Berufstätige Mütter Kinder, Job und Partner halten Frauen gesund

Frauen, die sich richtig viel aufladen, haben die besten Chancen auf gute Gesundheit. Britische Forscher fanden beim Vergleich von 1200 Frauen heraus: Hausfrauen neigen am ehesten zu Übergewicht und Unwohlsein.


Die Countrysängerin Tammy Wynette ("Stand by your man") wusste es: "Sometimes it's hard to be a woman" - manchmal ist es schwer, eine Frau zu sein. Noch schwerer ist es, könnten britische Forscher hinzufügen, eine gesunde Frau zu sein. Denn ausgerechnet die Doppelbelastung von Kind und Karriere bietet statistisch die besten Chancen auf gute Gesundheit. Das geht aus einer Langzeitstudie hervor, deren Ergebnisse nun im "Journal of Epidemiology and Community Health" veröffentlicht wurde.

Mutter mit Kindern: Je mehr Aufgaben, desto höher ist die Chance auf gute Gesundheit
DDP

Mutter mit Kindern: Je mehr Aufgaben, desto höher ist die Chance auf gute Gesundheit

"Diese Studie zeigt, dass Frauen, die Berufstätigkeit, Mutterschaft und Partnerschaft unter einen Hut bringen, am gesündesten sind", sagte Anne McMunn vom University College London. Das Forscherteam hatte die Daten von 1171 Frauen verglichen. Die Probandinnen hatten im Alter von 26 und 54 Jahren an einem Gesundheitscheck teilgenommen. Alle zehn Jahre mussten sie darüber hinaus per Fragebogen Auskunft über ihren Familienstand, Kinder und Beschäftigungsverhältnisse geben. Ihr Gewicht und ihre Körpergröße wurden in regelmäßigen Abständen gemessen - und die Frauen wurden nach ihrem Wohlbefinden befragt.

Der Auswertung dieser Daten zufolge waren jene Teilnehmerinnen am zufriedensten mit ihrer Gesundheit, die in ihrem Leben sowohl die Rolle der Partnerin als auch der Mutter und der Berufstätigen ausgefüllt hatten.

Dagegen klagten ihre Geschlechtsgenossinnen, die sich ihr Leben lang - oder zumindest die meisten Jahre - nur um Haus und Familie gekümmert hatten, am häufigsten über Krankheiten. Reine Hausfrauen brachten auch das durchschnittlich höchste Gewicht auf die Waage. Der Studie des britischen Medical Research Council zufolge waren 38 Prozent der Nur-Hausfrauen fettleibig, aber nur 23 Prozent der berufstätigen Ehefrauen und Mütter.

Am wenigsten gesund waren jene Probandinnen, die lange Zeit oder immer die Rolle der Hausfrau inne hatten, gefolgt von alleinerziehenden Müttern und kinderlosen Frauen. "Die Botschaft lautet, dass langfristig die gesundheitlichen Vorteile jenen kurzfristigen Stress aufwiegen, dem berufstätige Mütter ausgesetzt sind", sagte McMunn.

Die Wissenschaftlerin sagte, bessere Gesundheit sei die Folge von Berufstätigkeit gewesen, nicht die Voraussetzung dafür, überhaupt mehrere Rollen gleichzeitig auszuüben.

Cary Cooper, Professor für Organisationspsychology an der University of Lancaster, sagte der BBC, diese Ergebnisse seien allerdings keine Ausrede für Männer, sich vor Mithilfe im Haushalt und bei der Kindererziehung zu drücken.

stx/dpa



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