Stockholm Nobelpreis für Chemie geht an deutschen Forscher

Die Schwedische Akademie der Wissenschaften vergibt den Chemie-Nobelpreis in diesem Jahr an den Frankfurter Benjamin List und den Briten David MacMillan. Sie werden für ihre Arbeiten zum Aufbau von Molekülen ausgezeichnet.
Nobelpreisgewinner List und MacMillan (v.l.)

Nobelpreisgewinner List und MacMillan (v.l.)

Foto:

Niklas Elmehed / Nobel Prize Outreach

Der Nobelpreis für die Entwicklung der mRNA-Impfstoffe für die Bekämpfung der Corona-Pandemie ist in diesem Jahr ausgeblieben. Ausgezeichnet werden der deutsche Chemiker Benjamin List und der Brite David MacMillan. Die beiden erhalten den Preis für die Entwicklung der asymmetrischen Organokatalyse.

Durch den Aufbau von Molekülen hat die Arbeit der Forscher ein Werkzeug ermöglicht, das beispielsweise bei der Medikamentenentwicklung eingesetzt wird. Zudem habe es die Chemie umweltfreundlicher gemacht, hieß es zur Begründung.

List stammt aus Frankfurt am Main und ist Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. David MacMillan arbeitet an der Princeton University in den USA.

»Ich habe das absolut nicht erwartet. You made my day, today«, sagte der zu der Verkündung in Stockholm zugeschaltete List. Er befindet sich derzeit mit seiner Frau im Urlaub in Amsterdam und war gerade beim Frühstück, als ihn der Anruf aus Stockholm erreichte. »Ich dachte, jemand macht einen Witz«, sagte er.

List begann vor mehr als 20 Jahren mit der Erforschung von Katalysatoren. Sie sind ein grundlegendes Werkzeug der Chemie, um Reaktionen zu steuern und zu beschleunigen. Aber lange gingen Forscher davon aus, dass es nur zwei Arten von Katalysatoren gibt: Metalle und Enzyme. Im Jahr 2000 entwickelten List und MacMillan unabhängig voneinander eine dritte Art der Katalyse, die auf kleinen organischen Molekülen aufbaut, die sogenannte asymmetrische Organokatalyse. Solche organischen Katalysatoren bestehen aus einem Gerüst aus Kohlenstoffatomen, an das sich andere chemische Gruppen anlagern. Diese enthalten oft gemeinsame Elemente wie Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel oder Phosphor – eine kostengünstige wie auch umweltfreundliche Methode.

Seit den ersten Schritten der Forscher hat sich die Technik rasant weiter entwickelt. »Damals waren wir Millionen Mal weniger effizient«, sagte List. Inzwischen wird die Methode auch zur Steuerung von allen möglichen Reaktionen verwendet. Neben Anwendungen in der Pharmaindustrie können auch Moleküle entwickelt werden, die Licht in Solarzellen einfangen.

Im vergangenen Jahr war die Auszeichnung an die Französin Emmanuelle Charpentier und die US-Wissenschaftlerin Jennifer Doudna gegangen. Sie hatten die sogenannte Gen-Schere Crispr-Cas9 entwickelt. Insgesamt wurden seit 1901 bisher 112 Nobelpreise in der Kategorie Chemie vergeben. Maximal können pro Jahr drei Personen ausgezeichnet werden. Bisher hatten den Preis sieben Frauen erhalten. Der britische Biochemiker Frederick Sanger bekam ihn zweimal, 1958 und 1980.

Am Dienstag war der Physik-Nobelpreis genau wie im letzten Jahr an einen Deutschen vergeben worden. Der Hamburger Klimawissenschaftler Klaus Hasselmann erhielt die Auszeichnung zusammen mit dem in den USA forschenden Japaner Syukuro Manabe und dem Italiener Giorgio Parisi für ihren Beitrag zur Klimaforschung und die Entwicklung von komplexen Klimamodellen.

Zehn Millionen schwedische Kronen

Bereits am Montag waren die Nobelpreisträger für Medizin bekannt gegeben worden. Diese Auszeichnung geht diesmal an David Julius (USA) und den im Libanon geborenen Ardem Patapoutian. Die beiden Forscher haben Zellrezeptoren entdeckt, über die Menschen Temperaturen und Berührungen wahrnehmen. Der Nobelpreis für Literatur wird am Donnerstag vergeben, am Freitag der Friedensnobelpreis und am Montag die Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften.

Wie im Vorjahr sind die Nobelpreise mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 980.000 Euro) pro Kategorie dotiert. Verliehen werden die prestigeträchtigen Nobelmedaillen traditionell am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel.

joe
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.