Bayern Archäologen entdecken Massengrab aus dem Dreißigjährigen Krieg

Münzen, Uniformbestandteile, Rosenkranzperlen: Vermutlich waren es französische Söldner, die in der Grabstätte in Bayern eilig verscharrt wurden. Rund 50 Skelette haben Archäologen nun entdeckt.


Nördlingen - Es muss ein Gemetzel gewesen sein. Am 3. August 1645 trafen am östlichen Rand des Nördlinger Rieses zwei Armeen aufeinander. Zwischen Nördlingen und Münchsmüster standen sich die französisch-hessisch-weimarischen Truppen unter Führung des Prinzen Condé und das kaiserlich-bayerische Heer unter General Franz Freiherr von Mercy gegenüber.

Rund 8000 Soldaten überlebten den Kampf nicht; auch Mercy starb. Es war eine von zahllosen Schlachten des Dreißigjährigen Krieges, blutig und brutal. Am Ende konnte sich die französisch-weimarisch-hessischen Streitmacht unter Condé durchsetzen.

Doch der Sieg war teuer erkauft, zahlreiche Soldaten fanden den Tod. Dort wo am Tag der Schlacht der rechte Flügel der französischen Truppen gestanden hatte, der nahezu vollständig von den kaiserlichen Truppen aufgerieben wurde, haben Archäologen nun ein Massengrab gefunden. Die Fachleute hatten das Gebiet wegen eines geplanten Pipelinebaus untersucht. In dem Grab fanden sie unter anderem französische Münzen, Rosenkranzperlen und Uniformbestandteile.

Es ist erst das zweite bekannte Massengrab aus dieser Zeit. Ein erstes war im vergangenen Jahr im brandenburgischen Wittstock entdeckt worden. Dort hatten Beschäftigte einer Kiesgrube Knochenteile gefunden.

Nach Ansicht von Archäologen handelte es sich um die Überreste von 50 Menschen, die bei einer Schlacht im Oktober 1636 den Tod gefunden hatten. Damals hatten 40.000 schwedische und sächsische Truppen am Scharfenberg gegeneinander gekämpft; mehr als 6000 von ihnen waren ums Leben gekommen.

chs/ddp/dpa



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