Baby trotz Chemotherapie Nachwuchs aus gefrorenen Eierstöcken

Erstmals hat eine Frau ein Baby zur Welt gebracht, der zuvor Eierstockgewebe transplantiert worden war. Ärzte hatten der Belgierin vor einer Chemotherapie das Gewebe entnommen und tiefgefroren, um es nach der Behandlung wieder einzusetzen.


Belgierin: Nach Transplantation Mutter
REUTERS

Belgierin: Nach Transplantation Mutter

Vor sieben Jahren musste sich eine damals 25-jährige Belgierin einer Chemotherapie unterziehen. Ärzte hatten bei ihr Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Eine starke Chemotherapie führt bei jungen Patientinnen in den meisten Fällen zu Unfruchtbarkeit, da bei ihnen nach der Behandlung verfrüht die Menopause einsetzt.

Deshalb entnahmen Mediziner der Frau vor Beginn der Behandlung Gewebe aus den Eierstöcken und lagerten es im Gefrierschrank. Vor knapp zwei Jahren setzte ein Ärzteteam um Jacques Donnez von der Université catholique de Louvain das Gewebe wieder ein. Elf Monate später wurde die Frau auf natürlichem Wege schwanger, berichtet Donnez im Fachmagazin "Lancet" (Ausgabe 364, Nr. 9440). Vor wenigen Tagen brachte sie ein gesundes 3720 Gramm schweres Mädchen zur Welt.

Der von den belgischen Medizinern beschriebene Fall ist die erste erfolgreiche Geburt nach einer Transplantation von tiefgekühlt aufbewahrtem Eierstockgewebe. Doch mancher Forscher zweifelt, ob die Angaben der belgischen Mediziner tatsächlich stimmen.

"Es ist nicht 100-prozentig klar, ob die Frau nur wegen der Behandlung schwanger geworden ist", gibt der Endokrinologe Kutluk Oktay von der New Yorker Cornell University zu bedenken. Drei Jahre nach der Chemotherapie sei es möglich, dass eine Patientin wieder auf natürliche Weise Eizellen produziere.

Die Wissenschaftler in Belgien hätten es versäumt, das transplantierte Gewebe täglich zu überprüfen, um festzustellen, ob die befruchtete Eizelle auch wirklich aus dem Transplantat gekommen sei.

Die Wissenschaftler der Université catholique de Louvain erklärten hingegen, es gebe mehrere Hinweise darauf, dass die Schwangerschaft nur mit Hilfe des transplantierten Gewebes möglich geworden sei. In dem verbliebenen Eierstockgewebe hätten sie nach der Chemotherapie keine Eizellen mehr entdecken können.

Im Frühjahr dieses Jahres hatte eine ähnliche Behandlung bei einer 30 Jahre alten Patientin mit Brustkrebs, die sich einer Chemotherapie unterzogen hatte, nicht zum Erfolg geführt. In diesem Fall hatten US-Ärzte die Eizelle jedoch künstlich befruchtet und den Embryo im Vier-Zellen-Stadium eingepflanzt. Die Frau wurde nicht schwanger. Bei künstlichen Befruchtungen liegen die Erfolgschanchen nur bei 20 bis 30 Prozent.



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