Biochemie im Hirn Warum Frauen häufiger unter Stress leiden

Frauen sind für Stress anfälliger als Männer - und vermutlich können sie gar nichts dafür. Denn wie Forscher jetzt bei Ratten herausgefunden haben, reagiert das weibliche Gehirn sensibler auf die Ausschüttung von Stresshormonen.

Burnout bei Frauen: Hohe Anforderungen im Berufsleben sind häufig die Ursache
DAK / Wigger

Burnout bei Frauen: Hohe Anforderungen im Berufsleben sind häufig die Ursache


Eigentlich sind Stressreaktionen ein sinnvoller Mechanismus, der überlebenswichtig sein kann: In gefährlichen Situationen versetzen sie den Körper innerhalb kürzester Zeit in einen Zustand höchster Anspannung. Die Herzfrequenz erhöht sich, die Atmung geht schneller, die Muskeln sind angespannt. Dadurch kann der Mensch oder das Tier sofort zum Angriff übergehen, erstarren oder die Flucht ergreifen - je nachdem, was die Situation erfordert.

In unserer heutigen Leistungsgesellschaft hat Stress meist andere Ursachen - und er nimmt stetig zu, schließlich wird immer mehr Leistung in einer immer höheren Geschwindigkeit gefordert. Zu viel Stress hat bekanntermaßen körperliche und psychische Folgen. Herzprobleme, Kopf-und Rückenschmerzen sowie Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen sind nur einige davon. Dabei sind Frauen deutlich häufiger von Angststörungen und Depressionen betroffen als Männer. Forscher vom Children's Hospital of Philadelphia haben jetzt eine mögliche Erklärung dafür gefunden.

Demnach können Frauen vermutlich gar nichts dafür, wenn sie häufiger gestresst sind als Männer: Wie Rita Valentino und ihre Kollegen im Fachmagazin "Molecular Psychiatry" berichten, unterscheiden sich die biochemischen Vorgänge, die in Stresssituationen im Gehirn ablaufen, je nach Geschlecht deutlich voneinander. Das weibliche Gehirn reagiert demnach nicht nur sensibler auf die Ausschüttung von Stresshormonen, sondern es bleibt auch der Gewöhnungseffekt aus, der im männlichen Hirn bei dauerhaft hohem Stresspegel eintritt.

Allerdings haben die Wissenschaftler dieses Phänomen bisher nur bei Ratten untersucht. Ob ihre Erkenntnisse auf den Menschen übertragbar seien, müsse noch untersucht werden.

Frühere Studien hatten bereits Hinweise darauf geliefert, dass bei Menschen mit psychischen Störungen, die im Zusammenhang mit Stress stehen, die Regulation des sogenannten Corticotropin Releasing Factor (CRF) nicht richtig funktioniert. Dieses Hormon wird im Zwischenhirn gebildet, wenn dort Informationen über Stress einlaufen. Zudem ist CRF für die Bildung weiterer Hormone und somit für die Stressreaktion von entscheidender Bedeutung.

Valentino und ihre Kollegen setzten sowohl männliche als auch weibliche Ratten unter Stress, indem sie die Tiere schwimmen ließen. Davor und danach untersuchten sie, wie die CRF-Moleküle an die CRF-Empfangsstellen im Gehirn andockten.

Dabei machten sie zwei Beobachtungen: Zum einen ist die Bindung zwischen CRF und seinen Rezeptoren im weiblichen Gehirn wesentlich enger. Zum anderen tritt im männlichen Hirn bereits kurz nach dem Stresserlebnis ein Gewöhnungseffekt ein, der im weiblichen Hirn erst wesentlich später stattfindet: Die Zellen bauen einen Teil der CRF-Rezeptoren ab, wodurch die Stressreaktion deutlich schwächer wird. Deshalb empfiehlt Valentino: "Pharmakologen, die CRF-Antagonisten als medikamentöse Behandlungsmöglichkeit bei Depressionen untersuchen, sollten diese geschlechtsspezifischen Unterschiede berücksichtigen."

cib/dpa



insgesamt 72 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
pu_king81, 16.06.2010
1. Frauen koennen also nix dafuer
Trotzdem muss ne Quote her dass oben mindestens gleichviel Frauen sitzen wie Maenner. Angefasst duerfen sie dann natuerlich nur mit Samthandschuhen. Der Mann hingegen, ja der ist boese von Natur aus: bei ihm wird ja mehr Testosteron ausgeschuettet. Oxytocin muss also her damit er nicht mehr so schlecht ist. Trotzdem gilt: Frauen und Maenner sind gleich (manche sind halt gleicher)!
pulegon 16.06.2010
2. Verallgemeinernde Verallgemeinerungen, mal ganz Allgemein.
Zitat von pu_king81Trotzdem muss ne Quote her dass oben mindestens gleichviel Frauen sitzen wie Maenner. Angefasst duerfen sie dann natuerlich nur mit Samthandschuhen. Der Mann hingegen, ja der ist boese von Natur aus: bei ihm wird ja mehr Testosteron ausgeschuettet. Oxytocin muss also her damit er nicht mehr so schlecht ist. Trotzdem gilt: Frauen und Maenner sind gleich (manche sind halt gleicher)!
Ihnen mag die political correctness der um Gleichberechtigung betrieben wird, auf den Zeiger gehen, aber deshalb brauchen Sie sich nicht dermaßen über den Artikel aufregen. Denn würde man ihn so allgemein fassen, wie sie es taten, dürfte es wenige Frauen in Europa geben, die noch nicht in der Psychatrie sitzen. Stress gibts nämlich nicht nur in 'männlich dominierten' Berufen. Es geht nicht darum, dass Mann und Frau immer gleich sein sollen, es geht darum, das sie Unabhängig von ihrem sozialen/biologischen Geschlecht behandelt werden, was das Einräumen von Rechten und Pflichten angeht. Der Artikel beleuchtet erstmal nur eine mögliche Hypothese, warum bei Frauen stressbedingte Krankheiten häufiger auftreten. Über das 'wieviel häufiger' wird auch nichts gesagt. Also regen Sie sich bitte weniger auf, Männer haben nämlich im Vergleich zu Frauen vllt. eine statistisch höhere Stresstoleranz, aber dafür auch ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkt. Schwarzweiß gibts realistisch betrachtet höchstens auf dem Papier ihrer Druckerzeugnisse.
pu_king81, 16.06.2010
3. Mir geht die gesellschaftliche Bigotterie auf den Keks
Und Sie, genauso wie der Artikel, sind ein schoenes Beispiel dafuer.
kero-sin 16.06.2010
4. *Titelmelodie einspielen*
Zitat von pu_king81Trotzdem muss ne Quote her dass oben mindestens gleichviel Frauen sitzen wie Maenner. Angefasst duerfen sie dann natuerlich nur mit Samthandschuhen. Der Mann hingegen, ja der ist boese von Natur aus: bei ihm wird ja mehr Testosteron ausgeschuettet. Oxytocin muss also her damit er nicht mehr so schlecht ist. Trotzdem gilt: Frauen und Maenner sind gleich (manche sind halt gleicher)!
Hier geht es erstmal schlichtweg um Forschungsergebnisse. Warum sie nun gleich mit Quotenregelung anfangen müssen, dass soll mal einer verstehen. Denn die Quotenregelung hat nichts in erster Linie hiermit nichts zu tun. Und denken sie, dass etwa nur wehleidige Frauenzimmer aufgenommen werden? Wer oben ist, muss sich dann so oder so durchsetzen. Für Männer in Führungsetagen heißt dies grob gesagt: Nicht nur auf dem Stammtisch nach Nachwuchs sich umzusehen. Für Frauen kurz formuliert: Sich nicht immer aus der Verantwortung zu stehlen und Führungsaufgaben zu übernehmen. Langfristig verspreche ich mir davon eine höhere Qualitätssicherung, da mehr recht stark verschiedene Blickwinkel auf ein zu verkaufendes Produkt (egal in welcher Form es daliegt) geworfen wird. Ich finde es schade, dass es über Quoten geregelt werden muss. Aber wollen wir weitere Jahrzehnte verschwenden? Man vergleiche nur die Ost- West-Gehälter, bei denen es leider noch ewig dauern wird, bis die angeglichen sind. Ich finde es auch recht schade, dass Norwegen(?) die Quote soweit ich weiß bei Studienfächern zurückgenommen hat, nur weil sich auf einmal Frauen beschwerten, dass sie nun benachteiligt werden. Das ist dann absolut keine Gleichberechtigung mehr. Ausnahmen wären allerdings auch sinnvoll bei reinen auf Männer oder Frauen ausgerichteten Betrieben. Auch gegenseitige Einverständnisse wie die Benutzung Unisextoiletten, die auch von Behörden akzeptiert werden. Aber das führt zu weit. Die einzige Aussage des Artikels ist: Wir haben vermutlich den Grund gefunden, warum Männer und Frauen unterschiedlich auf Stress reagieren. Weiterhin (von mir interpretiert): Wenn sich das bestätigt, können wir helfen, dass Frauen leichter mit Stress zurechtkommen. Wenn sie das schaffen, ist es vielleicht auch einfacher Familie und Beruf zu vereinbaren. Dadurch könnten mehr Kinder geboren werden. Was allerdings auch so schon einige schaffen. Man könnte noch vermuten, dass wegen den schlecht abgebauten Stress Frauen seltener in stressige Berufe gehen (Männerberufe) sondern lieber der Gesundheit (Stress kann eben auch krank machen) wegen in leichteren Berufen sich ausgebreitet haben. Schließlich will man noch genügend Kraft nach der Arbeit haben, um sich um seine Kinder kümmern zu können. Und dies vor allem langfristig. Dass ist allerdings reine Spekulation.
Transmitter, 16.06.2010
5. Was zum Lachen, mehr micht
Zitat von pu_king81Und Sie, genauso wie der Artikel, sind ein schoenes Beispiel dafuer.
Och, man sollte diesen Gender Mainstreaming-Quatsch eher sportlich nehmen. Ein paar durchgeknallte, abgehobene, in einer bereits untergehenden Zeit "noch" wirkende westliche Ideologen können ein paar tausend Millionen Jahre Evolution nicht verändern. Nicht mal ansatzweise. Evolution bedeutet: Der Stärkere gewinnt. Und wer und was stärker ist, können wir ja anhand unserer verfallenen Städte und Infrastrukturen, kollabierenden sozialen Systeme, unserer Moral- und Bildungseinstellungen usw. jeden Tag sehen. Gender Mainstreaming ist da nur noch ein bedeutungsloser Furz des sich bereits in Todeskrämpfen windenden Gesellschaftsmodells der 68er. Ein dummer Witz, der den Untergang nur ein wenig beschleunigt. Schauen wir nach Asien, sehen wir aufstrebende, starke Systeme und Kulturen, die auf den verratenen Werten der europäischen Gesellschaften fussen. Glaube, Sitte, Heimat. Dort ist die Familie und das klassische Geschlechtermodell die Grundlage. Und die gewinnen das Spiel zusehends. Auch, weil sie es bezahlen können, die taumelnde westliche Führungsmacht USA aber "nur noch" ihre Militärmacht zur Beanspruchung einer Führungsrolle vorweisen kann. Und selbst das reicht immer weniger aus. Warten wir den Big Bang hierzulande mal ab und sehne dann weiter. Lange kann es eh nicht mehr dauern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.