Beginn der Eisenzeit Außerirdisches Eisen im Pharaonengrab

Härter als alles und wertvoller als Gold: Alte Ägypter und Hethiter klaubten Meteoriten aus der Wüste, um an das begehrteste Metall ihrer Zeit zu kommen - Eisen. Weil es frühen Hochkulturen an Hochöfen mangelte, stammt das Eisen im Grab des Pharaos Tutanchamun aus dem Weltall.
Von Joachim Schüring

Kaum eine Errungenschaft längst verschwundener Kulturen erstaunt heute noch so wie die Entdeckung und Verarbeitung des Eisens. Auch wenn das Metall wie kein anderes unser tägliches Leben bestimmt, können sich die wenigsten von uns vorstellen, wie sich aus einem unscheinbaren Gesteinsbrocken ein Nagel herstellen lässt.

Dabei verstand man sich, als im 2. Jahrtausend v. Chr. die Eisenzeit begann, bereits auf die Metallverarbeitung. Schon seit 6000 Jahren hatten die Menschen Anatoliens seinerzeit Erfahrung in der Bearbeitung von Gold, Silber – und vor allem Kupfer. Allerdings waren diese Metalle weich, leicht zu schmieden und – am wichtigsten – kamen in der Natur in gediegener, also chemisch elementarer Form vor. Sie waren einfach zu erkennen und konnten leicht abgebaut und weiterverarbeitet werden.

Doch gediegene Metalle sind selten. Meist sind sie Teil einer chemischen Verbindung. Diese Erze können vom begehrten Element so verschieden sein wie Tafelsalz von seinen beiden Bestandteilen Natrium und Chlor. Dennoch vermochte man schon in der Kupfersteinzeit am Ende des Neolithikums zu verhütten – auch andere Metalle, Blei etwa. Deren Erze wurden mit Holzkohle erhitzt, wobei es zu einer chemischen Reaktion kam und schließlich das flüssige Metall aus dem Ofen floss. Als dabei gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. das Zinn entdeckt wurde, war auch die Bronze erfunden und löste die erste industrielle Revolution der Geschichte aus.

Wenngleich die Hitze in den Öfen jener Zeit lange nicht ausreichte, um auch Eisen zu schmelzen, war es durchaus nicht unbekannt. Es war buchstäblich vom Himmel gefallen. Während das Metall auf der Erde nämlich vom Sauerstoff nicht lassen kann und deshalb – abgesehen von einigen Ausnahmen infolge ungewöhnlicher geologischer Umstände – in seiner elementaren Form nicht vorkommt, gibt es im Weltall keinen freien Sauerstoff und somit auch metallisches Eisen.

Ab und zu kreuzt ein größerer Brocken die Bahn der Erde um die Sonne und überlebt den glühenden Flug durch die Atmosphäre. In Deutschland etwa besteht statistisch gesehen zwei-, dreimal im Jahr die Gefahr, dass einem ein Meteorit von Faustgröße aufs Dach fällt. Einige davon bestehen aus beinahe purem Eisen.

Im Lauf der Zeit kann sich so einiges ansammeln. Insbesondere in den Wüstengebieten lassen sich die Boten aus dem All – die auf den ersten Blick aussehen wie normale Steine – anhand ihres großen Gewichts recht einfach finden. Die in Anatolien ansässigen Hethiter nannten das Metall denn auch treffend "Eisen aus dem Himmel" – und schätzten es mehr als Gold und Silber.

Um irdischen Erzen das Metall zu entziehen, bedarf es hingegen einigen Aufwands. Vermutlich hatte ein Bronzegießer im Gebiet des heutigen Anatolien irgendwann im 2. Jahrtausend v. Chr. bei der Beschickung seines Ofens zufällig einige Brocken Eisenerz hineingeworfen und beobachtet, dass sich bei besonders hohen Temperaturen eine schwammartige Schlacke bildete, die sich mit dem Schmiedehammer bearbeiten ließ.

Die Zeit war gerade recht, denn vielerorts wurde das Zinn knapp, das zusammen mit Kupfer Bronze ergibt. Und so sollten jene Rennöfen (ihren Namen haben sie vom "Rinnen" der Schlacke) über zweitausend Jahre lang, bis ins Mittelalter, die einzige Möglichkeit sein, Eisen zu produzieren. Schmelzen konnte man es darin nicht, denn dafür reichten die Temperaturen von rund 1300 Grad Celsius nicht aus. Das Metall war vielmehr in der Schlacke gebunden, die von dem Schmied vor der Weiterverarbeitung ihrerseits mehrfach erhitzt werden musste.

Den Hochofen, mit dem man seine Schmelztemperatur von gut 1500 Grad Celsius erreichen konnte, erfand man in Europa erst im 13. Jahrhundert. Die Chinesen vermochten dies hingegen schon während der Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.)

Außerirdisches Eisen im Grab des Pharaos - das Metall für die oberen Zehntausende war wertvoller als Gold und Silber. Moses verhieß es den Israeliten, als er sie durchdie Wüste führte

Anfangs war das neue Metall nur für die oberen zehntausend bestimmt. Im Grab des Pharaos Tutanchamun etwa fand sich ein Dolch aus extraterrestrischem Eisen. Und im Alten Testament verheißt Moses seinem Volk der Israeliten am Ende des Auszugs aus Ägypten: "Ein Land, da du Brot genug zu essen hast, da dir nichts mangelt; ein Land, des Steine Eisen sind, da du Erz aus den Bergen hauest."

Es dauerte nicht lange, da trieben insbesondere die Hethiter die Technik zur Perfektion. Sie waren es auch, die erkannten, dass Eisen, das mit viel Holzkohle gewonnen wurde, härter, zäher und flexibler war. Schriften aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. beweisen, dass man bereits "schlechtes" von "gutem" unterschied – ordinäres Eisen nämlich von dem durch den Kohlenstoff gehärteten Stahl.

Letztlich verhalf erst diese Legierung dem Element zu seinem endgültigen Durchbruch. Denn erst mit Stahl konnten Waffen gebaut werden, die denen aus Bronze überlegen waren. Waffen, die fortan eine ganze Industrie beschäftigten – und die Grundlage waren für die zweite industrielle Revolution der Menschheit.

Die hethitischen Aufzeichnungen aus jener Zeit belegen, wie aus dem Luxusgut ein Allerweltsmaterial wurde – und zeugen von der ersten großen Aufrüstung der Geschichte. Speerspitzen, Messer, Keulen und Äxte wurden in Serie gefertigt. Zugleich ging die Kunst der Eisenherstellung auf Reisen. Im 5. Jahrhundert v. Chr. war sie bereits im ganzen Mittelmeerraum bekannt, wenig später in ganz Europa.

Eisenerz jedenfalls gab es genug. Insbesondere das so genannte Raseneisenerz war weit verbreitet. Seinen Namen verdankt es dem Umstand, dass es vielerorts nur wenig unter der Grasnarbe ausgedehnte Krusten bildet. Es entsteht, wenn Grundwasser in Kontakt mit der Luft kommt, woraufhin das im Wasser gelöste Eisen ausfällt und den Untergrund mit dem rostroten Erz verbackt. In Deutschland wurden die meisten Vorkommen bis ins Mittelalter so weit abgebaut, dass das wenige, was bis heute erhalten blieb, unter Schutz steht. Nur Ortsnamen wie Isernhagen oder Iserbrook zeugen noch von der einstigen Bedeutung.

Dass das Eisen seinen rasanten Aufstieg vor allem den Kriegsherren verdankte, prangerte übrigens schon der römische Gelehrte Plinius der Ältere (um 23–79) an. Für ihn war das Metall das "sittenloseste Ding, welches dem menschlichen Geist entsprang". Einerseits würde man mit dem "exzellentesten und perversesten Geschenk" pflügen, Bäume pflanzen und Häuser bauen und andererseits damit Kriege führen. "Nicht die Natur trägt Schuld daran, sondern allein der Mensch."

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