Baby-Gefühle Mami wird's warm ums Hirn

Als hätten wir's nicht schon gewusst: Nichts bringt Mütterherzen so zum Schmelzen wie der Anblick eines süßen Säuglings. Eine amerikanische Studie zeigt jetzt: Das eigene Baby bringt das Vorderhirn zum Glühen.


 Mutter und Kind: Leuchten im Gefühls-Gehirn
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Mutter und Kind: Leuchten im Gefühls-Gehirn

"Es gibt einen Reiz der universell positiv wirkt", sagt Neuropsychologe Jack Nitschke, "nämlich Babygesichter. Sie nur anzuschauen sorgt dafür, dass sich die meisten Leute, besonders junge Mütter, ganz warm und glücklich fühlen", so Nitschke. Die herzerwärmende Wirkung eines niedlichen Kindes hat sein Team jetzt auch mit einem Blick ins Gehirn junger Mütter nachgewiesen.

Bei der Studie an der University of Wisconsin-Madison wurden sechs junge Mütter mit ihren Kindern ins Labor eingeladen. Die Wissenschaftler schossen 150 Fotos von jedem der zwischen drei und fünf Monate alten Babys. Sechs Wochen später wurden die Mütter wieder ins Labor gebeten und sahen sich in einem Magnetresonanz-Scanner Bilder an: Solche vom eigenen Baby, von fremden Kindern und von bekannten und unbekannten Erwachsenen.

Während sie die Bilder betrachteten, waren die Mütter aufgefordert, ihre eigene Stimmung auf einer Skala zu beurteilen. Sahen sie Bilder vom eigenen Kind, fühlten sie sich nicht nur glücklicher, der Scanner zeigte auch eine erhöhte Aktivität im orbitofrontalen Kortex. Diese Hirnregion knapp über den Augäpfeln wird mit der emotionalen Bewertung von Reizen in Verbindung gebracht. Man nimmt an, dass Sinneseindrücke wie etwa Düfte dort als angenehm oder unangenehm bewertet werden.

Dass Selbsteinschätzung und Hirnaktivität konform gingen, freut Nitschke besonders: Das Ergebnis bestätige nicht nur, dass der orbitofrontale Kortex im Zusammenhang mit der Verarbeitung von Gefühlen steht, sondern deute auch darauf hin, dass er bei der Mutter-Kind Bindung eine Rolle spielt. Bei postnataler Depression würde in diesem Bereich vermutlich weniger Aktivität herrschen, vermutet Nitschke.

Als nächstes plant die Forschergruppe eine Untersuchung der Hirnaktivität frischgebackener Papas.



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