universität Eduardo Mondlane sowie die PATH-Malaria-Impfstoff-Initiative (MVI) aus dem US-Bundesstaat Maryland beteiligt waren. Die MVI hatte 2005 von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung 107 Millionen Dollar erhalten. Bis zum Jahr 2011 will GlaxoSmithKline einen Impfstoff auf den Markt bringen.

Auch andere Pharmakonzerne arbeiten an Impfstoffen gegen Malaria. Am Montag hatte der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis verkündet, zusammen mit dem Pariser Institut Pasteur einen Impfstoff entwickeln zu wollen. Bei dem Institut Pasteur handelt es sich um ein großes französisches Pharmalabor. Auch die Oxford University und mehrere Partner arbeiten an einem Impfstoff gegen die Krankheit.

Auch der deutsche Biochemiker Peter Seeberger forscht an einem Impfstoff. Dazu hatte er ein Zuckermolekül nachgebaut, das den Parasiten für Menschen vermutlich erst so gefährlich macht. Dieses Molekül soll die Basis für den Impfstoff bilden - der im Mäuseversuch schon Erfolg zeigte. Allerdings scheiterten bereits einige in der Maus erfolgreiche Malaria-Impfstoffe beim Test am Menschen. Seeberger wurde für seine Impfstoff-Forschung mit dem Körber-Preis für Europäische Wissenschaft ausgezeichnet.

Doch der Impfstoff RTS,S muss sich nicht nur in Phase III beweisen, es ist auch noch zu klären, ob der Wirkstoff auch in anderen geographischen Regionen wirkt. "Wir haben bei Malariaimpfstoffen in den vergangenen Jahren viele Enttäuschungen erlebt", betonte May. So habe ein Kandidat, der sich in Südamerika als effektiv gezeigt habe, in Afrika nahezu gar nicht gewirkt.

lub/AFP/dpa/ddp



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