Kurt Stukenberg

Fondsgesellschaft Blackrock und der Klimaschutz Mit ökologischen Grüßen, Ihre Finanzindustrie

Kurt Stukenberg
Ein Kommentar von Kurt Stukenberg
Die Finanzbranche hat einen schlechten Ruf, nun will ausgerechnet der weltweit größte unabhängige Vermögensverwalter den Klimaschutz zum Kern der Unternehmenspolitik machen. Der Beginn einer großen Ökowende?
Blackrock-Chef Larry Fink: Ein außerordentlich großes und besonders dreckiges Unternehmen

Blackrock-Chef Larry Fink: Ein außerordentlich großes und besonders dreckiges Unternehmen

Foto: Damon Winter/ The New York Times/ Redux/ laif

Dieser Brief hat die Finanzwelt aufhorchen lassen: "Der Klimawandel ist zum entscheidenden Faktor für die langfristigen Aussichten von Unternehmen geworden", heißt es in dem Schreiben. "Als im vergangenen September Millionen Menschen auf die Straße gingen, um Maßnahmen gegen den Klimawandel zu fordern, betonten viele von ihnen die erheblichen Auswirkungen der Erderwärmung auf das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand - ein Risiko, über das sich die Märkte bislang nur langsam im Klaren werden. Das Bewusstsein ändert sich jedoch rasant, und ich glaube, wir stehen vor einer grundlegenden Wende."

Was klingt wie aus der Tastatur von Greta Thunberg, ist ein Brief von Larry Fink , Chef des größten unabhängigen Vermögensverwalters der Welt und einer der mächtigsten Männer der Finanzindustrie. Mit den Zeilen aus seinem jährlichen Rundschreiben ermahnt er die weltweite Unternehmenselite kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsgipfels in Davos.

Die Kernbotschaft: Blackrock wird Klimaschutz künftig zum Kern der Unternehmenspolitik machen. Konzernchefs, die weiter unverdrossen auf fossile Energien und klimaschädliche Produkte setzen, haben mit erheblichem Gegenwind zu rechnen.

Macht Blackrock mit der Ankündigung Ernst, könnte das der Beginn einer ökologischen Wende am Finanzmarkt und damit letztlich auch in der Realwirtschaft sein. Mit etwas Optimismus betrachtet, ist Finks Brief die beste Nachricht für den globalen Klimaschutz seit Langem.

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In der Definition von Finanz-Schwergewichten fällt Blackrock in eine eigene Klasse. Das Unternehmen mit Sitz in New York verwaltet knapp sieben Billionen Dollar (amerikanisch Trillion) Kapital seiner Anleger - ein Volumen, das etwa doppelt so groß ist wie die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik. Nach Recherchen des britischen "Guardian"  ist das Unternehmen nicht nur außerordentlich groß sondern auch besonders dreckig - und das ist in diesem Fall eine gute Nachricht.

Denn setzt ein ökonomischer Supertanker mit diesen Kennzahlen einen neuen Kurs, wirkt sich das entsprechend aus: Blackrock verwaltet laut "Guardian" Anteile an Kohle, Öl und Gaskonzernen im Umfang von rund 87 Milliarden Dollar, ist der weltgrößte Investor bei Kohleprojekten und besitzt über seine Beteiligungen an Minen rein rechnerisch 2,1 Milliarden Tonnen Kohle - dem klimaschädlichsten Brennstoff überhaupt. Außerdem zählt Blackrock demnach zu den zehn größten Anteilseignern  von sieben der zehn größten globalen Kohleproduzenten. Darunter seien Namen wie Peabody in den USA, BHP Billiton und Glencore, Vale mit einem Projekt in Mosambik, Coal India und BHP Australia.

Entscheidendes Signal an Investoren und Unternehmen

Für deren Geschäftsfeld verkündet Fink in dem Teil des Schreibens , das sich an Hunderte Großanleger wie Versicherungen und Pensionsfonds richtet, nun das baldige Aus: "Die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit von Kohle sinkt, und mit Blick auf die Energiewende glauben wir nicht daran, dass sich weitere Investitionen langfristig ökonomisch begründen lassen."

Deshalb werde sich Blackrock nun schrittweise bis 2025 aus Unternehmen zurückziehen, die mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes mit Kohleproduktion verdienten. Stattdessen wolle sein Unternehmen mehr nachhaltige Anlagemöglichkeiten anbieten. Fink, Anhänger der US-Demokraten, droht in seinem Rundschrieben außerdem Aufsichtsräten und Vorständen mit Widerstand, wenn sie nicht transparent über Nachhaltigkeit informieren oder Pläne erarbeiten, wie sie der Klimakrise begegnen wollen. Erst vor Kurzem war Finks Unternehmen außerdem der Bewegung Climate Action 100+ beigetreten, in der sich 370 weltweite Investoren für mehr Klimaschutz einsetzen.

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Blackrock wird nicht über Nacht zum Ökounternehmen werden, sondern erst einmal ein breit aufgestellter Konzern mit Investments in umstrittenen klimaschädlichen Geschäften bleiben. In Finanzmedien wird schon vorgerechnet , dass rund zwei Drittel des von Blackrock verwalteten Geldes von den neuen Ankündigungen des Chefs erst einmal gar nicht betroffen sein könnten.

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Doch klar ist auch: Die Jahrhundertaufgabe Klimaschutz wird ohne Unterstützung wichtiger Teile der Wirtschaft in der knappen Zeit, die wir zur Verfügung haben, nicht zu meistern sein. Bei der Bewältigung der Klimakrise wird es nicht reichen, bei ohnehin nachhaltig arbeitenden Unternehmen darauf zu setzen, dass diese auch noch das letzte Gramm CO2 aus der Bilanz tilgen, damit man ihre Produkte guten Gewissens kaufen kann. Nicht Ökostromkonzerne, die ihren Mitarbeitern Wasser aus Plastikflaschen reichen verdienen unsere Aufmerksamkeit, sondern die großen globalen Unternehmen. Bekommen wir die bei der Rettung des Planeten nicht an Bord, sieht es schlecht aus.

Die Positionierung Larry Finks ist deshalb trotz aller einschränkenden Bedenken richtig und wichtig. Auch weil von ihr ein entscheidendes Signal an andere Investoren und Unternehmen ausgehen kann - nicht zuletzt in Deutschland: Blackrock besitzt zwischen fünf und sechs Prozent der Anteile an den größten deutschen Energiekonzernen Eon und RWE, denen es noch immer schwerfällt, sich auf eine fossilfreie Energiezukunft einzulassen. Anteile in diesem Umfang reichen oft schon aus, um die Konzernpolitik entscheidend zu verändern.

Auch Joe Kaeser dürfte den Brief gelesen haben. Der Siemens-Chef hatte vor wenigen Tagen verkündet, sich trotz öffentlichen Drucks weiter am Bau der weltgrößten Kohlemine in Australien zu beteiligen - obwohl der entsprechende Auftrag lediglich einen Umfang von läppischen 20 Millionen Euro hat. Beim nächsten Mal sagt Kaeser vielleicht von vornherein ab: Denn Blackrock hält gut fünf Prozent der Anteile an Siemens.

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