Biologie Beim Altern gleichen sich Mensch und Affe

Menschen werden älter als die meisten Tiere, nur wenige Arten haben größere Lebensspannen. Forscher vermuteten daher, dass wir ganz einfach anders altern. Doch eine neue Untersuchung widerlegt das. Sie zeigt außerdem eine Gemeinsamkeit von Menschenfrauen und Affenweibchen.

Von der Lebenserwartung einer Riesenschildkröte, die gut 250 Jahre auf dem gepanzerten Buckel haben kann, können Menschen nur träumen. Auch die Tatsache, dass 60-jährige Albatros-Weibchen noch die Strapazen der Mutterschaft locker wegstecken, scheint im Blick aufs menschliche Altern erstaunlich. Viele Tierarten haben allerdings deutlich kürzere Lebensspannen als der Mensch. Und unter unseren nächsten Verwandten, den Affen, finden sich nur Arten, die in jüngerem Alter sterben.

Forscher haben daher bisher angenommen, dass sich das menschliche Altern von dem anderer Primaten unterscheidet. "Menschen leben noch viele Jahre, nachdem sie den Höhepunkt ihrer Fruchtbarkeit überschritten haben", sagt Anne Bronikowski von der Iowa State University in Ames. Daraus folgte die Annahme, dass die lange Zeitspanne des menschlichen Alterns etwas Einzigartiges sei, erklärt Susan Alberts von der Duke University, die Co-Autorin der im Fachmagazin "Science"  veröffentlichten Studie.

Knapp 3000 Affen untersucht

Ein Team um die zwei Forscherinnen hat den individuellen Verlauf der Alterung bei fast 3000 Affen aus sieben Arten aufgezeichnet, um diese These zu prüfen. Sie untersuchten Sifaka-Lemuren aus Madagaskar, Kapuzineraffen aus Costa Rica, Spinnenaffen aus Brasilien, Diadem-Meerkatzen und Paviane aus Kenia, dazu Schimpansen und Gorillas.

Das Ergebnis: Ihr Alterungsverlauf, gemessen daran, wie sich die Wahrscheinlichkeit des Todes im Laufe des Lebens verändert, glich sich bei all diesen Arten - und entsprach dem auch für Menschen typischen. Nach einem hohen Risiko in jungem Alter folgt eine Phase der relativen Sicherheit, danach steigt die Wahrscheinlichkeit zu sterben kontinuierlich an. Auch in einem anderen Punkt ähneln die Menschen ihren nächsten Verwandten: Bei fast allen untersuchten Arten leben die Weibchen länger, das Todesrisiko der Männchen steigt früher.

Die einzigen Primaten, bei denen dieser Geschlechterunterschied nicht zutage trat, waren die Spinnenaffen. Sie seien auch die einzigen, bei denen Männchen nicht offen um Weibchen konkurrieren, erklärt die ebenfalls an der Studie beteiligte Affenexpertin Karen Strier.

wbr/dpa
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