Biowaffen-Pläne Bakterien sollen Panzer zerstören

Die USA erwägen nach Angaben eines Hamburger Experten die Entwicklung offensiver Biowaffen. Im Interview berichtet Jan van Aken, Biologe vom "Sunshine Project", von den Plänen der Amerikaner.


SPIEGEL:

Ihre Organisation hat Zugang zu zwei Dokumenten bekommen, die angeblich erstmals beweisen, dass die USA offensive Biowaffen entwickeln wollen. Was sind das für Dokumente?

Van Aken: Es handelt sich um zwei Forschungsanträge von Militärlabors, die ­ unter anderem auch gentechnisch veränderte ­ Mikroorganismen in Biowaffen verwandeln wollen. Diese Mikroben sollen ­ teilweise mit Hilfe von selbst produzierten Biokatalysatoren ­ Materialien wie Asphalt, Zement, Farbe und Öl zerstören können und damit folglich die Rollfelder, Gebäude, Panzer und Flugzeuge des Gegners. Sie stellen also eindeutig offensive Biowaffen dar, die nach dem US-Biowaffenkontrollgesetz eigentlich verboten sind.

SPIEGEL: Aber meist sind es doch gerade die USA, die andere Länder wegen der angeblichen Entwicklung offensiver Biowaffen brandmarken ...

Van Aken: ... und trotzdem planen sie, selbst welche zu entwickeln. Wirklich überrascht hat mich daran eigentlich nur die Dreistigkeit, mit der die Anträge formuliert sind. Da heißt es: "Die Anwendbarkeit dieser Technik kennt keine Grenzen. Biokatalysatoren können gezielt entwickelt werden, um jedes beliebige Material zu zerstören. Alle Waffengattungen hätten Interesse hieran." Bisher habe ich nur Dokumente gesehen, in denen mit allen Mitteln versucht wird, den offensiven Charakter der Forschung zu vertuschen. Immerhin kann die Entwicklung offensiver Biowaffen in den USA mit lebenslanger Haft bestraft werden.

SPIEGEL: Warum wurden die Anträge dann trotzdem eingereicht?

Van Aken: Vielleicht kennen die Militärs ja ihre eigene Gesetzgebung nicht. Sollten die Anträge tatsächlich befürwortet werden ­ darüber hat das Pentagon zu entscheiden ­, könnte sofort dagegen geklagt werden.

SPIEGEL: Welche Gefahren drohen, sollten solche Mikroorganismen tatsächlich entwickelt und im Krieg eingesetzt werden?

Van Aken: Gentechnisch veränderte Organismen im großen Stil in die freie Wildbahn auszusetzen kann völlig unberechenbare Folgen haben.



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