Blechkamerad Roboter soll im Irak Bomben entschärfen

Im Kampf gegen Aufständische im Irak setzt das US-Militär zunehmend auf Roboter. Die Maschinen sollen versteckte Bomben finden und so zahlreichen Soldaten das Leben retten. Künftig könnten die Roboter allerdings auch mit eigenen Waffen in die Gefechte eingreifen.

Bombenanschläge sind für mehr als 70 Prozent aller Todesfälle und Verwundungen unter US-Soldaten im Irak verantwortlich. Das Pentagon will deshalb künftig seine Truppen auch mit Hilfe von Robotern schützen. In den nächsten Monaten soll ein Bombensuchgerät namens "Fido" seinen Einsatz beginnen.

Der Roboter ist nach Angaben der Herstellerfirma iRobot der erste Vertreter seiner Art, der mit einem Sensor für Sprengstoffe in den Kriegseinsatz geschickt wird. Das US-Militär hat 100 Exemplare bestellt, die in den kommenden Monaten in den Irak geliefert werden sollen.

Neu ist der Einsatz von Robotern keinesfalls: Die US-Streitkräfte kommandieren inzwischen eine ganze Armee der kleinen Helfer: Seit 2004 ist ihre Zahl im Irak und in Afghanistan von rund 150 auf fast 5000 gestiegen. Sie durchsuchen Häuser und Höhlen, fahnden nach Minen und spüren Bomben auf, die am Straßenrand und in Autos versteckt sind.

1,7 Milliarden Dollar für neue Kampfroboter

Die US-Regierung hat den Etat für die mechanischen Kämpfer zuletzt massiv aufgestockt. 2004 gab Washington 100 Millionen Dollar für Militärroboter aus. Für die Jahre 2006 bis 2012 sieht der US-Haushalt Ausgaben von 1,7 Milliarden Dollar (rund 1,27 Milliarden Euro) für Kampfroboter vor, wie der National Center for Defense Robotics, ein vom US-Kongress mitfinanziertes Konsortium aus 160 Firmen, Universitäten und Regierungslabors, mitteilt.

Die beiden größten Roboter-Hersteller in den USA freuen sich über entsprechend volle Auftragsbücher. Foster-Miller mit Sitz in Waltham (US-Bundesstaat Massachusetts) hat kürzlich 1000 neue Roboter ans US-Militär geliefert, 385 kamen im vergangenen Jahr von iRobot.

"Fido", das neueste Modell, soll die Suche nach Bomben für die beteiligten Soldaten sicherer gestalten. Die Daten des eingebauten Sensors sollen direkt auf der Fernbedienung ablesbar sein. Mit seinem zwei Meter langen Arm soll der Roboter auch das Innere und die Unterseite von Autos nach Sprengstoff absuchen können.

Warnung vor blindem Vertrauen in die Technik

Philip Coyle vom Center for Defense Information in der US-Hauptstadt warnt allerdings vor blindem Vertrauen in die Roboter. Die Bomben-Sensoren seien anfällig für Fehlermeldungen: Sprengstoff-Reste von früheren Explosionen, Rauch und andere Verschmutzungen am Boden und in der Luft führten die elektronischen Schnüffler allzu oft in die Irre.

"Die Soldaten könnten beginnen, ihr Zutrauen in die Roboter zu verlieren", sagte Coyle. Die Maschinen könnten "mehr Ärger verursachen, als sie wert sind" und "die Dinge verlangsamen". Loren Thompson vom Lexington Institute, einem Think Tank in Washington, stimmte in die Kritik ein: Jede einzelne Bewegung der Roboter müsse vom Bedienpersonal vorgegeben werden. Außerdem könnten schon einfache Hindernisse oder steile Anstiege unüberwindbare Hürden für die Roboter darstellten.

Die Roboter, die sich derzeit im Einsatz befinden, könnten unterschiedlicher kaum sein: 700 Gramm leichte Knirpse tun Dienst mit Ungetümen von einem Zentner Gewicht. "Fido" ist mit seinen knapp 24 Kilogramm in der Mitte angesiedelt. Allerdings ist er auch nicht ganz billig: Durch seine Hightech-Ausstattung mit Videokameras, Spezialantrieb und einem Arm, mit dem er Bomben entschärfen oder zerstören kann, kostet er umgerechnet rund 124.000 Euro.

Umstritten: Bewaffnete Roboter für den Kampfeinsatz

Allerdings sollen künftige Roboter nicht nur Bomben entschärfen, Ausrüstung schleppen oder beim Transport von Verwundeten helfen. Auch bewaffnete Exemplare wurden bereits entwickelt - wie der israelische "Viper" oder das "Talon"-System des US-Herstellers Foster-Miller. Mit Maschinengewehren und Granatwerfern könnten sie schon bald Jagd auf Feinde machen - und sorgen für durchaus kontroverse Diskussionen.

Staff Sergeant Shawn Baker, 26, war während seiner zwei Dienstzeiten im Irak mehrfach an Bomben-Entschärfungen beteiligt. Bevor es die Roboter gegeben habe, seien er und seine Kameraden den Sprengsätzen mit vorsintflutlich anmutenden Mitteln zu Leibe gerückt: Haken, an langen Seilen befestigt, wurden über verdächtige Objekte gezogen, um sie zur Detonation zu bringen. "Einige Male war man näher dran als notwendig, aber man musste es eben tun", sagte Baker der Nachrichtenagentur AP. Zwei Soldaten, die er kannte, seien auf diese Weise ums Leben gekommen.

mbe/AP

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