Biowaffen Milzbrand ist die größte Bedrohung

Das Anthrax-Bakterium wird vom US-Militär als gefährlichste aller Biowaffen betrachtet. In Pulverform kann der Erreger über Großstädten abgeworfen werden - das Einatmen der Sporen hat oft tödliche Folgen.

Milzbrand, auch als Anthrax bekannt, gilt als eine der gefährlichsten Biowaffen. Meistens tritt die Krankheit bei Huftieren auf, der Erreger Bacillus anthracis kann aber auch den Menschen befallen. Auf natürlichem Weg stecken sich Menschen meist durch Hautkontakt mit erkrankten Tieren an, auch eine Infektion des Verdauungstraktes durch den Verzehr von unzureichend gegartem, kontaminiertem Fleisch ist möglich.

Am gefährlichsten ist jedoch die dritte Milzbrand-Variante, die durch das Einatmen der Erreger ausgelöst wird. Diese Art der Infektion tritt normalerweise jedoch nur sehr selten auf - der nun bekannt gewordene Fall in Florida ist der erste in den USA seit 1978. Eine Weiterverbreitung der Krankheit durch Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nach Informationen des amerikanischen Seuchenkontrollzentrums CDC  extrem unwahrscheinlich.

Symptome wie bei einer Erkältung

Gefährlich ist das Milzbrand-Bakterium vor allem deshalb, weil es Sporen bilden kann, die auch widrigen Umweltbedingungen standhalten. In der Erde können die Erreger auf diese Weise viele Jahre überdauern. Die Sporen keimen auf, wenn sie in eine Umgebung reich an Aminosäuren, Nukleosiden und Glukose gelangen - etwa im Blut oder Gewebe eines Wirts. Bis zur Keimung können 60 Tage vergehen.

Wenn die Sporen keimen, bricht die Krankheit schnell aus. Die Erreger vermehren sich rapide und produzieren Giftstoffe, die zu Blutungen, Ödemen und einer Zerstörung des Gewebes führen. Wegen der zunächst unspezifischen Symptome wie Fieber, Husten und Kopfschmerzen, die an eine Erkältung erinnern, ist eine frühe Diagnose schwierig. In der zweiten Phase der Krankheit kommt es zu plötzlichen Fieberschüben, schweren Atemproblemen und Schock. Der Tod tritt mitunter innerhalb weniger Stunden ein.

Milzbrand kann mit Antibiotika behandelt werden, die Medikamente müssen jedoch früh verabreicht werden. Wie Tierversuche gezeigt haben, sind Antibiotika wirkungslos, sobald die Giftproduktion einen kritischen Wert überschritten hat. Bei Ansteckung durch Einatmen der Sporen liegt die Sterblichkeitsrate ohne rechtzeitige Antibiotika-Behandlung bei 90 Prozent. Es existiert ein Impfstoff, der zum Beispiel US-Soldaten im Golfkrieg aus Angst vor einer Milzbrand-Attacke verabreicht wurde. Im zivilen Bereich werden wegen möglicher Nebenwirkungen üblicherweise nur Personen geimpft, die im Beruf mit dem Erreger in Berührung kommen können.

Milzbrand als biologische Waffe

Im Vergleich mit anderen potenziellen Biowaffen betrachtet das US-Verteidigungsministeriums den Anthrax-Erreger als größte Bedrohung. Er sei bei weitem der am einfachsten zu produzierende und einzusetzende biologische Kampfstoff, heißt es in einer Gefahreneinschätzung für das Anthrax-Impfprogramm der US-Armee . Die Produktion erfordere weder eine besondere Ausrüstung noch fortgeschrittene Technologie, der Erreger sei vermutlich nicht nur den so genannten Schurkenstaaten, sondern auch international operierenden Terroristengruppen zugänglich.

Die Sporen sind unempfindlich und können nahezu unbegrenzt als Pulver gelagert werden. Es kann gefriergetrocknet in Sprengköpfe gefüllt werden oder als Aerosol versprüht werden. Amerikanische Geheimdienste vermuteten Mitte der neunziger Jahre, dass mindestens 17 Staaten biologische Waffen entwickeln, darunter Iran, der Irak, Libyen, Nord- und Südkorea, China und Russland. Bekannt ist auch, dass der Irak verschiedene Sprengköpfe mit Milzbrand-Sporen präpariert hat.

Ein Anthrax-Aerosol ist unsichtbar, geruchlos und kann vom Wind über mehrere Kilometer getragen werden. Schätzungen zufolge würden 100 Kilogramm Anthrax-Sporen, die bei günstiger Windrichtung als Aerosol über dem Großraum Washington versprüht werden, zwischen 130.000 und 3 Millionen Todesopfer fordern. Auch wirtschaftlich wäre ein solcher Schlag verheerend: Ein CDC-Modell geht davon aus, dass die Behandlung von 100.000 mit dem Erreger in Kontakt gekommenen Personen 26,2 Milliarden Dollar kosten würde.

Bei einer Attacke mit Anthrax-Aerosol könnten Gasmasken und Spezialkleidung zwar genügenden Schutz bieten. Allerdings lassen sich die Sporen bislang noch nicht ausreichend schnell nachweisen, um rechtzeitig vor der Gefahr zu warnen, räumt der Bericht des Verteidigungsministeriums ein.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.