Bestohlene Mumie Ramses' Haare im Internet angeboten

2000 Euro sollten die Haare von Ramses II. kosten, Echtheitsbeweis inklusive: Dieses Angebot tauchte auf einer französischen Internetseite auf. Archäologen sprechen von einem Skandal. Die Polizei hat bereits einen Verdächtigen festgenommen - einen Briefträger.


Die roten Haarsträhnen haben Archäologen in Aufregung versetzt und die französische Polizei einen Briefträger festnehmen lassen: Der 50-Jährige wird verdächtigt, Haare des ägyptischen Pharaos Ramses II. gestohlen und auf einer Internetseite zum Verkauf angeboten zu haben. Nun droht dem Mann ein Verfahren wegen Hehlerei.

Dubioses Internet-Angebot: "2000 € - Verkauf von Haarsträhnen der Mumie Ramses II."

Dubioses Internet-Angebot: "2000 € - Verkauf von Haarsträhnen der Mumie Ramses II."

Nach Angaben der Polizei in Grenoble wurde der Mann aus Saint-Egrève am Dienstagabend gefasst; heute werde er weiter verhört. Zudem beschlagnahmte die Polizei mehrere kleine Plastiksäckchen mit winzigen Haar- und Stoffproben von maximal einem Zentimeter Länge, die von Ramses II. stammen sollen.

In einem Angebot auf dem Internetportal Vivastreet.fr hatte der Verdächtige erklärt, im Besitz der Haarsträhnen zu sein - weil sein Vater einer französischen Wissenschaftlergruppe angehört habe, die den Zustand der Ramses-Mumie untersucht habe. Pro Säckchen hatte der zunächst unbekannte Anbieter mindestens 2000 Euro verlangt und dabei auch Gutachten zur Echtheit der Haare versprochen. Zusätzlich wurden noch Harz und Binden zur Einbalsamierung angeboten.

"Wenn das wahr ist, ist es ein Skandal", sagte der französische Archäologe Christian Leblanc in Kairo. Er ist einer der besten Kenner von Ramses II. und habe mit einem Kriminalpolizisten gesprochen, der mit dem Fall beauftragt sei.

Aber ist das alles vielleicht nur ein Scherz? Stammen die Strähnen womöglich gar nicht vom Haupt des Ramses' II.? Unglücklicherweise könnte es sein, dass die Stücke authentisch sind, sagte Leblanc. Fotos von Ramses II. zeigen, dass die Leiche auch nach 3200 Jahren noch Haare auf dem Kopf hat.

Die Mumie von Ramses II., der von 1279 bis 1213 vor Christus herrschte, war seit 1902 im Ägyptischen Museum in Kairo gelagert, wo sie immer mehr verfiel. Deswegen wurde sie 1976 zur Konservierung für mehrere Monate nach Frankreich überführt. Zahlreiche französische und ägyptische Wissenschaftler untersuchten damals die Königsmumie in einem speziell ausgestatteten Labor. Auch der Vater des nun festgenommenen Briefträgers soll dabei gewesen sein.

fba/AFP



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