Keine verbindlichen Regeln zur Biodiversität Staatschefs legen nur "Versprechen für die Natur" ab

Der Biodiversitätsgipfel der Uno in New York sollte die Weichen für ein globales Schutzabkommen stellen. Aber mehr als eine Absichtserklärung wird es wohl nicht geben - auch aufgrund der Corona-Pandemie.
Naturlandschaft in Bayern: "Armutszeugnis" für die Uno

Naturlandschaft in Bayern: "Armutszeugnis" für die Uno

Foto: Martin Siepmann / Westend61 / imago images

Der Biodiversitätsgipfel der Uno sollte eigentlich eine wichtige Veranstaltung für den Naturschutz werden. Hier sollten die Weichen für eine globale Rahmenkonvention zum Schutz von Pflanzen und Tieren gestellt werden. Doch die Corona-Pandemie hat den Plan durcheinander gebracht. Das entscheidende Treffen für ein Schutzabkommen wird nun erst im kommenden Jahr stattfinden. Verbindliche Regelungen für die Erhaltung der Biodiversität sind bei dem Treffen am Mittwoch, das virtuell in New York abgehalten wird, nicht zu erwarten.

Immerhin haben Staats- und Regierungschefs aus mehr als 60 Ländern mit einer gemeinsamen Erklärung ihre Absicht unterstrichen, sich stärker für den Erhalt der weltweiten biologischen Vielfalt einzusetzen. Sie verabschiedeten am Montag am Rande der Uno-Generaldebatte gemeinsam ein sogenanntes "Versprechen für die Natur".

"Indem wir dieses Versprechen für die Natur unterstützen, verpflichten wir uns nicht einfach nur zu Worten, sondern zu bedeutsamen Taten und gegenseitiger Rechenschaft, um die Krise des Planeten anzugehen", hieß es in dem Dokument. Unter anderem sollen unregulierte Fischerei und Wilderei gestoppt werden und bis 2050 kein Plastikmüll mehr in die Meere gelangen.

Zu den Unterstützern gehören unter anderem Frankreich, Großbritannien und Deutschland. "Die Biodiversität ist unsere Lebensversicherung: Sie liefert saubere Luft und Wasser, Essen, Baumaterial und Kleidung. Sie schafft Jobs und Lebensunterhalt", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) per Videobotschaft. "Und wie die Coronavirus-Pandemie sehr deutlich gezeigt hat, schützt uns eine intakte natürliche Umgebung vor Krankheiten und kann heilen."

Zahlreiche große Staaten wie Brasilien, Indien, die USA und China beteiligten sich nicht an der Aktion. Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro und US-Präsident Donald Trump stehen schon lange in der Kritik und haben in ihren Ländern Maßnahmen zum Naturschutz zurückgefahren.

Am Mittwoch soll es bei den Vereinten Nationen erstmals eine hochrangige Veranstaltung zum Schutz der biologischen Vielfalt geben. Dabei werden auch Uno-Generalsekretär António Guterres und Prince Charles sprechen. Der britische Thronfolger engagiert sich schon seit vielen Jahren im Umweltschutz.

"Armutszeugnis" für die Uno

Mit Spannung blicken Experten zudem auf die Rede von Chinas Staatschef Xi Jinping. Er hatte erst vor einigen Tagen größere Anstrengungen im Kampf gegen die Klimakrise versprochen. Sein Land wolle vor 2060 die Klimaneutralität schaffen, verkündete Xi. China ist derzeit für rund ein Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Am Mittwoch wird es beim Biodiversitätsgipfel aber voraussichtlich kein gemeinsames Abschlussdokument geben. Das sei ein "Armutszeugnis", kommentierte Florian Titze vom WWF Deutschland.

Vor Kurzem hatte ein Uno-Bericht dargelegt, dass keines der vor zehn Jahren für 2020 gesetzten Ziele bei dem Thema erreicht worden sei. Im chinesischen Kunming ist für das kommende Jahr eine weitere Biodiversitätskonferenz geplant. "Kunming muss aus der Biodiversität eine allgegenwärtige Sorge und ein politisches Thema machen", sagte der Präsident der Uno-Vollversammlung, Volkan Bozkir. "Jeder muss die Risiken der Untätigkeit verstehen."

Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt ist ein internationaler Vertrag, der auf dem Uno-Erdgipfel in Brasilien 1992 vereinbart wurde. Es verfolgt drei Ziele: Erhaltung der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung der Natur und die gerechte Aufteilung der Vorteile, die sich aus der Genforschung ergeben, heißt es bei den Vereinten Nationen.

joe/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.