Basilika von Assisi Rätselhafter Teufel auf Fresken entdeckt

800 Jahre lang ist er dem Blick von Betrachtern entgangen, jetzt hat eine Kunsthistorikerin den Teufel entdeckt: Er steckt im Detail einer Freskenmalerei in der italienischen Basilika San Francesco von Assisi - und grinst.

DPA

Rom - Es ist tatsächlich gut versteckt, das Antlitz des Teufels. Der Blick des Betrachters muss sich in die Wolken versenken, den Kopf ein wenig nach links geneigt. Und dann ist sie plötzlich da: Die Fratze mit der spitzen Nase, dem strengen Kinn, dem bösen Grinsen - und den Hörnern. 800 Jahre lang haben Betrachter den Teufel in den Fresken der Basilika San Francesco im italienischen Assisi übersehen. Eine Kunsthistorikerin hat ihn nun entdeckt, wie der Franziskaner-Orden am Dienstag erklärte.

Die Historikerin Chiara Frugoni berichtete der Online-Ausgabe des italienischen Monatsmagazins "San Francesco" von ihrer Entdeckung des lebhaft gezeichneten Teufels. Das Gesicht ist weit oben in den Wolken im Fresko Nummer 20 versteckt, in einem Zyklus von Szenen über das Leben und den Tod von Franz von Assisi. "Es ist sehr gut sichtbar", sagte Chiara Frugoni der Presseagentur AP. "Man sieht nur, wovon man weiß, dass es da ist. Ich bin mir sicher, dass es jetzt jeder sehen wird."

Die Bedeutung muss nun noch genauer untersucht werden. Der Mönch Enzo Fortunato erklärte, im Mittelalter sei es weit verbreiteter Glaube gewesen, dass beim Tod eines Menschen zwei Figuren auftreten: ein Engel, der die Guten in den Himmel bringt und ein Teufel, der die Verdammten in die Tiefen der Hölle zieht.

Die Basilika San Francesco von Assisi ist die Grablegungskirche des Heiligen Franz oder Franziskus von Assisi, der 1226 als strenggläubiger Christ lebte und nach seinem Tod heiliggesprochen wurde. Ein Großteil der Fresken in der Oberkirche wurde höchstwahrscheinlich von Giotto gemalt, der 1266 bis 1337 lebte. Allerdings bezweifeln einige Kunsthistoriker die Herkunft und sehen andere Maler als Urheber.

Ein Gemäldezyklus in der Oberkirche stellt das Leben des Heiligen Franziskus dar. Die Oberkirche von San Francesco zählt zu den wichtigsten in der italienischen Kunstgeschichte. 1997 beschädigte ein schweres Erdbeben die Basilika. Mit aufwendigen Restaurierungsprozessen wurden die Fresken von Giotto und dem Maler Cimabue in jahrelanger Arbeit wieder hergestellt.

hei/dapd/Reuters/AP



insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
K_K_W 09.11.2011
1. Es kommt auf den Standpunkt des Betrachters an!
Die "Teufels-Interpretation" ist Schwachsinn, die angedeutete Darstellung in der Wolke zeigt vielmehr die Seele des Verstorbenen, die sich auf den Einzug in das Himmelreich, welches sich ihr öffnet, freut. So gesehen, ist das Detail jahrhundertelang nicht besonders erwähnenswert gewesen, weil es nicht spektakulär ist.
Tertinator, 09.11.2011
2. gebeut - gebeutelt oder gebeugt?
Möglicherweise haben die Historiker ähnlich gearbeitet wie der Korrekturleser… Abgesehen davon vermag ich zwar ein Gesicht, aber keine Hörner zu erkennen.
Gani, 09.11.2011
3. Und das heisst nun?
Das der Maler der Ansicht war, dass der Franz statt ins Penthouse, in den Heizungskeller gefahren ist? Warum sollte der Teufel sonst nach oben grinsen, wenn ihm Kundschaft entgeht? Das sieht doch eher nach einem "Ätsch-Bätsch! Den kriege ich!" aus.
Michael KaiRo 09.11.2011
4. Baphomet
Zitat von TertinatorMöglicherweise haben die Historiker ähnlich gearbeitet wie der Korrekturleser… Abgesehen davon vermag ich zwar ein Gesicht, aber keine Hörner zu erkennen.
Den zumindest kann jeder auf seinen Perso bewundern (Rückseite)
senfdazu 09.11.2011
5. Ist doch ganz....
...scharf gezeichnet...und 2 schwarze Hörner !! meine Herren, Sie brauchen eine Brille.....oder können Sie auch nicht die Vase von den zwei gesichtern unterscheiden ?
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