Biologische Uhr Ärzte sagen Wechseljahre voraus

Forscher wollen Frauen schon bald prognostizieren, wie lange sie noch Kinder bekommen können. Ärzte aus Großbritannien haben dafür ein Modell entwickelt, das die Anzahl der Eier anhand der Größe der Eierstöcke berechnet.


Baby mit 40? Ärzte stellen Prognose anhand der Eierstockgröße
DDP

Baby mit 40? Ärzte stellen Prognose anhand der Eierstockgröße

Bei der Geburt besitzt ein weibliches Baby ungefähr 800.000 Eizellen. Diese Eizellen sterben nach und nach ab, mit 37 hat eine Frau noch durchschnittlich 25.000 Eier und kurz vor der Menopause nur noch rund 1000. Das Alter, in dem Frauen unfruchtbar werden, variiert von Frau zu Frau meist zwischen 42 und 58 Jahren. Bisher gab es keine verlässliche Methode, dieses Alter individuell vorherzusagen.

Forscher aus Schottland haben nun herausgefunden, dass man die Anzahl der verbleibenden Eier berechnen kann, indem man die Größe der Eierstöcke mit Hilfe von Ultraschall misst. "Das bedeutet, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, einer Frau zu sagen, wie schnell ihre biologische Uhr tickt und wie viel Zeit sie noch hat, bevor ihre Uhr abgelaufen ist" sagt Hamish Wallace, Hauptautor der Studie in der Fachzeitschrift "Human Reproduction".

Zusammen mit seinem Kollegen Thomas Kelsey von der University of St Andrews entwickelte er mathematische Modelle am Computer. "Wir wussten aus bereits publizierten Daten, dass man mit Ultraschall die Größe der Eierstöcke messen kann, und dass die Eierstöcke im Laufe des Lebens schrumpfen" so Wallace. Die Wissenschaftler zeigten, dass die Anzahl der Eier bei Frauen im Alter zwischen 25 und 51 Jahren direkt mit der Größe der Eierstöcke korreliert. Bei Frauen, die die Anti-Baby-Pille nehmen, funktioniert die Methode allerdings nicht, weil sich dadurch die Eierstöcke verkleinern.

"Wenn die Eierstöcke größer sind als für das Alter der Frau typisch, kommt sie wahrscheinlich erst spät in die Wechseljahre, sind sie kleiner, ist es wahrscheinlich, dass sie schon sehr früh unfruchtbar wird", erklärt Kelsey. Mit diesen Vorhersagen hoffen die Forscher, Frauen zu helfen, die nach einer Krebsbehandlung geschädigte Eierstöcke und dadurch weniger Eizellen haben.

Auch für Paare, die Probleme haben, Kinder zu bekommen, sind die Berechnungen hilfreich. So könne man sehen, ob sich eine In-vitro-Befruchtung oder eine andere Methode lohne. Wenn eine Frau noch viele fruchtbare Jahre vor sich hat, könnte es besser sein, wenn sie auf die natürliche Art versucht, schwanger zu werden, während man keine Zeit verlieren sollte, wenn eine Frau nur noch wenige Eizellen besitzt.



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