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10. Januar 2014, 16:36 Uhr

Haustier-Wunsch

Siebenjährige bekommt einen Drachen

Was könnte ein feuerspeiender Drache nicht alles leisten: umweltfreundlich Häuser wärmen oder eine neue Art Treibstoff liefern. Das zumindest dachten sich australische Wissenschaftler, als ein kleines Mädchen sich von ihnen einen Drachen wünschte. Jetzt bekommt sie sogar einen.

Einen echten feuerspeienden Drachen zu haben - das war der größte Weihnachtwunsch der kleinen Sophie. Also schickte die Siebenjährige aus dem australischen Brisbane einen Brief an die renommierte Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO): "Allerliebster Wissenschaftler", schrieb sie. "Mein Name ist Sophie und ich bin sieben Jahre alt. Mein Vater hat mir von den Wissenschaftlern der CSIRO erzählt. Wäre es möglich, dass Du für mich einen Drachen erschaffst?"

Sie werde ihn Toothless (Zahnlos) nennen, wenn es ein Mädchen sei und Stuart, wenn es ein Junge sei, schrieb Sophie. Toothless heißt in einem Kinderbuch ein Drache, der mit einem Wikinger befreundet ist, Stuart ist der Name von Sophies Vater. Sophie verspricht in dem Brief auch, sich gut um den Drachen zu kümmern. Sie werde ihn mit rohem Fisch füttern und nach der Schule mit ihm spielen.

Da kam eine einfache Absage natürlich nicht in Frage. "Danke für den Gedankentreibstoff, Sophie", antworteten die CSIRO-Forscher auf ihrer Webseite. "Wir werden das prüfen." Doch am Ende mussten die Wissenschaftler geschlagen geben: "Seit geschlagenen 87 Jahren sind wir nicht in der Lage, einen Drachen oder auch nur Dracheneier zu schaffen."

Keine Hilfe von Agamen und Libellen

So hätten sie mit einem Teleskop ein Tier beobachtet, das auf Englisch Bearded Eastern Dragon heißt. Nur handelt es sich dabei um keinen bärtigen Drachen aus dem Osten, sondern um die östliche Bartagame. Die kann zwar furchterregend aussehen, aber definitiv kein Feuer speien. Auch die Erforschung von Libellen (Englisch: Dragonfly) habe sie einem feuerspuckenden Drachen nicht näher gebracht, bedauern die Forscher, ebenso wenig wie die Messung der Körpertemperatur einer weiteren Agame namens Mallee Dragon. "Unsere Arbeit hat nie dazu geführt, Drachen der mythologischen, feuerspeienden Art herzustellen. Und dafür, Australien, entschuldigen wir uns."

Selbst ein Blick über den Ozean brachte die Forscher nicht weiter. So griffen sie in ihrer Antwort einen Artikel im "Scientific American" auf, in dem es darum ging, wie sich feuerspeiende Drachen - wenn es sie denn gäbe - entwickelt haben könnten. Und ob sie dann beispielsweise über einen ähnlichen Mechanismus verfügen würden wie der Bomardierkäfer, der eine kochend heiße, ätzende Flüssigkeit verschießen kann (wenn auch nur aus seinem Hinterteil).

Aber etwas Gutes konnten die Australier dem Ganzen dann doch abgewinnen: "Wir haben schon ein wenig über alternative Brennstoffe geforscht", schrieben sie. "Vielleicht ist Drachenbrennstoff ein gutes Gebiet, um unser Drachenforschungs- und Entwicklungsprogramm voranzubringen." Möglicherweise sei Drachenfeuer sogar emissionsarm.

Damit war die Geschichte allerdings noch nicht zu Ende. "Wir konnten nicht rumsitzen und nichts tun", schrieben die Wissenschaftler. Deshalb schufen sie dann doch noch den Drachen Toothless - mit Hilfe eines 3-D-Druckers. Der handliche blau-graue Drache aus Titan sei in einem Labor in Melbourne entstanden. Er befinde sich bereits auf dem Weg zu Sophie. "Titan ist sehr fest und leicht", ergänzten die Forscher. "Daher wird Toothless ein guter Flieger sein."

mbe/AFP

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