Bizarre Luftfahrt Tollkühne Männer in flatternden Kisten

Schon seit Jahren schraubt ein kanadischer Bastler an einem Schwingflügel-Flugzeug, dessen Tragflächen wackeln wie die Flügel eines Vogels. Das Gefährt, das Leonardo da Vinci vor 500 Jahren ersonnen hat, soll bei den Winterspielen 2006 in Turin abheben.

Schon auf der Startbahn muss dem Piloten schwindelig geworden sein. Was da Vinci einst als Schwingflügler-Flugzug - auch Ornithopter genannt - konzipiert hatte, wackelte und hüpfte über die Piste des Downsview Airport Toronto. Angetrieben von einem Motor, schlugen die riesigen Flügel auf und nieder und schüttelten den Steuermann mächtig durch. Von einem Flug konnte keine Rede sein: Das Gefährt hüpfte einige Male einen halben Meter nach oben, ehe es wieder zum Stillstand kam.

James DeLaurier von der University of Toronto arbeitet schon seit Jahrzehnten an der Verwirklichung eines Kindheitstraums: "Damals war ein Buch von Leonardo da Vinci in unserem Haus, und ich verliebte mich in die Abbildungen", erinnert sich der Luftfahrt-Professor. Er habe davon geträumt, eines Tages mit einer Maschine zu fliegen, die den Ideen des italienischen Renaissance-Malers und Erfinders entsprach.

DeLauriers Projekt wirkt anachronistisch. Die letzten ernsthaften Flugversuche mit Schwingflüglern wurden unternommen, als die Luftfahrt noch die Sache verrückter Abenteurer war. Ornithopter konnten sich im bemannten Flug nie durchsetzen, vor allem, weil die Flügelbewegungen den Rumpf mitschwingen lassen. Auch der Wirkungsgrad ist im Vergleich zu einem konventionellen Flugzeug geringer, meinen Flugzeugbauer.

Effizienter als herkömmliche Flugzeuge?

Doch DeLaurier und sein Team vom Institute for Aerospace Studies an der University of Toronto ficht das nicht an. Die Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass die Vogelflügel letztlich effizienter sind als feste Flügel. Der bemannte, motorbetriebene Prototyp schaffte einen wirklichen Flug allerdings noch nicht. Nur die Modelle haben sich in die Lüfte geschwungen, das aber in beeindruckender Manier.

Der Schwenkflügler fliegt genau wie ein Vogel: Sämtlichen Schub und einen Großteil des Auftriebs produzieren die schlagenden Flügel. Liebhaber der eigenwilligen Flugtechnik lassen ihre Modellflugzeuge bis heute flatternd umherschweben. Auch DeLaurier und sein Kollege Heremy Harris experimentierten zunächst mit Modellen, bevor sie Ende der neunziger Jahre einen bemannten Ornithopter über die Startbahn des Flughafens Toronto hüpfen ließen.

Fünf Millionen Dollar für Weiterentwicklung

Das Team will nun fünf Millionen Dollar sammeln, um den Ornithopter weiter zu entwickeln und ihn zu den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin abheben zu lassen. 500 Jahre nach da Vinci soll die Idee des Künstlers die Menschen begeistern. Vielleicht, so hoffen die Forscher, wird der ausschließlich per Muskelkraft absolvierte Ornithopterflug eines Tages sogar olympische Disziplin. "Der vogelgleiche Flug mit schwingenden Flügeln", sagt DeLaurier, "war die erste Idee in der Fliegerei und ist zugleich die letzte noch offene Aufgabe."

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