Feuersaison in Australien Diesen Anteil hatte der Klimawandel an den Buschbränden

Über die Frage, wie groß der Klimawandeleffekt bei den Buschfeuern in Australien war, wurde erbittert gestritten. Nun haben Wissenschaftler zum ersten Mal eine umfangreiche Analyse vorgelegt.
Buschbrände Anfang Januar: "Wir müssen unbedingt in Vorsorge und Anpassung investieren"

Buschbrände Anfang Januar: "Wir müssen unbedingt in Vorsorge und Anpassung investieren"

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DELWP GIPPSLAND/dpa

Die Buschfeuer in Australien zur Jahreswende waren eine nationale Katastrophe: Hunderttausende mussten ihre Häuser verlassen und verloren ihr Zuhause, Millionen Tiere starben, ganze Landstriche sind verkohlt. Die Aschewolken zogen über den Ozean bis nach Südamerika. Schon während der Brände entspann sich ein Streit über die Ursachen: Ist das noch normales Wetter oder sind die Feuer so extrem, weil sich das Weltklima ändert?

Forscher haben nun eine Antwort gefunden: Der menschengemachte Klimawandel erhöhte die Wahrscheinlichkeit für eine feuerfreundliche Wetterlage um mindestens 30 Prozent. Die Autoren der am Mittwoch veröffentlichten Studie arbeiten gemeinsam für die World Weather Attribution Group , ein Forscherverband unterschiedlicher Universitäten.

"Wir sind sicher, dass der Klimawandel das Risiko für 'Feuerwetter' um mindestens 30 Prozent erhöht hat", sagt Studienautorin Friederike Otto  von der University of Oxford dem SPIEGEL. "Unsere Methode hat aber auch gezeigt, dass die Klimamodelle den Trend von Temperaturextremen unterschätzen und damit auch der Anteil der Wahrscheinlichkeitsänderung im solchen Wetterlagen viel höher liegt - allerdings können wir das nicht quantifizieren."

Brände werden wahrscheinlicher

Wenn die globalen Temperaturen um zwei Grad steigen, könnten Brandwetterbedingungen in Australien wie zur Jahreswende 2019/20 vier Mal so häufig vorkommen, heißt es in der Studie. Um dem Zusammenhang zwischen Klimawandel und Wetter auf die Spur zu kommen, analysierten die Forscher große Datenmengen, wie Oberflächentemperaturen, Niederschlag und Windverhältnisse. Als Orientierung diente der Brandwetterindex, ein Maß für Wetterbedingungen, ähnlich dem deutschen Graslandfeuerindex, in denen Brände mehr oder weniger wahrscheinlich sind.

Laut den Forschern nimmt die extreme Trockenheit im Südosten Australiens insgesamt merklich zu. Das vergangene Jahr war laut Wetterdaten das trockenste seit 1900. Mithilfe von Wetterdaten und Klimamodellen verglichen die Forscher die aktuellen Bedingungen - mit rund ein Grad globaler Erwärmung - mit dem Klima um 1900. Die Wetterdaten zeigten, dass sich die australischen Feuerzeiten verlängert haben und intensiver geworden sind. An extrem heißen Tagen sei es heute durchschnittlich ein bis zwei Grad wärmer als noch vor hundert Jahren. Eine Hitzewelle, wie sie im Dezember 2019 in Südaustralien herrschte, sei aufgrund des Klimawandels mindestens zweimal wahrscheinlicher.

"Diese Zahlen mögen sich nicht dramatisch anhören, aber diese Feuersaison hat gezeigt, dass selbst in einem reichen und gut vorbereiteten Land wie Australien eine extreme Feuersaison die Menschen und Systeme an ihre Grenzen bringt", sagt Friederike Otto. "Wir müssen daher unbedingt in Vorsorge und Anpassung investieren."

Wie viel Klimawandel steckt im Wetter?

Sogenannte Attributionsstudien ermöglichen es Wissenschaftlern das inzwischen um ein Grad erwärmte Klima mit jenem Klima zu vergleichen, das ohne den Klimawandel herrschen würde. Attribution Science, zu Deutsch: Zuordnungswissenschaft, ist eine junge Disziplin. Sie ist eine Art Querschnittswissenschaft zwischen Meteorologie und Klimaforschung und nutzt Wetterdaten genauso wie Klimamodelle.

Forscher wie Friederike Otto können mit komplizierten mathematischen Rechenmodellen jedem Wetterereignis in etwa den Anteil zuordnen, der dem Klimawandel geschuldet ist. Sie kann das mit ihrem internationalen Team sogar ziemlich zeitnah errechnen. Die Brände in Australien sind erst wenige Wochen vorbei.

"In den letzten fünf Jahren hat die Forschung extreme Fortschritte in der Zuordnung von Extremereignissen gemacht", so die Attributionsforscherin Otto. "Wir können nun verschiedene Methoden gleichzeitig anwenden und so die systematischen Fehler in den Modellen und Daten finden." Die Ergebnisse seien deshalb mittlerweile sehr genau.