Biowaffen Forscher neutralisieren das giftigste Gift

Ein einziges Gramm der potenziellen Biowaffe Botulinumtoxin kann eine Million Menschen umbringen. Jetzt haben US-Forscher ein neues Gegengift entwickelt, das die tödliche Substanz neutralisiert.

Ein Cocktail aus Antikörpern soll gegen Botulinumtoxin helfen, das als giftigste Substanz der Welt und potenzielle Biowaffe gilt. Bei einem Anschlag mit nur einem Gramm des Nervengifts könnten, so ergab eine Studie, eine Million Menschen sterben. Gegen diese Bedrohung wollen US-amerikanische Wissenschaftler, darunter auch Forscher des US-Militärs, ein Gegenmittel entwickelt haben.

Zwar gibt es bereits Wirkstoffe und eine Impfung gegen Vergiftungen mit Botulinumtoxin. Die nach acht Jahren Forschung gefundene Kombination aus mehreren Antikörpern neutralisiere die tödliche Substanz im Tierversuch jedoch effektiver als bisher gebräuchliche einzelne Gegengifte und lasse sich zudem in Massenproduktion herstellen, so die Wissenschaftler um Agnes Nowakowski von der University of California in San Francisco.

Botulinumtoxin, von dem sieben Varianten bekannt sind, wird vom Bodenbakterium Clostridium botulinum erzeugt. Die Mikroben vermehren sich aber auch in schlecht konservierten Nahrungsmitteln und können zu einer lebensbedrohlichen Vergiftung führen, dem Botulismus. Weil das anaerobe Bakterium früher häufig Wurst befiel, wurde das von ihm produzierte Gift danach benannt - das lateinische Botulinumtoxin bedeutet "Wurstgift".

Heute wird das Gift in geringer Dosis gegen Muskelstörungen eingesetzt. Wird es jedoch in größerer Menge eingeatmet oder geschluckt, kommt es zu schweren, mitunter tödlichen Lähmungen. Über die Blutbahn gelangt das Toxin zu den so genannten Motorneuronen, die an der Verbindung zwischen Muskel und Nervenbahn sitzen. Dort verhindert das Gift die Freisetzung des Botenstoffs Acetylcholin, der die Muskelkontraktion steuert. Ohne dieses Signal erschlaffen die Muskeln - im schlimmsten Fall auch solche, die für die Atmung nötig sind.

Nowakowski und ihre Kollegen haben drei Antikörper isoliert und miteinander kombiniert - Eiweiße, die an unterschiedlichen Stellen des Toxins andocken und dieses so unschädlich machen. Der dreifache Angriff, so berichtet das Team in einer Online-Veröffentlichung der "Proceedings of the National Academy of Sciences", kann einen größeren Bereich des Giftmoleküls blockieren. In Versuchen mit Mäusen habe der Cocktail deshalb auch größere Mengen Botulinumtoxin neutralisieren können als einzelne Antikörper. Ob die neue Substanz beim Menschen ähnlich effektiv ist, haben die Forscher noch nicht getestet.

Anders als eine Impfung wirkt das Antikörper-Präparat sofort und lässt sich daher gezielter einsetzen, so die Wissenschaftler. Die Gegengifte werden von Zellen produziert, in die zuvor entsprechende Antikörper-Gene eingeschleust wurden. Auf diese Weise könnten den Forschern zufolge im Falle eines Terrorangriffs auch große Mengen des Cocktails hergestellt werden. Die Strategie, verschiedene Antikörper miteinander zu kombinieren, könnte nach ihrer Meinung auch gegen andere Biowaffen wie Milzbrand, Pocken und Pest helfen.

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