Belohnung im Hirn Drogen machen Männer leichter süchtig

Aufputschmittel verursachen in Männerhirnen eine viel stärkere Belohnungsreaktion als bei Frauen. Das erklärt nach Ansicht von Forschern nicht nur, warum mehr Männer Amphetamin-abhängig sind, sondern auch, warum Parkinson oder Schizophrenie Männer häufiger und schwerer treffen. 

Männer gehen seltener zum Arzt, horchen weniger in ihren Körper hinein und legen tendenziell ungesünderes Freizeit-, Ess- und Trink-Verhalten an den Tag als Frauen. Auch zum Drogenkonsum scheint das männliche Gehirn seinen Besitzer viel eher zu ermuntern als das weibliche. Auf die Droge Speed - ein Aufputschmittel - etwa reagieren Männer bis zu dreimal heftiger als Frauen, fanden US-Wissenschaftler jetzt im Experiment hinaus.

Dazu kontrollierte das Team um Gary Wand von der Johns Hopkins University den Ausstoß des Botenstoffs Dopamin im Belohnungszentrum des Gehirns. Bei 28 Männern und 15 Frauen - alle körperlich gesund, psychologisch stabil und keine Drogenkonsumenten - überprüften die Forscher die Menge der Dopamin-Rezeptoren im Gehirn. Sie war bei allen Teilnehmern gleich groß. Die Ausgangsbedingungen für den Empfang von Signalen durch Dopamin - auch  "Freudenmolekül" genannt - waren also vergleichbar.

Doch nachdem alle Probanden eine Dosis Amphetamin gespritzt bekommen hatten, die der einer üblichen Portion der Droge Speed entsprach, konnten die Wissenschaftler einen Unterschied beobachten: Männliche Testteilnehmer hatten deutliche größere Dopamin-Ausschüttungen in drei von vier Bereichen des Belohnungszentrums als ihre weiblichen Mitprobanden. Der physiologische Effekt der Droge war bei den Männern stärker - und prompt stuften sie bei einer anschließenden Befragung die positiven Effekte des Speed-Konsums höher ein, als die Frauen es taten.

Verbindung zu Krankheiten wie Parkinson

"Je größer der Dopamin-Ausstoß, desto größer die Bestärkung", sagte Wand. Die Reaktion des Gehirns motiviere Männer eher als Frauen dazu, die Droge wieder zu nehmen. Das sei auch eine Erklärung dafür, dass Ampethamin-Anhängigkeit bei Männern weiter verbreitet sei, schreiben Wand und seine Kollegen in einem Artikel, der in der Juli-Ausgabe des Fachblatts "Biological Psychiatry" erscheinen soll.

Der Neuroendokrinologe Dean Dluzen von der Northeastern Ohio University hatte bereits einen weiteren Zusammenhang zwischen der Dopamin-Ausschüttung und Krankheiten wie Parkinson, dem Tourette-Syndrom und Schizophrenie hergestellt. Auch diese Leiden betreffen Männer häufiger und stärker als Frauen, schreibt das Online-Wissenschaftsmagazin "ScienceNow".

Dluzen hatte nachgewiesen, dass bei an Parkinson erkrankten Mäuse-Männchen die Gehirnschäden im Verlauf der Krankheit stärker waren als bei ebenfalls erkrankten Weibchen. Parkinson wird auf einen Mangel des Botenstoffs Dopamin im Striatium, dem Belohnungszentrum des Gehirns, zurückgeführt.

Das Experiment von Gary Wand und seinen Kollegen aus Baltimore sei ein "ziemlich starker Hinweis" darauf, dass die Ergebnisse seiner eigenen Maus-Experimente auch auf Menschen übertragbar seien, sagte Dluzen.

stx