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24. Juli 2014, 07:28 Uhr

Spurensuche nach dem MH17-Absturz

Die Wahrheit liegt im Wrack

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Die Analyse der Blackbox soll Aufschluss über die Ursache für den Absturz von Flug MH17 bringen. Doch die wichtigsten Indizien verbergen sich laut Experten im Trümmerhaufen - sofern Separatisten die Spuren noch nicht verwischt haben.

Donzek - Die Bilder aus dem Hauptquartier der Separatisten erinnern fast an einen Staatsakt: Alexander Borodaj, selbst ernannter "Premierminister" der selbst proklamierten "Volksrepublik Donezk" hält eine feierliche Ansprache, dann zieht ein Gefolgsmann zwei orangefarbene Stahlboxen aus einem Sack: den Flugdatenschreiber und den Stimmenrekorder des Fluges MH17. Kameras klicken, ein Rebell und ein Vertreter der malaysischen Regierung unterschreiben noch einen Vertrag, dann endlich kriegt der Staat Malaysia sein rechtmäßiges Eigentum zurück.

Die Blackbox, die nun einem Speziallabor im britischen Farnborough untersucht werden soll, rückt immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses. Angehörige und Politiker erhoffen sich von der Analyse der beiden Aufzeichnungsgeräte Aufklärung über Ursachen des Unglücks und mögliche Täter.

Flugzeugteile schnellstens untersuchen

Wichtiger sei aber die genaue Untersuchung der Absturzstelle, sagt der australische Flugsicherheitsexperte Desmond Ross SPIEGEL ONLINE. "Die Blackbox allein wird uns wahrscheinlich keine Erklärung liefern. In diesem konkreten Fall ist die Analyse der Trümmer entscheidend."

Auch der auf Luftverkehr spezialisierte IT-Experte David Allerton von der Universität Sheffield schreibt: "Während sich viel Aufmerksamkeit auf die Blackbox richtet, könnte es am Ende nicht auf ihre Information ankommen. Der Schaden, der der Flugzeugzelle von MH17 zugefügt wurde, könnte uns präzise erzählen, wer für diese Tragödie verantwortlich ist."

Sollte wie vermutet eine Rakete die Boeing 777 zerstört haben, könne schon die Analyse einzelner Metallteile des Flugzeugs dies beweisen, sagt Ross, der selbst früher Pilot und Fluglotse war. "Wenn darauf Sprengstoffspuren gefunden werden, lässt sich nachweisen, welcher Raketentyp verwendet wurde. Und ich würde nicht ausschließen, dass zwischen den Wrackteilen auch noch Fragmente der Rakete herumliegen."

Allerdings seien die Separatisten mehrere Tage vor den internationalen Experten an der Absturzstelle gewesen. "Es gibt keinen Zweifel, dass sie seit Tagen versuchen, Beweismaterial beiseitezuschaffen. Wir haben schon Bilder gesehen, wie ein Kran Teile weggetragen hat", sagt Ross. "Hoffen wir, dass sie nicht wussten, was sie taten. Und dass ihnen niemand mit mehr Wissen erzählt hat, was sie tun müssen."

Umso wichtiger sei es nun, die Absturzstelle so gut wie möglich abzuriegeln und gründlich von unabhängigen Spezialisten untersuchen zu lassen. "Wenn der Absturzort keine Kriegszone wäre, bekämen die Ermittler die komplette Kontrolle über das Gebiet. Niemand außer ihnen dürfte hinein." Üblicherweise dauere eine derartige Untersuchung mehrere Monate - erst recht in einem bis zu 50 Quadratkilometer großen Trümmerfeld. "Umso wichtiger ist jetzt, dass internationaler Druck auf die Separatisten ausgeübt wird, dass sie die Leute in Ruhe arbeiten lassen. Das braucht mindestens zwei oder drei Monate Zeit", fordert Ross.

Vom Stimmenrekorder, der sämtliche Geräusche im Cockpit sowie den Funkverkehr aufzeichnet, erhofft sich Ross wenig. "Das ging wahrscheinlich zu schnell. Es sei denn, die Piloten haben eine anfliegende Rakete gesehen oder sind vorher von jemandem gewarnt worden."

Weitaus mehr Hinweise auf den Ablauf des Unglücks könne der Flugdatenschreiber liefern, der üblicherweise zwischen 50 bis 100 Parameter erfasst - unter anderem Geschwindigkeit, Höhe, Kabinendruck, Flugrichtung und Neigungswinkel. "Aber diese Untersuchung wird wohl keine ausreichenden Informationen darüber liefern, was genau zum Absturz geführt hat", sagt Ross. "Erst recht nicht, wer welche Rakete abgefeuert hat, wenn es denn so war."

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