US-Stadt Flint Blei im Trinkwasser - Obama ruft Notstand aus

Die US-Stadt Flint wollte Geld sparen - und zapfte ihr Trinkwasser aus dem Fluss. Doch das aggressive Wasser löste Blei aus alten Leitungen, viele Bürger wurden krank. Jetzt hat Präsident Obama den Notstand für die Region ausgerufen.
Wasserturm in Flint, Michigan: Sparmaßnahme Flusswasser

Wasserturm in Flint, Michigan: Sparmaßnahme Flusswasser

Foto: REBECCA COOK/ REUTERS

Es begann als Sparmaßnahme und endete als massive Gesundheitsgefährdung Zehntausender Einwohner: Im Sommer 2014 koppelte sich die US-Stadt Flint, eine Autostunde nördlich von Detroit gelegen, vom Trinkwassernetz der Autostadt ab. Der vom Gouverneur des Bundesstaats Michigan, Rick Snyder, ernannte Notverwalter der bankrotten Großstadt ließ das Wasser aus dem Flint-Fluss entnehmen. Das Problem: Die Kläranlage konnte das Flusswasser nicht entsprechend den Trinkwasservorschriften aufbereiten.

So klagten die Bewohner bald, das stinkende und trübe Wasser löse Hautausschlag, Erbrechen und Haarausfall aus. Aber es kam noch schlimmer: Das aggressive Flusswasser griff die alten Leitungen an, wusch das Blei aus und spülte das Schwermetall bis in die Wasserhähne der Häuser. Anderthalb Jahre vergingen, bis die Stadtverwaltung die knapp 100.000 Einwohner über die Gefahren aufklärte. Seit drei Monaten trinken Familien nun ihr Wasser nur noch aus Flaschen und bringen ihre Kinder zu regelmäßigen Bluttests.

Jetzt hat US-Präsident Barack Obama der Bitte des Gouverneurs entsprochen und in Michigan den Notstand erklärt. Obama habe Bundeshilfe angeordnet, um die Behörden der Stadt Flint und des Bundesstaates zu unterstützen, teilte das Weiße Haus mit.

Wasserversorgung: In der örtlichen Feuerwache können die Einwohner Flaschen mit Trinkwasser bekommen

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Foto: BILL PUGLIANO/ AFP

Die Bundesagentur für Katastrophenschutz (FEMA) stellt ab sofort Trinkwasser, Wasserfilter und Test-Sets für eine Dauer von bis zu drei Monaten zur Verfügung. Die Ausrufung des Notstands diene dazu "Leben zu retten und die öffentliche Gesundheit und Sicherheit zu schützen" und eine drohende Katastrophe abzuwenden, hieß es aus dem Weißen Haus.

Die Stadt kann jetzt bis zu fünf Millionen Dollar Direkthilfe beantragen, allerdings muss der Bundesstaat Michigan mindestens 25 Prozent beitragen - was den Staat laut Gouverneur Snyder überfordere. Der Bedarf übersteige die Leistungsfähigkeit, sagte Snyder - er rechne damit, dass die Notfallmaßnahmen 41 Millionen Dollar kosten werden.

Proteste: Zur Demo gegen die Wasserverseuchung kam auch der aus Flint stammende Dokumentarfilmer Michael Moore

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Foto: Jake May/ AP/dpa

Zwar wechselte Flint bereits im Oktober zurück und ist wieder an das Wassernetz von Detroit angeschlossen - Experten befürchten aber, dass die Leitungen so beschädigt sind, dass sie komplett ausgetauscht werden müssen. Die Kosten würden bis zu 1,5 Milliarden Dollar betragen.

Auch die Sängerin und Schauspielerin Cher zeigte sich besorgt über die "Tragödie riesigen Ausmaßes mitten in unserem Land": Sie spendete mehr als 180.000 Flaschen Trinkwasser, die von Montag an nach Flint transportiert werden sollen.

nck/AFP/AP
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